Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: Atheismuskritik (gwendolan)

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Diskussionsbeitrag:

Am 23.11.2008 13:13 schrieb gwendolan:

Hallo Mystique.

Ich bin nicht ganz sicher, ob du den Atheismus richtig verstehst. Es geht dabei nicht umbedingt um die Verneinung einer Macht ausserhalb des erfahrbaren. Bezüglich Mächten ausserhalb des erfahrbaren kann man aus empirischer Sicht eigentlich nur Agnostisch sein, und Vermutungen anstellen. Ich vermute, dass es keine Dinge in unserem Universum gibt, welche prinzipiell von unserer Erfahrung ausgeschlossen sind. Mächte, die ausserhalb des erfahrbaren stünden wären ja auch komplett irrelevant für uns, denn was wir nicht einmal wahrnehmen bzw. messen können, das kann auch keinen Einfluss auf unser Leben haben. Die prinzipielle Efahrbarkeit ist also eine Art äussere Grenze - was prinzpiell (nicht nur mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft) nicht erfahrbar ist, das braucht auch niemanden zu interessieren, weil dort ohnehin nur spekuliert werden kann und weil dort auch jeder Einfluss auf unser Leben ausgeschlossen ist.

Bleibt die zweite, weiter innen liegende Grenze des erfahrbaren, die mit den aktuellen wissenschaftlichen Methoden und Technicken messbare und erfahrbare Welt. So wie ich das sehe, gehen diese schon ziemlich weit. Wir blicken Milliarden von Lichtjahren in den Raum hinaus und Milliarden von Jahren in die Vergangenheit zurück. Wir können die Funktionen unseres Geistes und unseres Körpers, die Entstehung unserer Art, des Lebens überhaupt, unseres Planeten, unseres Sonnensystems, unserer Sonne, ihrer Vorgänger, unserer Galaxie und unseres ganzen Universums sehr sehr weit zurück erklären, und das alles ganz ohne irgend einen "Gott" zu Hilfe zu nehmen oder gar irgendwo irgend einen noch so kleinen Hinweis auf ihn zu finden. Im Gegenteil vertragen sich die am besten abgesichertststen wissenschaftlichen Theorien überhaupt, wie zum Beispiel die Evolution, überhaupt nicht mit jeder hergebrachten Gottesvorstellung.

Der innerste Kreis wäre alles, was ich als Mensch individuell selbst unmittelbar erfahren und mit meinen Sinnesorganen messen kann. Als Naturalist vermute ich einfach, dass es im Universum mit rechten Dingen zu und her geht - immerhin habe ich persönlich noch nie irgend etwas erlebt oder von irgend etwas gehört, was ich nicht mit meinem naturalistischen Weltbild hätte in Einklang bringen können.

Nun ist es gar nicht nötig, die äussere Grenze zum prinzipiell nicht erfahrbaren zu überschreiten, um jede hergebrachte Gottesvorstellung abzulehnen. Die Gläubigen postulieren nämlich (meistens) Götter, welche innerhalb des innersten, unmittelbar von Individuen erfahrbaren Erfahrungskreises wirken, oder dann zumindest im naturwissenschaftlich messbaren "Erkenntniskreis" wirken. Götter, die auf unserem Planet "Wunder" vollbringen (lassen), dei angeblich den Naturgesetzen widersprechen, Götter, die zu Gläubigen sprechen, ihre Wunden heilen, sie vor Unfällen schützen, die ihre Persönlichkeit die Verwesung ihres Hirnes überleben lassen, die Gute Menschen belohnen und schlechte Menschen bestrafen, die Tsunamis über gottlose Orte toben lassen, Götter, die hier und jetzt erfahrbar handeln. Das ist auch verständlich, denn da prinzipiell nicht erfahrbare Götter keinen irgendwie gearteten Einfluss auf unser Universum haben könnten (da dieser ja dann messbar wäre!), wären sie für Gläubige völlig uninteressant.

Der Haken daran ist natürlich nun, dass sobald Göttern irgend ein konkretes Wirken in unserer Welt angedichtet wird, dieses auch messbar sein müsste, und zwar - wenn es sich sogar um Dinge handelt, welche wir Menschen wahrnehmen können - solche, die wir mit wissenschaftlichen Methoden schon lange messen können.

Es ist bezeichnend, dass Gläubige (vor allem Christen) ihren Gott immer ausserhalb des aktuellen Erkenntnishorizonts zu halten versuchen: Zuerst, als wir noch keine Fluggeräte und Teleskope hatten, war er im Himmel. Als wir auch durch den Himmel flogen, und ihn dort nirgends sahen, war er halt weiter draussen, und nun, wo wir Milliarden von Lichtjahren in den Himmel hinausblicken können hockt er angeblich an irgend einem "transzendenten" Ort, den wir prinzipiell nicht einsehen können. Das selbe gilt natürlich auch für seinen Gegenspieler, den Teufel, von dem auch nicht mehr behauptet wird, er lebe im Erdninnern. Auch sein Wirken wird immer mehr "transzendiert". Die Katholische Kirche hätte vor wenigen hundert Jahren noch jeden auf dem Scheiterhaufen verbrennen lassen, der auch nur im entferntesten angezweifelt hätte, der gute alte Jehove habe die Erde in exakt sieben Tagen geschaffen und zwar so, wie wir sie heute sehen, mit allen Tieren und Menschen genau so, wie sie heute sind. Heute hingegen behauptet sie, der katholische Glauben sei durchaus mit der Evolutionstheorie vereinbar, das sei doch alles einfach nur metaphorisch zu verstehen. Ihr Gott habe schon irgendwie mit dem ganzen zu tun gehabt, auch wenn man nicht weiss, wie genau und eigentlich auch überhaupt kein Platz für Götter bleibt.

Dies ist ein weiterer Grund, weshalb ich das Postulieren eines Gottes ausserhalb des prinzipiell erfahrbaren, äusserst unglaubwürdig finde.

Aus diesem Grund ist Atheismus durchaus eine konsistente und konsequente Position, zumindest wenn man die wissenschaftliche Erkenntnisfähigkeit nicht völlig ablehnt.

Antwort auf diesen Diskussionsbeitrag
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Re: Atheismuskritik (mystiiique)


Am 23.11.2008 17:14 schrieb mystiiique:

Hallo Gwendolan und mrw

Vielen Dank für die ausführlichen Antworten. Ich wäre allerdings froh gewesen, wenn nicht gleich mehrere Personen geantwortet hätten. Was soll ich nun machen? Mit mehreren Personen gleichzeitig das selbe Thema zu diskutieren ist mir zu anstrengend. Ich werde also nur auf Gwendolan antworten und wäre ausserdem froh, wenn sich nicht noch mehr in diese Diskussion einmischen. Ich halte es sowieso für sehr problematisch wenn eigene Aussagen von andern verteidigt werden.

Auch bin ich nicht interessiert, eine Diskussion zu führen die zu einer narzisstischen Selbsbefriedigung der Beteiligten ausartet. Es geht mir hier in erster Linie um Verständnis was Atheismus sein soll, denn die gesamte Bewegung erscheint mir momentan völlig sinnlos.

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