Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Angeblicher Polytheismus in der Ursprungsgeschichte Iraels (wild-rose)

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Diskussionsbeitrag:

Am 26.02.2010 18:14 schrieb wild-rose:

atheismus.ch vertirtt die Theorie, dass das Volk Israel vom Polytheismus zum Monotheismus gekommen ist. Oder anders ausgedrückt: Dass Israel zuerst viele Götter hatte, und erst später nur noch einen Gott verehrte. Gestützt wird diese Annahme, auf Spiegelartikel, weche auf der Seite

Aktueller Stand der Religionswissenschaft [Re: Der wahre Grund für harte Strafen: Priesterliche Machtgier [Re: Die zehn Gebote sind gut]] (mrw)

Zusammengefasst sind. Der Hauptteil der Poltheismustheorie steht im Artikel "der leere thron". Ich zeige hier anhand eines Beispiels, auf was für wackligen Beinen dieser Artikel steht und wie leicht er mit effektiver Kritik ins wanken gebracht werden kann. Der Artikel der von atheismus.ch übermütig und ehrfürchtig als "Aktueller Stand der Religionswissenschaft" bezeichnet wird. Dem Leser wird dabei hoffentlich klar, dass atheismus.ch alles begierig aufsaugt, was gegen die Religion spricht, ohne zu überlegen und nachzuprüfen.

Die Göttin Aschera in Israel

Der Artikel fährt mit schwerem Geschütz auf. "Gott besass ursprünglich eine nackte Begleiterin", wird dort geschrieben. Ihr Name sei Aschera gewesen. Die Israeliten sollen also angeblich eine Göttin mit diesem Namen verehrt haben. Ich will nicht um den heissen brei herumreden: Es ist wahr. Im Volke Israel wurde die Göttin Aschera verehrt. Warum ich davon ausgehe? Weil es in der Bibel so geschrieben steht. Jawohl, die Bibel, das Buch das den Monotheismus vertritt, gibt zu, dass Aschera in Israel verehrt wurde.

Aschera in der Bibel

Aber etwas ist merkwürdig: Warum zitiert der Spiegelartikel die Bibel nicht? Das Buch welches eigentlich die Monotheismusgrundlage ist, erwähnt den Polytheismus und der kritische Spiegelartikel verliert ekin Wort darüber? Wäre dies doch das ultimative Eigentor für alle Christen?

Aschera und die Astraten werden in der Bibel etwa 40 mal erwähnt. Astrate steht für einen Pfahl, den man zu Ehren von Aschera aufgestellt hat. Ich zitiere die Bibel und zeige auf, was die Bibel über Aschera in Israel zu sagen hat:

(2. Könige 23.7) Und der König gebot dem Hohenpriester Hilkia und den Priestern der zweiten Ordnung und den Hütern der Schwelle, daß sie aus dem Tempel des HERRN alle Geräte entfernen sollten, die man dem Baal und der Aschera und dem ganzen Heer des Himmels gemacht hatte; und er verbrannte sie draußen vor Jerusalem, auf den Feldern des Kidron, und trug ihren Staub nach Bethel.

(Richter 6.25) Und in jener Nacht sprach der HERR zu ihm: Nimm den Farren, den Stier, der deinem Vater gehört, und zwar den zweiten Farren, der siebenjährig ist, und zerbrich den Altar Baals, der deinem Vater gehört, und haue die Astarte um, die dabei ist, und baue dem HERRN, deinem Gott, oben auf der Höhe dieses Felsens durch Aufschichtung einen Altar; und nimm den zweiten Farren und opfere ein Brandopfer mit dem Holz der Astarte, die du umhauen wirst.

Man sieht: Die Aschera kommt in der Bibel nicht gut weg. In der Bibel wird immer wieder beschrieben, wie sich das Volk Israel anderen Göttern zuwendet, was dem Gott Jahwe aber nicht gefällt. Welchen Göttern Israel huldigte, hing meistens auch davon ab, welcher König gerade regierte. Fakt ist: Die Bibel bezeichnet Aschera als Götze, welche gegen den willen Gottes vom Volk Israel zeitweise verehrt wurde. Kein wunder verliert der Spiegel kein Wort darüber. Würde es doch die grundlegende Theorie des Artikels abschwächen.

