Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: Statistik über Glaube und Unglaube [Re: Frohe Lebensfreude den Atheisten, den Christen viel Spass beim rumhängen in der Kirche] (mrw)

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Diskussionsbeitrag:

Am 18.04.2009 16:39 schrieb mrw:

Jetzt hat Ihr so viel Zeit und Energie mit dieser Statistik verschwendet, dass ich mich genötigt fühlte, auch mal genauer nachzuschauen, was denn nun wirklich dahinter steckt.

Je genauer man hinschaut, desto mehr sieht man, dass der bisherige Trend weiter geht, und dass Knuddel (und/oder die Medien, die er liest) sehr unsorgfältig mit den Statistikdaten umgegangen ist.

Am 15.04.2009 09:42 schrieb knuddel:
Das ist alles sehr widersprüchlich

Ist es nicht, siehe weiter unten. Alle Daten fügen sich passend zusammen.

Bedenke ausserdem auch, dass sich die Statistiken auf unterschiedliche Aspekte beziehen und die Fragen anders gestellt wurden, sowie das Publikum ein anderes ist.

Nur schon die Fragen «Glaubst Du an Gott» und «Glaubst Du an den Gott, der sich in der Bibel offenbart und Jesus zur Erlösung geschickt hat», werden ganz unterschiedliche Zustimmungsraten erhalten. Mal sehen, ob sich das selbst mit den wenigen Nutzern hier beweisen lässt (geht nur für angemeldete Nutzer):

Glaubst Du an Gott?
Nur angemeldete Benutzer können abstimmen.
ja
0%(0)
nein
 
100%(3)
Glaubst Du an den Gott, der sich in der Bibel offenbart und Jesus zur Erlösung geschickt hat?
Nur angemeldete Benutzer können abstimmen.
ja
0%(0)
nein
 
100%(3)
Eine aktuelle Umfrage auf 20 Minuten ergab übrigens, dass 61% aller Altersgruppen sehr gläubig sind.

Falsch. Aktuell beantworten 58% die Frage «Glauben Sie an Gott mit «Ja» und immerhin 31% mit «Nein an gar nichts». Es wir nicht unterschieden zwischen «ein bisschen gläubig» und «sehr gläubig». Bereits das macht die Zahlen unbrauchbar. Dabei kann man wohl auch davon ausgehen, dass diejenigen, welche 20min nicht nur lesen, sondern sich gar noch auf deren Internetseite herumtreiben, im Durchschnitt wohl eher nicht zum gebildeten Teil der Bevölkerung gehören dürften. Das heisst, Umfragen von 20min sind ebenso mit Vorsicht zu geniessen, wie solche von atheismus.ch, weil es sich um ein speziell vorselektiertes Publikum handelt.


Betrachtet man die Studie genauer, die Teil eines ganzen Programms ist (http://www.pnr58.ch), ergibt sich ein ganz anderes Bild:

20min schreibt sehr populistisch: «Über 60 Prozent der Deutschschweizer Teenager glauben an die Existenz einer übernatürlichen Macht.» (Wohlgemerkt: Nicht an den christlichen Gott, sondern allgemein «an eine übernatürliche Macht».) Schaut man nun etwas genauer hin, wie der Beobachter das tat, dann sieht man, dass die Frage lautete: «Wie sehr glaubst Du, dass es Gott/etwas Göttliches gibt?». Hierbei antworteten nur 21,9% mit «sehr». Dem stehen direkt 15,9% gegenüber, die «gar nicht» zur Antwort gaben, also beinahe Gleichstand an beiden äusseren Enden der Skala! Weitere 19,3% antworteten mit «wenig». Die dritte Antwort beinhaltet eine Falle: Hier lautete die vorgegebene Antwort: «mittel/ziemlich» (41,7%). Man hat also einfach die Mitte («halb/halb») und «ziemlich» zu einer Antwort zusammengenommen. Wobei man annehmen kann, dass die Antwort «mittel» oft ungefähr gleichbedeutend ist, wie «ich will mich nicht genau festlegen». Man hätte den Begriff «mittel» nicht mit «ziemlich» zusammennehmen dürfen.

20min hat nun fälschlicherweise einfach die Prozentzahlen der Antworten «sehr», «ziemlich» und «mittel» zusammengenommen und erreicht so die «über 60%».

Du, Knuddel, treibst den Fehler noch weiter und schreibst: «Eine aktuelle Umfrage auf 20 Minuten ergab übrigens, dass 61% aller Altersgruppen sehr gläubig sind.» Aus «mittel» und «ziemlich» machst Du ein «sehr». Das ist falsch. Es mag Deinem Wunschdenken entspringen, aber die Statistik sieht in der Realität anders aus.

Es sind tatsächlich nur nur knapp 22%, die mit «sehr». Hingegen glauben 35,2% «wenig» bis «gar nicht» an etwas Göttliches. Das wiederum entspricht fast genau den 31%, die aktuell auf die 20min Onlinefrage «Glauben Sie an Gott mit «Nein an gar nichts» geantwortet haben.

Damit ist alles nicht mehr so widersprüchlich.

Im Vergleich zu den vorhergehenden Statistiken,

Hier die Grafik aus dem Beobachter Artikel:

Jedenfalls sollten wir uns nicht auf deine neun Jahre alten Statistiken verlassen. Offenbar hat eine Trendwende stattgefunden.

Trendwende? Aber sehr zu meinen Gunsten! Nein, genau betrachtet geht es mit der Religion konstant nach unten.

