Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Ethik [Re: Moral] (mrw)

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Diskussionsbeitrag:

Am 25.01.2010 18:57 schrieb mrw:

Zuerst möchte ich auf einen mir wichtigen Unterschied zwischen Moral und Ethik hinweisenm, und ich weiss, dass man das auch anders definieren kann, aber ich finde diese Unterscheidnung sehr schlüssig:

Unter Ethik verstehe ich ein sozialkompatibles Handeln, welches den selbstdefinierten Regeln einer Gruppe von Menschen entspricht. Bei der Ethik geht es also um Regeln, die ein sinnvolles Leben in einer menschlichen Gesellschaft ermöglichen, um Regeln, die durch die Gesellschaft formuliert, hinterfragt und bei Bedarf auch angepasst werden können. Ethik basiert auf der Vernunft und dem Aushandeln von Regeln. Es wird dabei berücksichtigt, dass Menschen nicht perfekt sind, daher gibt es auch eine gewisse Toleranz für abweichendes Verhalten. Wenn z.B. jemand schnell bei Rot über die Strasse rennt, ohne ein Auto zu behindern, dann wird das in der Regel von den Mitmenschen (nicht von der Polizei) toleriert. Niemand käme auf die Idee, diesen Menschen als «Verbrecher» zu beschimpfen, oder von ihm zu verlangen, dass er diese «Sünde» «beichten» würde. Viele wären auch bereit, Canabiskonsum zu tolerieren, obschon diese Droge verboten ist. Meist sind es religiös-fundamentalistische Hardliner, die moralisieren, Nulltoleranz verlangen, die kleinste Gesetzesübertretung geahndet sehen wollen. Das zeigt direkt den Unterschied von Moral zur Ethik.

Unter Moral verstehe ich von aussen aufgedrückte Handlungsgebote und Verbote, z.B. durch göttliche Gesetze, wie bei den 10 Geboten. Moral beinhaltet ein Schwarz-Weiss-Denken, eine Aufteilung der Welt in «gut» und «böse». Bei Moral geht es um Regeln, die so sind, wie sie sind, und nicht hinterfragt werden dürfen, sogenannt «höhere Gebote», Vorschriften einer nichtzuhinterfragenden höheren Autorität (Diktator, Kirche, Gott). Nur wer die Regeln der Moral peinlich genau erfüllt, ist ein «guter» Mensch. Da aber kein Mensch perfekt ist, müssen gemäss dieser Logik alle Menschen «Sünder» und damit an sich «schlechte Menschen» sein, die auf Gedeih und Verderb auf göttliche Gnade angewiesen sind, oder die auf Gedeih und Verderb der Willkür eines Diktators ausgeliefert sind.

Moral und moralisieren lehne ich entschieden ab. Ethik ist unverzichtbar notwendig, wenn Menschen miteinander zusammenleben, und da der Mensch ein soziales Tier ist, ist er sozusagen dazu verdammt, den puren Eigennutz hinter die Gesamtinteressen zu stellen. Umgekehrt ist der Mensch auch dazu programmiert, dass er unethisches, unfaires Verhalten durch Strafe erzwingt, selbst dann, wenn es für ihn, den Bestrafenden, selbst keinen direkten Vorteil, oder sogar einen Nachteil bedeutet. Das haben auch diverse psychlogische Experimente gezeigt. Der Mensch ist daher durch seine genetische und soziale Programmierung zu ethischem Handeln verdammt. Einerseits «fühlt» sich ein Mensch besser, wenn er sich korrekt verhält, andererseits bestraft er gern diejenigen, die unfair handeln. Dieser Regelkreis aus Belohnung und Bestrafung, respektive die Aussicht darauf, führt dazu, dass sich die meisten Menschen einigermassen an die Gesetze halten, sie vielleicht etwas dehnen, aber nur selten wirklich massiv übertreten.

Ethik wandelt sich auch im Laufe der Zeit, sie passt sich den Menschen und ihren gesellschaftlichen Fortschritten an. Die früher allgegenwärtige Todesstrafe ist heute in ethisch entwickelten Ländern kein Thema mehr. Ganz anders in moralisch dominierten Ländern, wo man glaubt, man müsse eine ewiggültige Moral mit brutalster Gewalt durchsetzen. Am deutlichsten ist dies in den sogenannt «islamischen» Staaten, aber auch dort, wo moralisierende Christen das Sagen haben, in den VSA und dort insbesondere im sogenannten frommen «Bible-Belt». Eine Religion, insbesondere eine Offenbarungsreligion, hat das Problem, dass sie einmal gegeben sich kaum mehr wandeln und kaum mehr weiterentwickeln kann. Wenn man sieht, wie heutige «gemässigte Christen» hierzulande ihren Glauben leben, so hat das nicht mehr viel mit der Radikalität und Intoleranz des Gründers Jesus zu tun. Vielmehr realisieren viele gar nicht, wie intolerant, engstirnig und gewalttätig die Bibel ist, da sich die wenigsten die Mühe machen, die Grundlage ihres Glaubens selbst zu lesen.

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