Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: Vergleich Organisation Religöse vs. Atheisten (mrw)

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Diskussionsbeitrag:

Am 26.07.2010 20:28 schrieb mrw:

Leider muss ich Dir voll und ganz recht geben.

Am 25.07.2010 16:00 schrieb fredric:
Ich denke ein Problem das wir Atheisten haben, ist unsere schlechte Organisiertheit / Ziellosigkeit.

Was ist das Ziel? Ein wissenschaftlich aufgeklärtes Weltbild und eine dazu passende Gesellschaft?

Dieses Ziel erreichen gute Bildung und die Universitäten am besten. Unsere Tempel des Wissens sind nicht die Kirchen, Moscheen und Synagogen, sondern die Hörsäle der Universitäten.

Am besten organisiert setzt sich die Freidenkervereinigung für unsere gesellschaftlich sozialen Anliegen ein.

Politisch gesehen ist es prekär: Auf der einen Seite gibt es ausdrücklich christliche Parteien, wie die EDU und EVP (weniger die CVP, deren C mehr historisch als aktuell ist), auf der anderen Seite spalten sich die normalen Parteien bei religiösen Fragen in eine christliche und nichtchristliche Hälfte. Eine spezifisch atheistische Partei gibt es nicht. Wobei ich beobachtet habe, dass der die Exponenten der Piratenpartei grossmehrheitlich überzeugte Atheisten sind.

Die Religösen haben ihre Kirchen

Wir Atheisten brauchen uns nicht händchenhaltend gegenseitig unseren Unglauben zu versichern und uns beim gemeinsamen Studium der Natur in unserer Gottlosigkeit zu bestätigen. Unser Weltbild ist das logische Resultat der Auseinandersetzung mit der Welt, da ist alles klar.

Klar diskutieren auch wir gern, aber das nimmt nie das Ausmass religiöser Glaubensbekennungen an, und es hat auch nicht denselben Stellenwert, wie bei den Christen die Auseinandersetzung mit ihrem Glauben.

Was nicht dermassen absurd ist, braucht man auch nicht grenzenlos zu zelebrieren, um seine Unsicherheit und «falsche» Gedanken unterdrücken zu können.

Sucht man frei die Wahrheit, gibt es eben keine «falschen» Gedanken, keine Denkverbote und keine willkürlich aufgestellten «Grenzen der Vernunft». Im Gegenteil: Was die Vernunft nicht erfassen kann, bleibt nach unserer Auffassung für uns Menschen theoretisch im Dunkeln. Nur dass wir keine Grenzen der Vernunft erkennen können, während Christen danach suchen, um ihren Gott dahinter zu verstecken.

Die Religionen haben eingebaute Ziele: Verbreitung der jeweiligen Religion; Durchsetzung von Moral-Vorstellungen bis hin zu Regeln, die man nur noch durch Religion und man gar nicht mehr durch Moral rechtfertigen kann ⇒ Einflussnahme auf Individuen und Gesellschaft.

Und genau hier ist die Zivilgesellschaft gefragt: Alle vernünftigen Kräfte müssen solche Ansprüche erkennen, um sie heftig zurückzuweisen.

Ich kenne nur wenige Atheisten, die es sich (selbst!) zum Ziel gemacht haben andere von Gott abschwören zu lassen.

Wozu auch? Ein jeder soll nach seiner Façon glücklich werden solange er andere nicht damit beheligt. Und genau da ziehen wir auch die Grenze der Religionsfreiheit: Keine Religion darf die Freiheit haben, andere Menschen zu etwas zu zwingen, was diese nicht wollen; nicht zum Gebet, nicht zu Kopftüchern, nicht Kruzifixen in öffentlichen Räumen, etc.

