Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: Moral (sara)

Nur angemeldete Nutzer dürfen mitdiskutieren.
Diskussionsbeitrag:

Am 09.03.2010 00:36 schrieb sara:

Auch heute noch entscheiden sich viele Menschen eher an einen Gott zu glauben.

Ja, das stimmt. Das ist jedoch kein Beweis fuer die Existenz eines Gottes. Auch eine Mehrheit kann falsch liegen. Ausserdem kann man sich nicht "entscheiden", etwas zu glauben, entweder man tut es (in diesem Fall blind), oder die ganze Idee scheint einem so absurd und unwahrscheinlich wie die Existenz des Weihnachtsmannes, und dann tut man es eben nicht, weil man es unter Anwendung seines normalen Menschenverstandes einfach nicht glauben "kann".

Wenn der Mensch allerdings ein gottloses biologisches Produkt ist, […] weshalb haben dann viele Menschen aller Kulturen und Epochen eine innere Sehnsucht und ein Verlangen an Gott zu glauben?

Nur weil man eine Sehnsuch nach etwas hat, auch wenn dies noch so universell erscheinen mag, macht eine Sehnsucht dieses Etwas noch lange nicht zu einer Realität. Wir alle sehnen uns nach vielen Dingen, wie etwa nach körperlicher und spiritueller Liebe, nach einer Heimat, nach Geborgenheit, nach Familie, nach einem Sinn im Leben etc.. Aber nur weil wir etwas gerne "hätten", heisst das leider nicht, dass dies auch wirklich der Realität enspricht. So gibt es viele einsame, arme Menschen zum Beispiel, oder Menschen, die gerne mehr wären, als sie sind..

Eine andere Erklärung für dein "Weshalb": Es gibt eindeutige Hinweise dafür, dass gläubige Menschen unbeschwerter und mental stabiler sind als Atheisten (http://www.artscience.de/index.php?option=com_content&task=view&id=305&Itemid=76). Dies wäre vor langer Zeit ein klarer Ueberlebensvorteil gewesen, und hätte Menschen mit Gehirnstrukturen, die eine gewisse Art von "Glauben" favorisierten, gezielter und länger überleben und mehr Sprösslingen ihre Gene mitgeben lassen als Leute, die alles stehts hinterfragten zum Beispiel. Dies ist die heute gängige Erklärung für das Fortbestehen "irrationalen" Glaubens trotz gewaltiger neuer Erkenntnisse über die Artenvielfalt der Natur, das Weltall, unsere Abstammung etc... Nur weil eine Ansicht glücklicher macht, heisst dies aber nicht, dass diese Ansicht "wahr" ist..

Eher wahrscheinlich ist, dass der Mensch aus mehr besteht, als nur aus einer Ansammlung von Molekülen und Atomen.

Warum wahrscheinlicher? Nur weil er gerne "mehr" sein möchte? Weil er sich nach diesem speziellen, nur für ihn reservierten Platz im unendlichen Universum "sehnt"? Das habe ich oben widerlegt, das macht es nicht "wahrscheinlicher", das zeugt nur - paradoxerweise - von einem Minderwertigkeitskomplex und erheblicher Arroganz zugleich, finde ich persönlich.. Was ist denn bitte so "schändlich" daran, wie jedes andere Lebewesen auf dieser Erde, wie jeder Stein, das ganze Wasser, die Sonne und Gestirne und sogar die schwarzen Löcher "nur" aus Molekülen und Atomen zu bestehen? Die sich zudem beliebig in reine Energie und dann wieder zurück in Materie umwandeln können? Das ist doch alleine schon ziemlich cool :-) Mir reicht dies auf jeden Fall: ein winziger bescheidener Teil eines immensen Ganzen zu sein, da brauche ich mich nicht selber irrezuführen, nur um mich "spezieller" zu fühlen..

Wäre der Mensch ein simples Naturprodukt eines gottlosen, materiellen Universums, hätte er kein inneres Verlangen an einen Schöpfergott zu glauben.

Du monopolisierst "Mensch" für euch "religiöse Menschen". Es gibt ganz viele (darunter die meisten auf dieser webseite, und in Europa immerhin durchschnittlich 18% (also fast 1/5!!) die an keinen Gott glauben und auch kein Verlangen danach haben. In Frankreich ist dies sogar 1/3!! (http://ec.europa.eu/public_opinion/archives/ebs/ebs_225_report_en.pdf) Also (entschuldige die Wiederholung, aber sie ist notwendig..) das Verlangen, eines TEILES der Bevölkerung, an einen Gott zu glauben, macht die Gotthypothese nicht wahrscheinlicher als die Kein-Gott Hypothese - im Gegenteil eigentlich… Wenn sich ein Betteljunge innerlich danach sehnt, adeliger Abstammung zu sein, macht ihn dies deshalb nicht zu einem König.. :-)

Lieb grüsst, Sara

Antwort auf diesen Diskussionsbeitrag
Dies ist eine Reaktion auf den gewählten Beitrag. Gemäss Deiner Konfiguration wird er mit angezeigt.

Re: Moral (jack)


Am 09.03.2010 15:19 schrieb jack:

Ich habe nicht vor, mich hier auf ellenlange Diskussionen einzulassen, weil ich schlicht nicht die Zeit hierfür habe.

Mein Punkt ist nur der, dass in allen Kulturen Menschen das tiefe Bedürfnis haben an eine höhere Schöpfermacht zu glauben und sich daran festzuhalten. Meiner Meinung nach liegt dies daran, dass Menschen mit dieser inneren Sehnsucht geboren worden sind, weil es jemand (Gott?) in sie hineingepflanzt hat. In allen Kulturen wird von der Existenz der Seele und vom Leben nach dem Tod gesprochen. Zufall? Ich denke eben nicht.

Hier können allgemeine Diskussionen zum Thema Atheismus stattfinden, die sich nicht direkt auf einen Artikel beziehen. Eine Anmeldung ist erforderlich. Es gelten die Teilnahmebedingungen.

Dies sind keine redaktionellen Beiträge! Hier melden sich die Gäste von atheismus.ch zu Wort.

Ein neues Thema starten: Neues Thema eröffnen.

Nur angemeldete Benutzer können antworten.
Seitenzugriffe seit 19.01.2009: hier: 1203, atheimus.ch insgesamt: 1218635
Wiki-Verweis auf diese Seite: [[:10_diskussionsforum:29901211025909_andi7:20100122001408_derpderp:20100305232147_sara:20100308134126_jack:20100309003652_sara:00_index]]
Nächste Seite