Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: Angeblicher Polytheismus in der Ursprungsgeschichte Iraels (mrw)

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Diskussionsbeitrag:

Am 12.06.2010 11:06 schrieb mrw:

Am 26.02.2010 18:14 schrieb wild-rose:
atheismus.ch vertirtt die Theorie, dass das Volk Israel vom Polytheismus zum Monotheismus gekommen ist.

Nicht atheismus.ch vertritt diese These, sondern die Archäologie und Altertumsforschung. Und auf genau dieser Ebene, sprich an in der wissenschaftlichen Forschung, ist das zu widerlegen.

Atheismus.ch ist sich durchaus bewusst, dass naturwissenschaftliche Forschung keine absolute Erkenntnis beansprucht. Aber wissenschaftliche Resultate sind wissenschaftlich zu widerlegen, die Widerlegung ist in den entsprechenden Fachzeitschriften zu veröffentlichen und muss von der Forschergemeinschaft als seriös akzeptiert werden.

Dieses Forum ist sicherlich der falsche Ort, um Altertumsforschung zu betreiben. Alles was atheismus.ch tun kann, ist auf den aktuellen Stand der Forschung aufmerksam zu machen.

Nein. Ein Spiegel ist keine seriöse Fachzeitschrift. Hier gibt es allenfalls eine journalistisch redigierte, popularisierte Aufbereitung. Stützen kann man sich auf die entsprechenden Forschungsresultate, die hier in populärer Form wiedergegeben werden. Der Vorteil vom Spiegel ist schlicht und einfach, dass er im Internet frei zugänglich ist und erst noch verschiedene Aspekte ausleuchtet. Darum habe ich gerade diese Artikelserie verlinkt.

Aber etwas ist merkwürdig: Warum zitiert der Spiegelartikel die Bibel nicht?

Weil der Spiegel ein journalistisches Produkt ist und kein wissenschaftliches. Er gibt vereinfacht und allgemein verständlich das wieder, was der Wissenschaftsredaktor als «interessant» eingestuft hat.

Der Spiegel ist gut brauchbar, um sich einen Überblick zu verschaffen, aber nicht um ihn als Basis für eine «Widerlegung» zu nehmen. Die Widerlegung muss nach wissenschaftlichen Kriterien in den entsprechenden Fachkreisen eingebracht werden.

Du kannst Dich ja gern damit an Deine nächstgelegene Uni wenden, vielleicht bist Du ja so genial und belesen, dass Du tatsächlich recht hat und man Dich begierig aufnimmt … ;-)

Das Buch welches eigentlich die Monotheismusgrundlage ist, erwähnt den Polytheismus und der kritische Spiegelartikel verliert kein Wort darüber?

Eine der Quellen, weshalb man auf die Theorie mit dem Polytheismus kommt, ist selbstverständlich die Bibel. Der Polytheismus lässt sich aufgrund von verschiedenen Analysen auch aus der Bibel ableiten. Der Spiegelartikel streift diesen Punkt leider tatsächlich nur am Rande. Der neuestens online verfügbare Artikel «Eine göttliche Karriere» aus dem Bild der Wissenschaft 12/2005 geht tiefer darauf ein.

Man sieht: Die Aschera kommt in der Bibel nicht gut weg. In der Bibel wird immer wieder beschrieben, wie sich das Volk Israel anderen Göttern zuwendet, was dem Gott Jahwe aber nicht gefällt.

Logisch. Die Bibel ist schliesslich ein Propagandawerk, das einen einzigen Gott propagieren soll. Ziel und Zweck der Bibelschreiber war es, Israel unter einem Gott zu vereinen. Darum geht die Bibel auf den Polytheismus ein und diskreditiert diesen sogleich. Darum bezeichnet die Bibel Aschera als Götze, das ist eigentlich selbstverständlich, wenn man berücksichtigt, zu welchem Zweck die Bibel geschrieben wurde.

Deine «Widerlegung» ist keine, ausserdem stützt sie sich nur auf die Bibel. Die Bibel ist aber nur eine der Quellen, auf die sich Altertumsforscher stützen können.