Auf die Frage, «Es gibt einen Gott» antworteten 1999 noch 54% mit «Voll und ganz einverstanden»1). Heute sind es nur noch 21,9%, ein Verlust von 32,1% in zehn Jahren! ;-) Allerdings vergleiche ich hier auch Äpfel mit Birnen: In der Statistik 1999 wurde die ganze Bevölkerung befragt, jetzt in dieser Statistik nur die Jugendlichen. Dies wiederum deckt sich voll und ganz mit der Aussage von Telepolis: In ganz Europa geht es seit Jahrzehnten mit der Religiosität bergab, wonach die jugendlichen weniger gläubig seien, als die Erwachsenen. Somit kann man annehmen, dass es weiterhin mit der Religion nach unten geht, weder schneller, noch langsamer als bis anhin, sondern einigermassen konstant und gleichmässig. Von einer Trendwende kann nicht die Rede sein!

Du siehst also Knuddel, die daten passen durchaus zusammen, keine Widersprüche und keine Trendwende, mitnichten, sondern die stetige Fortführung eines Trends hin zu weniger Bedeutung für Religion. Ganz besonders aber verliert als Religion das Christentum an Einfluss. Es treten sehr viele aus den Staatskirchen aus, aber nur wenige Extremisten sammeln sich in Freikirchen. Die Mehrheit bleibt Konfessionslos, genauer gesagt Religionsfrei. Ob sie sich nun innerlich dem Christentum zugeneigt fühlt, irgendetwas Selbstgebasteltes glaubt, oder gar nichts, das müsste man separat erfragen.


Wenn es um Kirchenaustritt geht, sind wir in der Schweiz die Nummer Eins.

Schön für dich. Ich habe das Formular auch schon mal ausgefüllt. Wie viele Leute zur Landeskirche austreten ist mir nicht so wichtig. Das sagt nichts darüber aus, wie es um den Glauben an Gott steht.

Es freut mich, dass wir auch Christen behilflich sein dürfen. Und wenn Du doch eines Tages zu Vernunft kommst und Dich vom Christentum verabschiedest, darfst Du gerne noch eine Entchristianisierung vollziehen. ;-)

Was wir aber trotz alledem beobachten können, ist dass nicht nur der Anteil von denen steigt (wenn auch langsam), die sich klar als nicht religiös bezeichnen, sondern dass die Menschen mehr und mehr den etablierten und organisierten Religionen davon laufen, auch dem Christentum, uns sich mehr und mehr ihren individuellen Glauben selbst zusammenbasteln, aus beliebigen Elementen von Esoterik und allen möglichen Religionen. Darum hat auch die «Ökumene» solchen Zulauf, obschon sie äusserst unchristlich ist.

habe keine Ahnung, was an den Ökumenen unchristlich sein soll.

Weil es keinen Weg gibt, als den durch Jesus, wie er von sich selbst gesagt haben soll. Darum ist eine Ökumene, die selbst anderen Religionen etwas zugesteht, durch und durch unchristlich. Ganz im Dilemma hocken die Katholiken, die Neuapostolen und andere Sekten, die von sich behaupten, der einzig richtige Weg zum Heil zu sein.

Und Esotherik gibt es schon so lange wie Aberglaube und Horroskope. Und das ist schon ziemlich lange.

Aber früher war sie von den Kirchen verboten, geächtet und verfolgt. Nun erlebt sie eine regelrechte Renaissance. Die Esoterik wird zur Alternative gegenüber den etablierten Religionen: Sie bietet ein Sammelsurium an Aberglauben an, aus dem sich jeder das herausssuchen darf, was ihm gerade am besten gefällt.

Wenn Du mit Glaube in der Schweiz 1989 - 1999 vergleichst, dann sind 12% strikte Ungläubige eine massive Steigerung.

Tatsächlich sind es nach dem Beobachter sogar 15,9%, die gar nicht an etwas göttliches glauben und 19,2%, die nur wenig daran glauben. Leider wurde die Mitte einfach der religiösen Seite zugeschlagen, was die Aussage noch zusätzlich verfälscht. Aber auch so ist das ein grosser Gewinn seit 1999. Nur bezieht es sich hier auf Jugendliche, die sowieso weniger glauben, als die älteren Generationen.

Die neuste Studie die ich gleesen habe hat nur Zahlen für "sehr gläubig" "schwach gläubig" und "ungläubig" angegeben. Weiss aber nicht mehr genau, wie der Wortlaut genau war. ich habe für meine Analyse nur die Zahlen von "sehr gälubig" verwendet, habe also zu deinen Gunsten gerundet. Somit haben beide Lager eine massive Steigerung erfahren.

Da sieht man, wie sehr man sich irren kann, wenn ma nmit Statistiken unsauber umgeht.

Heute werden in Spitälern, Bahnhöfen, Flughäfen, sogar in Einkaufszentren Andachtsstätten gebaut, weil man wohl glaubt, dass das politisch opportun sei.

Heute werden in Spitälern, Bahnhöfen, Flughäfen, sogar in Einkaufszentren Andachtsstätten gebaut, weil ein Bedürfnis in der Bevölkerung besteht.

Daran wage ich zu zweifeln. Gibt es eine Statistik, die besagt, von wievielen Promillen der Besucher diese Einrichtungen überhaupt genutzt werden?

Jede dieser Einrichtungen hat tausende von Besuchern täglich, aber die Andachtsstätten sind nicht nur klein, sondern auch kaum besucht. Die WCs sind voller.

Leider haben Religionen in der öffentlichen Meinung noch einen viel zu guten Ruf, den sie nicht verdienen würden, würde man all das Leid berücksichtigen, das Religionen geschaffen haben. Aber wir arbeiten daran. ;-)

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1) Siehe Glaube in der Schweiz 1989 - 1999, wobei ich in der Grafik die Frage so umformuliert habe, dass ein «Ja» aus atheistischer Sicht positiv ist
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