Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Atheismuskritik (mystiiique)

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Diskussionsbeitrag:

Am 23.11.2008 11:15 schrieb mystiiique:

In Wikipedia wird Atheismus so zusammengefasst: "Unter Atheismus versteht man im weiteren Sinne die Abwesenheit der Auffassung, dass es göttliche Wesen gibt, und im engeren Sinne die Auffassung, dass es keine göttlichen Wesen gibt"

Damit man diesen Satz verstehen kann braucht muss wohl "göttliche Wesen" definiert werden. Bei Wikipedia wird bei der Suche nach göttlichen Wesen auf die Seite für Gott weitergeleitet: "Als Gott beziehungsweise Gottheit wird die im Glauben einer religiösen Person erfahrene heilige, transzendente Macht bezeichnet"

Daraus schliesse ich dass Atheisten eine transzendente Macht verneinen. Den Begriff Transzendenz finde ich etwas schwierig. Unter Transzendenz steht "Transzendenz (von lat. transcendere „übersteigen“) bedeutet Überschreiten von Grenzen des Verhaltens, Erlebens und Bewusstseins, sowie das Sichbefinden jenseits dieser Grenzen."

Diesen Satz musste ich einige Male lesen bis ich etwas damit anfangen konnte. Für mich heisst das nun, dass Atheisten die Existenz einer Macht ausserhalb der Grenzen des Verhaltens, Erlebens und Bewusstseins verneinen. Ungeklärt bleibt der Begriff "Macht". Ich konnte in Wikipedia keine nützliche Beschreibung finden. Worauf ich hinaus will ist folgendes:

Das Verneinen einer Macht ausserhalb des Erfahrbaren erscheint mir ziemlich leichtsinnig. Das erinnert mich an die Jahre wo in Schuhläden die Fussgrösse mit Röntgenstrahlung gemessen wurde weil es kein Indiz gab, dass diese Strahlung schädlich sein könnte. Es ist doch klar, dass die Naturwissenschaft sich immer innerhalb der Grenzen des Erfahrbaren bewegt und gleichzeitig wurde durch die Naturwissenschaft das Erfahrbare in den Jahren immer komplexer und vielfälltiger. Es gibt also keinen Grund anzunehmen, dass wir die gesamte Welt heutzutage erfahren können und genauso unwahrscheinlich bleibt es, dass sich dies irgendwann mal ändern wird.

Nun ist es doch nur vernünftig, sich über den Rest der Welt (der nicht erfahrbare Teil) trotzdem Gedanken zu machen und man wird gezwungenermassen in einem religiösen Weltbild enden weil die Wissenschaft dabei komplett versagt. So wie ich den Atheismus verstanden habe, wird dieser nicht erfahrbare Teil der Welt mehr oder weniger einfach verneint (oder bestenfalls ignoriert). Kann mir bitte einer erklären was ich an dieser Sache falsch verstanden habe und falls da nichts ist, warum diese Verneinung Sinn machen soll?

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Re: Atheismuskritik (gwendolan)


Am 23.11.2008 13:13 schrieb gwendolan:

Hallo Mystique.

Ich bin nicht ganz sicher, ob du den Atheismus richtig verstehst. Es geht dabei nicht umbedingt um die Verneinung einer Macht ausserhalb des erfahrbaren. Bezüglich Mächten ausserhalb des erfahrbaren kann man aus empirischer Sicht eigentlich nur Agnostisch sein, und Vermutungen anstellen. Ich vermute, dass es keine Dinge in unserem Universum gibt, welche prinzipiell von unserer Erfahrung ausgeschlossen sind. Mächte, die ausserhalb des erfahrbaren stünden wären ja auch komplett irrelevant für uns, denn was wir nicht einmal wahrnehmen bzw. messen können, das kann auch keinen Einfluss auf unser Leben haben. Die prinzipielle Efahrbarkeit ist also eine Art äussere Grenze - was prinzpiell (nicht nur mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft) nicht erfahrbar ist, das braucht auch niemanden zu interessieren, weil dort ohnehin nur spekuliert werden kann und weil dort auch jeder Einfluss auf unser Leben ausgeschlossen ist.

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Warum Götter nicht funktionieren, Grenzen der Erkenntnis [ Re: Atheismuskritik ] (mrw)


Am 23.11.2008 14:48 schrieb mrw:

Bravo, Mystiiique, Deine Überlegungen sind hervorragend. Gerne ergänze ich Dir, was wir Atheisten uns dazu überlegt haben. Du machst einige ganz wichtige Bemerkungen, die eben, meiner Meinung nach, zwangsläufig zum Atheismus führen müssen, wenn man sie konsequent weiter denkt.

Kurz gesagt:

Wir Atheisten sagen, dass man rein gar nichts darüber wissen kann, was ausserhalb unserer Wahrnehmungsfähigkeit möglicherweise liegen könnte. Niemand kann das, weder Du, noch ich, noch die Wissenschaft und schon gar nicht die Religionen. Wenn uns die Religionen die Vermittlung eines solchen Wissens vorgaukeln, dann lügen sie nachweislich. Ausserdem hat das, was ausserhalb unserer Wahrnehmung liegt, für unser Leben keinerlei Bedeutung, denn man kann es, wie gesagt, nicht wahrnehmen. Folglich kann man es getrost ignorieren. Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist die, dass es auch keinerlei Hinweis auf die mögliche Existenz von «so etwas» gibt, wobei nichteinmal klar ist, was mit «so etwas» genau gemeint ist. Bislang konnte jedenfalls alles natürlich erklärt werden und es gibt keinen Hinweis, dass das nicht immer so sein sollte.

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Re: Atheismuskritik (hans)


Am 23.11.2008 17:35 schrieb hans:

Hallo mystiiique, ich hoffe, ich habe nun keines der zahlreichen i in deinem Namen vergessen. Wenn ich deinen Beitrag so lese, dann kommt mir der Gedanke, daß aus deiner Sicht, jeder Atheist sofort Theologie studieren müßte. Dazu müßte er sich dann "natürlich" auch noch mit allen Mythologien, Wahrheitslehren, Heilsbringern, Sehern und Propheten befassen. Auch alles was wir heute als Unsinn abtun, von UFO`s bis zu Rutengängern, müßte er studieren, da sich auch hier die vermeintliche Wahrheit verbergen könnte. Nun muß ich ganz ehrlich zugeben, daß ich weder die Lust noch die Zeit habe, daß ich darauf warte, daß ich von einem vermeintlichen Alien besucht werde, oder daß mir irgendein Gott einen Beleg seiner Existenz liefert. Davon abgesehen, und hier kann ich mich womöglich auch irren, kann ich mir wirklich nicht vorstellen, und die Geschichte von Religion und Ufologie belegen es, daß uns durch beide Einrichtungen je so etwas wie Erkenntnis und Problemlösung zuteil geworden ist. Wenn ich ihre Auffassung von Wahrheit auf dein Beispiel mit den Röntgenstrahlung übertrage, dann könnte ihre Antwort so aussehen.

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