Gefunden wurde zum Beispiel eine Inschrift die lautet: "Für Jahwe und seine Göttin Aschera". Na und? Das ist kein Beweis dafür, dass sich Israel gerade von einer Polytheistischen zu einer Monotheistischen Kultur entwickelt hat.

Es ist ein Beweis dafür, dass «Jahwe» nicht immer alleine war. Wann, wie, warum, das muss die Archäologie einordnen.

Aschera fehlt in der frühen Geschichte Israels

Die «frühe» Geschichte Israels wurde erst sehr spät geschrieben. Sie ist jünger als ein Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung. Zu der Zeit war Aschera kein Thema mehr. Deine Fehlüberlegung ist die, dass Du davon ausgehst, die Reihenfolge der Bibelbücher in der heutigen Bibel sei auch die Reihenfolge ihrer Entstehung. Das muss nicht so sein, in einigen Fällen ist bekannt, dass es nicht so ist.

Als Beweis gilt ein Nachrichtenmagazin, welches daruf angewiesen ist, spektakuläre Artikel auf der Titelseite zu haben, damit die Wochenausgabe nicht in den Kioskregalen liegen bleibt.

Das bestreite ich nicht. Das Nachrichtenmagazin ist auch kein «Beweis», lediglich ein interessanter Artikel. Die Beweise erbringen die Forscher an den Universitäten. Die Nachrichtenmagazine stürzen sich darauf, wenn die Resultate spektakulär genug sind, und geben sie aufbereitet wieder.

Das ist aber lange keine Widerlegung der dahinterliegenden Forschungsresultate. Es zeigt nur, dass man selbstverständlich jede Quelle kritisch lesen muss. Das gilt aber nicht nur für den Spiegel, sondern auch für die Bibel.

Ein Bibel, welche als Zeitzeuge gilt, wird hingegen nur in den «sebstkritischen» Teilen als ungefälscht bezeichnet.

Das macht ja einen gewissen Sinn, aber auch die «selbstkritischen» Teile sollte man nicht unkritisch lesen. Fakt ist: Die Bibel ist nur eine von vielen möglichen Quellen. Nur wenn die Quellen übereinstimmen und ein konsistentes Bild ergeben, dann kann man von deren unverfälschten Authentizität ausgehen. Wenn man aber die Bibel unkritisch als (göttlich inspirierte) Quelle nimmt, dann ist das mit Sicherheit falsch.

Nun zeigte sich eben, dass die Bibel oft von den anderen Quellen abweicht, was genau dann ein konsistentes Bild ergibt, wenn man die Bibel so interpretiert, wie es im Spiegelartikel populistisch wiedergegeben wird, indem man die Bibel als Propagandawerk auffasst, geschrieben von jüdischen Priestern zur Machterhaltung und -Ausweitung.

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Re: Angeblicher Polytheismus in der Ursprungsgeschichte Iraels (wild-rose)


Am 08.09.2010 10:23 schrieb wild-rose:

Ich habe auf deine Worte nicht geantwortet, weil es keinen Sin gemach hätte. Aber ich will dir jetzt zumindst noch sagen warum es keinen Sinn gemacht hätte.

Ich sagte:

Aschera fehlt in der frühen Geschichte Israels

Das habe ich mit aärchologischen Tatsachen begründet.

Du antwortest:

Die «frühe» Geschichte Israels wurde erst sehr spät geschrieben. Sie ist jünger als ein Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung. Zu der Zeit war Aschera kein Thema mehr.

Nachdem ich aärchologische Tatsachen aufgelistet habe, kommst du mit etwas wie: "was du schreibst stimmt nicht, weil deine Grundlage die Bibel ist und diese nicht zuverlässig ist."

Mein Güte, ich habe aärchologische Fakten aufgezählt, die einen Teil der Bibel stützen und du kommst mit sowas. Ich habe nicht mit der Bibel begründet, ich habe mit Aärchologischen Funden das bestätigt, was in der Bibel steht. Und dann willst du mir tatsächlich noch etwas über wissenschaftliche Korrektheit beibringen??? Lächerlich.

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