Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: Christliche Inkonsequenz [Re: Nächstenliebe?] (knuddel)

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Diskussionsbeitrag:

Am 14.07.2009 18:17 schrieb knuddel:

Wenn Du die Diskussion auf eine persönliche Ebene herunter holen willst, dann zeigt das nur Deine argumentative Schäche auf.

Ach, die Masche kenne ich ;-)

versichert, dass Du nicht mal annähernd richtig liegst damit. Meine Beziehung zu meinen Eltern ist bis auf dieses eine Thema, wo wir klare Differenzen haben, gut und absolut normal.

Das freut mich sogar. Aber du musst zugeben, dass man schon auf solche Gedanken kommen muss, wenn man die Seite liest, wo du beschreibst, wie du dich von der elterlichen Religion abgewandt hast. Jetzt weisst du es jedenfalls und kannst den Text dort überarbeiten, so dass nicht solche falschen Eindrücke entstehen, wie ich sie hatte. Es sei denn, du willst, dass falsche Eindrücke entstehen, weil sie dir helfen.

Letztlich läuft Deine Aussage genau darauf hinaus, wie ich es auf den Punkt gebracht habe: Einige Gesetze nimmst Du ernst, andere nicht. Dies obschon Du selbst bestätigst, dass alle göttlichen Gesetze gleichermassen Geltung haben. Ich sehe keinen Unterschied zwischen den Gesetzen, die Du befolgst und den Gesetzen, die Du ignorierst, ausser dem einen, dass Du vor allem die Gesetze fallen lässt, die am wenigsten dem aktuellen Zeitgeist entsprechen. Darum verlange ich nach wie vor von Dir eine Begründung, warum Homosexualität noch immer ein Greuel sein soll, aber das Essen von Meeresfrüchten nicht mehr.

Ich komme gleich darauf zurück. Moment noch…

Zuerst muss ich heftig dagegen protestieren, dass du manchmal behauptest, dass die Bibel bzw. das Gesetz für leichte wie für schwere vergehen die selben harten Strafen verwendet. Erstens leben wir in einer Zivilisation in der Vergehen anders gewertet werden müssen als früher, wegen anderen Umweltbedngungen. Zweiten stimmt es einfach nicht, dass immer die gleichen Strafen zum Zuge kommen. Es gibt: Todesstrafe, Verbannung, Körperstrafen, Opferbussen und Geldbussen. Vielleicht auch noch mehr. Ausserdem erinnere ich an Exodus 21,24. Wo steht, dass ein Opfer dem Täter den selben Schaden „heimzahlen“ darf. Das war dazumal ein revolutionäres Gesetz, da es Blutfehden verhinderte und deshalb nicht mehr ganze Sippen wegen einem kleinen Missverständnis ausgelöscht werden mussten.

Das Oberste Gebot

Zuerst schauen wir uns mal an, was in Matthäus Kapitel 22, 34-40 steht. Da liest du, dass das wichtigste Gebot ist, dass du Gott und deine Mitmenschen lieben sollst. Mit diesen zwei Regeln dürfstest du also gute Chancen haben ein gottgefälliges Leben zu führen. Wen du genau hinschaust kannst du ausserdem erkennen, dass diese zwei Gebote ungefähr eine zusammenfassung der zehn Gebote sind. Das steht so nicht in der Bibel, aber wen du dir ein paar Gedanken darüber machst, dürftest du das sehen.

Also, wenn sich nun irgendwelche Gebote dem obersten Gebot widersprechen, dann ist nur schon gemäss definition "oberstes Gebot" klar, welchem Gebot du folgen solltest. Es bleibt die Frage, wie die Gesetze die dem obersten Gebot widersprechen gültig bleiben können.

Die Gesetze der Gesetzbücher Mose

Überlegen wir uns mal, warum die Gesetze so gegeben wurden wie es geschah. Was für einen Zweck hatten die Gesetze zu den Zeiten des alten Volkes Israel? Es gibt zwei Möglichkeiten: a) Gott gab die Gesetze willkürlich und zufällig und nach persönlicher Vorliebe b) Gott gab die Gesetze mit gutenGründen

Da wir von einem intelligenten Gott ausgehen (ich jedenfalls; und du auch, wenn du wirklich verstehen willst), kommt nur b) in frage. Die Gesetze hatten Zwecke.

Ich kenne folgende Zweck-Kategorien:

1. Hygienevorschriften 2. gesetze zur Bewahrung der Kultur 3. Fortbestad des Volkes 4. Gesetze des Sozialsystems 5. Bewarung des Glaubens

Das sind jedenfalls die die mir gerade einfallen. Und in diese Kategorien fallen auch die Gesetze die du oben erwähnt hast.

Nehmen wir mal Hygienevorschriften. Da steht zum Beispiel in der Bibel, dass ein Mann nach einem nächtlichen Samenerguss (= feuchter Traum) ein Bad nehmen soll. Das machen wir heutzutage ja auch noch. Oder? Vielleicht duschen wir auch, aber im alten Israel gabs eben noch keine Duschen. Unter einen Wasserfall stehen galt dazumals vielleicht auch als Bad.