Archäologische Funde

Wenn nun ein archäologischer Fund die Existenz des Ascherakults im alten Israel belegt, dann bestätigt er nur das, was in der Bibel steht. Gefunden wurde zum Beispiel eine Inschrift die lautet: "Für Jahwe und seine Göttin Aschera". Na und? Das ist kein Beweis dafür, dass sich Israel gerade von einer Polytheistischen zu einer Monotheistischen Kultur entwickelt hat. Es belegt lediglich, dass ein Israelit der Göttin Aschera gehuldigt hat und diese in Verbindung mit Jahwe gebracht hat. Sozusagen Götzenkult und Gottesverehrung in einem.

Aschera fehlt in der frühen Geschichte Israels

Man könnte nun behaupten: "Die Bibel wurde verfälscht. Aschera wurde aus der frühen Geschichte Israels gestrichen, damit es so ausieht, dass sich Israel von einem ursprünglichen Monotheismus zu einem "illegalen" Polytheismus gewandelt hat. Dabei hat sich Israel vom Polytheismus zum Monotheismus gewandelt."

Archäologische Funde widerlegen diese Theorie. Noch heutzutage lehnen wir einige Vornamen an Jesus Christus an: Christine, Christoph, Christina, Christa… Genau so tat man dies im alten Israel. Archäologische Funde brachten über 1000 Israelitiche Vornamen aus der vorexilischen Zeit hervor. 90% davon, sind an einen Gottesnamen von Jahwe angelehnt. Die verschiedenen Namen die man Jahwe gab sind in Wikipedia unter "Gottesnamen im Judentum" nachzulesen. Joel und Elia sind Beispiele zweier archäologisch bestätigten angelehnten Namen. Es fehlen aber Vornamen die an Aschera oder Baal angelehnt sind. Was zeigt, dass Jahwe im alten Israel belegt ist, Aschera und die anderen Götzen aber nicht.

Atheismus.ch und die Quellen

Dieses Beispiel zeigt, auf was für Quellen diese Website aufgebaut ist. Dass Jahwe ein Wettergott unter vielen anderen Göttern sei, wird auf atheismus.ch generell vorausgesetzt. Als Beweis gilt ein Nachrichtenmagazin, welches daruf angewiesen ist, spektakuläre Artikel auf der Titelseite zu haben, damit die Wochenausgabe nicht in den Kioskregalen liegen bleibt.

Ein Bibel, welche als Zeitzeuge gilt, wird hingegen nur in den "sebstkritischen" Teilen als ungefälscht bezeichnet.

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Re: Angeblicher Polytheismus in der Ursprungsgeschichte Iraels (bonito)


Am 26.05.2010 10:52 schrieb bonito:

Ein Bibel, welche als Zeitzeuge gilt, wird hingegen nur in den "sebstkritischen" Teilen als ungefälscht bezeichnet.

Ist das so? Die ältesten erhaltenen Fragmente sind von 250BC. Die Juden hatten eine eigene Schriftsprache frühestens ab 600BC. Inwieweit das was man heute Bibel nennt mit den "Urtexten" etwas zu tun hat ist in jedem Fall spekulativ - zumahl Funde in Qumram z.B. eher dem masoretischen Text entsprechen, so daß Adam z.B. ein Frau vor Eva gehabt hätte etc. Wie sieht das mit ausserbiblischen Quellen aus? Die reichen im "Original" bis ca. 3400BC zurück … warum soll man dann eine vermutlich fehlerhafte Abschrift einer Abschrift einer Abschrift etc. benutzen, die sogar nachweisliche "Fälschungen" enthält?

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Re: Angeblicher Polytheismus in der Ursprungsgeschichte Iraels (mrw)


Am 12.06.2010 11:06 schrieb mrw:

Am 26.02.2010 18:14 schrieb wild-rose:
atheismus.ch vertirtt die Theorie, dass das Volk Israel vom Polytheismus zum Monotheismus gekommen ist.

Nicht atheismus.ch vertritt diese These, sondern die Archäologie und Altertumsforschung. Und auf genau dieser Ebene, sprich an in der wissenschaftlichen Forschung, ist das zu widerlegen.

Atheismus.ch ist sich durchaus bewusst, dass naturwissenschaftliche Forschung keine absolute Erkenntnis beansprucht. Aber wissenschaftliche Resultate sind wissenschaftlich zu widerlegen, die Widerlegung ist in den entsprechenden Fachzeitschriften zu veröffentlichen und muss von der Forschergemeinschaft als seriös akzeptiert werden.

Dieses Forum ist sicherlich der falsche Ort, um Altertumsforschung zu betreiben. Alles was atheismus.ch tun kann, ist auf den aktuellen Stand der Forschung aufmerksam zu machen.

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