Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Schwache Argumente. Ein Beispiel: Oberflächlichkeit und Unkentnis bei der atheistischen Abhandlung der Zehn Gebote (wild-rose)

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Diskussionsbeitrag:

Am 23.02.2010 23:29 schrieb wild-rose:

Die Page atheismus.ch versucht zu Argumentieren, warum man Ahteist sein soll. Unter anderem findet man eine Abhandlung der Zehn Gebote. Es wird versucht aufzuzeigen, dass diese schlecht seien. Den Artikel findet man unter:

http://atheismus.ch/03_argumente/010_popul%C3%A4re_irrt%C3%BCmer/04_christentum/die_zehn_gebote_sind_gut

Wer nur schon den ersten Abschnitt liest, erkennt, dass der Verfasser keine Sachverständnis und kein Hintergrundwissen angewendet hat oder besitzt. Ich kommentiere den ersten Abschnitt des Textes und hoffe, es klappt mit diesen roten Zitaten:

Wenn man davon ausgeht, das die wichtigsten Gebote zuerst kommen, so sind die zehn Gebote ein Armutszeugnis für den biblischen Glauben. Allein die ersten vier Gebote beschäftigen sich mit dem eitlen Egoismus des biblischen Gottes!

Der Verfasser steigt bereits emotional ein und versucht seine Aussagen damit zu unterstreichen, dass er Gott Eigenschaften zuschreibt, welche in Menschenaugen als negativ zu bewerten sind. Diese Eigenschaften werden mit folgenden Äusserungen gerechtfertigt:

Das erste, und damit das wichtigste aller Gebote lautet nicht etwa «Du sollst nicht töten», wie man vernünftigerweise annehmen würde, sondern «Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.» Das ist purer Egoismus des biblischen Gottes, er duldet niemanden neben sich, und das ist ihm das allerwichtigste!

Gott ist die gesetzgebende Autorität im Volk Israel. Um Gesetze zu geben und zu rechtfertigen, muss natürlich zuerst festgelegt werden, wer dazu autorisiert ist. Deshalb ist es wichtig, dies als erstes zu definieren. Weshalb die ersten Gebote sich darauf beziehen, dass Gottes Autorität steht. Dies ist ein logischer Aufbau. Vergleicht man den Aufbau mit einem weltlichen Gesetzbuch aus heutiger zeit, wird man feststellen, dass das Verbot des Mordes keineswegs vor derm Aufbau der Staatsordnung stehen muss.

Aber diese Aussage hat auch noch einen interessanten Nebeneffekt: Wenn Gott sagt: «Du sollst keine anderen Götter haben neben mir», so ist das gleichbedeutend mit der Aussage: «Es gibt andere Götter, ausser mir!»

Der Kritiker interpretiert, aus dem Bibeltext, dass es neben dem Gott Israels noch andere Götter gibt. Nachlesbare Tatsache ist, dass die Menschen sich dazumals oft Götter hergestellt haben. Ein bekanntes Beispiel ist das goldene Kalb, welches vom Volke Israel fabriziert wurde, während Mose die Gebote niederschrieb. Es war in vielen Völkern üblich, sich einen persönlichen Hausgott (z.B. aus Holz) herzustellen, der in einer Nische des Hauses wohnte. Als Jakob von Laban wegzog, stahl Jakobs Frau Labans Götter (1.Mose 30). Das zeigt, dass diese Götter gegenstandgebunden waren. Hatten man den Gegenstand, so hatte man den Gott. Nun ist aber ein Gott wohl kaum mit einem irdischen Gegenstand verbunden. Jedenfalls nicht der Schöpfergott. Denn der Schöpfergott war schon vor den Gegenständen da. Eine der vielen bibelstellen die diese selbstgemachten Götter beschreiben ist zum beispiel Jesaja 40.18.

Diese Gegenstände wurden von den Menschen als Götter bezeichnet. Die Bibel nennt sie manchmal götter und manchmal Götzen. Dass Gott diese Götzen im Gebot als Götter bezeichnet, liegt sicher auch daran, dass das Gesetzt verständlich formuliert sein soll. Denn ein Götzenanbeter bezeichnete seinen Götzen eben als Gott. In mehreren Stellen der Bibel werden andere "Götter" beim Namen genannt. Dass diese als Götter bezeichnet werden, muss nicht heissen, dass es keine menschgemachten Götzen sind.

Sehr duetlich unterstrichen wird das durch Psalm 96.5: "Denn alle Götter der Völker sind Götzen; aber der HERR hat den Himmel gemacht." Die Wörter "Götter" und "Götzen" werden hier in einem Atemzug genannt.

Der Kritiker missachtet diese Tatsache komplett. Dass man neben dem Gott Israels keine anderen Götter haben soll, bedeutet, dass man sich keine solche Götter herstellen oder einbilden soll. Worauf auch das Gebot mit den Abbilder abziehlt.

Fazit: Schon am ersten Abschnitt erkennt man, dass der Text nicht auf fundiertem Grundwissen und Sachverständnis basiert. Viele plausible Möglichkeiten, die erklären könnten, warum dieser tausende von Jahren alter Text durchaus Sinn machen kann, werden völlig ausser acht gelassen. Die Kritik findet auf sehr oberflächlicher Ebene statt. Aber genau diese Ebene ist eben die, die der bequeme Leser versteht und der bequeme Autor verfassen kann.

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Re: Schwache Argumente. Ein Beispiel: Oberflächlichkeit und Unkentnis bei der atheistischen Abhandlung der Zehn Gebote (mrw)


Am 24.02.2010 09:36 schrieb mrw:

Am 23.02.2010 23:29 schrieb wild-rose:
Gott ist die gesetzgebende Autorität im Volk Israel. Um Gesetze zu geben und zu rechtfertigen, muss natürlich zuerst festgelegt werden, wer dazu autorisiert ist.
Vergleicht man den Aufbau mit einem weltlichen Gesetzbuch aus heutiger zeit, wird man feststellen, dass das Verbot des Mordes keineswegs vor dem Aufbau der Staatsordnung stehen muss.

Das Argument lasse ich gelten. Allerdings braucht es nicht vier von zehn Geboten (40% aller Gebote), um die Autorität festzulegen. Eines hätte genügt.

Aber diese Aussage hat auch noch einen interessanten Nebeneffekt: Wenn Gott sagt: «Du sollst keine anderen Götter haben neben mir», so ist das gleichbedeutend mit der Aussage: «Es gibt andere Götter, ausser mir!»

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Re: Schwache Argumente. Ein Beispiel: Oberflächlichkeit und Unkentnis bei der atheistischen Abhandlung der Zehn Gebote (sophieamrain)


Am 11.06.2010 22:13 schrieb sophieamrain:

Hallo Wild-Rose,

wenn man sich über schwache Argumente ereifert, sollten natürlich die eigenen nicht auch auf tönernen Füßen stehen:-)

Die vier ersten Gebote sozusagen als Nachweis der Autorität Gottes misszuverstehen, kann einem auch nur dann überzeugend vorkommen, wenn man einen guten Grund für sie finden muss. Jemand, der diese Gebote von aussen betrachtet, sieht ganz deutlich einen eifersüchtigen und rachsüchtigen Gott, der die Verehrung seiner Untertanen einfordert. Und ja, beide Eigenschaften gelten bei Menschen als moralisch nicht gerade hochstehend. Warum sollte das bei Göttern anders sein?

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