Auch hat der Atheismus selbst keinerlei (offizielle) Moral-Vorstellung

Atheisten haben keine Moral, sie haben aber sehr wohl eine Ethik. (Zum Unterschied siehe das Buch: Michael Schmidt-Salomon, «Jenseits von Gut und Böse: Warum wir ohne Moral die besseren Menschen sind»)

In unsere Ethik können wir sehr gut den aktuellen Filosofen der Universitäten folgen. Erstzunehmende Filosofen sind ohehin fast alle Materialisten. Ich empfehle nebst Michael Schmidt-Salomon auch gern Bernulf Kanitscheider.

Ausserdem richte ich meine Haltung an der maximal möglichen Freiheit des Einzelnen aus, die nur begrenzt werden soll, wenn sie andere massiv beeinträchtigt und wiederum deren Freihet beschränkt. Sprich mein Ziel ist eine liberale Gesellschaft mit einer minimalen Anzahl Regeln und Einschränkungen.

Viele Atheisten sehen das wohl ähnlich?

- es gibt lediglich ein inhärentes Ideal der (Denk-)Freiheit,

Ich fordere nebst Denk- auch Handlungsfreiheit, sonst ja.

aus dem sich dann meist eine logische Moral ergibt: 'tue keinem das an, was du dir nicht antun lassen willst'.

Diese (biblische) Vorstellung ist heikel. Nicht jeder will dasselbe für sich, wie ich für mich will. Man darf nicht von sich selbst auf andere schliessen.

Aber schau doch mal unsere: Die vernunftbegründeten Gebote des Humanismus.

Will ein Atheist moralische Werte bei anderen durchsetzten, ist er meist primär Humanist.

Ja, klar. Und der Humanist kann nicht Christ sein, denn der Christ muss Gott, nicht den Menschen ins Zentrum stellen. Wir stellen die Menschen ins Zentrum (ohne den Rest der Natur zu vernachlässigen).

Ich persönlich habe auch kaum Interesse andere von ihrem Glauben abbringen zu wollen, selbst dann wenn ich mal wieder über irgendeinen absurden bzw. dummen Glaubensaspekt den Kopf schütteln muss.

atheismus.ch zielt vor allem auf die, die noch nicht realisieren, dass sie nicht glauben, die also Kirchenmitglied sind, ohne die Glaubenssätze verinnerlicht zu haben, Gewohnheitschristen also.

Diese will atheismus.ch sehr wohl zum Kirchanaustritt und zum bewussten Leben ihres Unglaubens bringen.

Erst bei Fanatikern möchte ich aktiv werden - aber gerade da weiß ich, dass man lediglich abschotten aber nicht überzeugen kann.

Die braucht man nicht zu überzeugen, man muss sie blossstellen und bekämpfen.

Auch hatte ich nie den 'Glauben', dass sich die Gesellschaft ändern läßt> Auch hatte ich nie den 'Glauben', dass sich die Gesellschaft ändern läßt (mit fortgeschrittenem Alter habe ich mich lediglich (mit fortgeschrittenem Alter habe ich mich lediglich damit abgefunden).

Die Gesellschaft ändert sich schon: Sie entwickelt sich, wird reifer und säkularer.

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Re: Vergleich Organisation Religöse vs. Atheisten (fredric)


Am 29.07.2010 12:14 schrieb fredric:

Dieses Ziel erreichen gute Bildung und die Universitäten am besten.

Wenn diese Bildung Ethik einschließt - ok.

Wir Atheisten brauchen uns nicht händchenhaltend gegenseitig unseren Unglauben zu versichern und uns beim gemeinsamen Studium der Natur in unserer Gottlosigkeit zu bestätigen. Unser Weltbild ist das logische Resultat der Auseinandersetzung mit der Welt, da ist alles klar.

Ok - aber ich meinte politische Macht. Die ich persönlich gar nicht haben will - die aber nötig ist um sich gegen andere politische Mächte wehren zu können.

Sucht man frei die Wahrheit, gibt es eben keine «falschen» Gedanken, keine Denkverbote und keine willkürlich aufgestellten «Grenzen der Vernunft».

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