Warum gabs dieses Gesetz? Weil es gut für die Gesundheit ist, sich zu waschen, wenn man dreckig ist. Es dürfte Gott um die Gesundheit des Volkes gegangen sein, als er dieses Gesetz erliess. Es ist heute wissenschaftlich erwiesen, dass Hygiene in der Schamgegend das Krebsrisiko verringert. Und zwar bei Mann und Frau. Gott dürfte dieses Gesetz nicht einfach gegeben haben, weil er es cool findet, wen man sich nach einem feuchten Traum wäscht, sondern weil es ihm um sein Volk ging. Das Thema der Hygiene ist auch heute noch aktuell. Deshalb halten wir uns auch heute noch an das Gebot. Die meisten von uns jedenfalls ;-)

Jetzt kannst du, wen du willst, hinter jedem Gebot einen Grund suchen. Ich bin sicher, du findest einen. Ich schaue mir jetzt mal ein paar Gebote an, die du aufgelistet hast:

Homosexuaität. Das ist ein einfacher Punkt. Das Volk Israel war dazumals noch schwach und klein. Und Homosexualität dient nun mal nicht wirklich der Stärkung eines Volkes. Also: Als das Volk Israel schwach war, gab Gott ihm Gesetze die es stärken sollte. Unter anderem durch höhere Geburtenrate.

Meeresfrüchte: Roh sollte man die nicht essen. Und in der Wüste hatte man garantiert nicht einfach so das Wasser zur Hand um sie zu Kochen. Das Wasser dürfte zu wertvoll gewesen sein als dass man es dazu hätte verschwenden können. Ausserdem weiss ich nicht mal, ob in den damaligen Haushalten der armen Leute Gefässe vorhanden waren in denen man Wasser aufkochen konnte. Also ist das eine Hygienevorschrift. Meeresfrüchte roh zu essen wäre für das Volk sicher nicht gut gewesen.

Am Sabbat darf nicht gearbeitet werden: Um einen Glauben zu erhalten bedarf es Rituale. Da man oft genug gesehen hat wie verloren das Volk Israel ohne Gott war, ist die Schädigung des Glaubens etwas vom schlimmsten was dem Volk zustossen konnte. Es waren strenge Regeln notwendig damit sich das Volk nicht den Götzen aus Holz zuwandte, auf Gottes Hilfe verzichtete und so geschwächt wurde.

Hexen müssen sterben. Ähnlicher Grund wie die Sabbatruhe.

Ungehorsame Kinder müssen gesteinigt werden: Ein Volk von Säuffern und Faulpelzen überlebt nicht lange. Nicht in einer Umgebung wie Israel dazumals war.

Du siehst, die Gebote hatten Gründe. Dazumals waren es sinnvolle und gute Gründe. Heute sehen wir das aders. Denn wir leben in einem anderen Umfeld. Es stellt sich die Frage, ob Gott uns heute noch die selben Gesetze geben würde. Wir wissen es nicht, aber das ist auch nicht so wichtig. Denn es gibt zeitlose Gesetze die immer gültig sein werden, weil sie immer einen Sinn im Bezug auf die aktuelle Zeit haben. Wie zum Beispiel das oberste Gebot. Dass du deine Mitmenschen lieben sollst ist ja gar nicht mal so widersprüchlich zu deinen Gesetzen des Humanismus.

Schlussfolgerung

Also komme ich zum Schluss: Macht ein Gebot heute noch Sinn, dann halte es so gut du kannst ein. Wenn du eines mal nicht einhalten kannst, oder wenn du ein Gebot missachtest, weil du den Sinn dahinter verkannt hast, dann kannst du Gott um Verzeihung bitten und er wird dir durch Jesus Christus Gnade schenken. Vorausgesetzt du meinst es aufrichtig und ehrlich, was auch dem wichtigsten Gebot entspricht.

Da wir nicht ganz genau wissen, welche Gesetze für uns heute noch wichtig sind, betrachten wir sie deshalb am besten alle noch als Gültig. Aber die Gesetze die offensichtlich noch wichtig sind, die sollten wir nach bester Kraft einhalten. Da es offensichtlich für unsere Zivilisation nicht mehr wichtig ist, das Böse aus unserer Mitte dermassen radikal zu vertreiben steinigen wir faule und sauffende Kinder nicht mehr, sondern halten uns daran, sie zu lieben.

Und jetzt noch zu Matthäus 5,17 „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.“ Das sagt folgendes aus: Jesus hat nie gesündigt. Er war sündenfrei denn er hat das Gesetz erfüllt. Trotzdem ist er für unsere Sünden gestorben. Damit hat er uns nicht vom Gesetz entbunden, sondern er hat uns Gnade ermöglicht. Gnade ist unverdiente erlösung. Unverdient heisst, dass man dem Gesetz immer noch verpflichtet ist. Wen du das nicht verstehst, dann musst du nochmals über die Grundlagen des Christentums gehen.

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