Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Sammelantwort1: Beliebigkeit von Göttern und Religionen [Re: "Und Ihr werdet sein wie Gott." (1Mose 3.5)] (mrw)

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Diskussionsbeitrag:

Am 05.11.2008 13:42 schrieb mrw:

Dies ist eine Sammelantwort.

Am 05.11.2008 10:28 schrieb jack:
Am 05.11.2008 08:41 schrieb hans:
Die Wissenschaft kann die Existenz von Göttern (ich nehme mal den Plural) nicht zu hundert Prozent ausschliessen.

Hans: Da pflichte ich Dir zwar bei, aber mit einer wesentlichen Einschränkung:

Die Wissenschaft kann «keine» Gottesvorstellung zu hundert Prozent ausschliessen.

Widersprüchlich definierte Götter kann man sehr wohl ausschliessen. Und darunter fällt u.a. der christliche.

Solange eine Gottesvorstellung schwammig genug definiert ist, kann man sie nicht widerlegen. Sobald sie aber konkret wird und ins Detail geht, kann man die Konsistenz prüfen und im Falle von Widersprüchen, sowohl inneren Widersprüchen, wie auch Widersprüchen mit den akzeptierten wissenschaftlichen Erkenntnissen, die Theorie verwerfen.


Doch das ist eigentlich nur ein weniger wichtiges Nebenthema, denn der Hauptpunkt ist der: Die Definition von Göttern, die Definition von religiösen Inhalten ist absolut beliebig.

Jeder kann einen Gott erfinden, oder eine Matrix, oder Vampire, oder rosarote Einhörner, oder grüne Männchen auf dem Mars, oder eben ein fliegendes Spaghettimonster. Diese Erfindung kann man dann so in ein theoretisches Gebäude einpacken, dass sie sich nicht mehr widerlegen lässt. Aus diesem Grund gibt es auch so viele Religionen, die nebeneinander existieren.

Es kommt also auf genau dasselbe heraus, ob einer behauptet: «Man kann nicht beweisen, dass Gott nicht existiert, also kann ich daran glauben», oder ob ein anderer behauptet: «Man kann nicht beweisen, dass rosarote Einhörner nicht existiert, also kann ich daran glauben

Liebe Christen: Wenn Ihr beweisen könnt, dass das fliegende Spaghettimonster nicht existiert, wenn Ihr beweisen könnt, dass keine kleinen grünen Männchen in unsichtbaren Raumschiffen um die Erde kreisen, wenn Ihr beweisen könnt, dass es keine rosaroten Einhörner gibt, dann beweise ich Euch, dass es keinen Gott gibt, denn jeder Beweis, der dazu geeignet ist, eine meiner absurden Behauptungen zu widerlegen, ist auch geeignet, Euren Gott zu widerlegen.

Richtig, deshalb sage ich ja auch, dass ich an einen Gott glaube, weil die Wissenschaft mir nicht aufzeigen kann, dass es ohne einen Schöpfergott geht.

Die Wissenschaft kann sehr wohl aufzeigen, dass es ohne geht. Was sie nicht kann, ist beweisen, dass es nur ohne geht. Die Wissenschaft kann keinen Negativbeweis führen, sie kann weder beweisen, dass es keinen Äther gibt, noch kann sie beweisen, dass es keinen Gott gibt.

Aber dann glaubst Du auch an das fliegende Spaghettimonster, an Vampire, an Feen, an rosarote Einhörner, an Lichtgeister, an unsichtbare UFOs? Auch da kann die Wissenschaft nicht beweisen, dass es sie nicht gibt.

Bei alledem gibt es aus wissenschaftlicher Sicht nur folgende Anmerkungen:

  • Keines von dem ist für die Erklärung der Welt zwingend notwendig.
  • Mit keinem von dem kann man Beobachtungen erklären, die ansonsten unerklärlich wären.
  • Man kann keines davon beobachten, man kann keines davon nachweisen, man kann keines davon beweisen.

Daher ist es nicht sinnvoll anzunehmen, es gäbe einen Gott, ein fliegendes Spaghettimonster, Vampire, Feen, rosarote Einhörner, Lichtgeister oder unsichtbare UFOs.

Das heisst nicht, dass man nicht danach suchen soll. Doch es ist nicht sinnvoll, von deren Existenz auszugehen.

Es gibt nur zwei konsequente Vorgehensweisen:

Entweder man entscheidet sich zu glauben. Dann muss man aber konsequent genug sein, an alles zu glauben, wirklich alles, nicht nur an Gott, sondern auch an Buddha, Zeus, Osiris, an das fliegende Spaghettimonster, an kleine grüne Männchen, an Feen, an Elfen, an Lichtgeister, an rosarote Einhörner, an Hexen, an riesige Meeresschlangen, an das Monster vom Loch Ness, u.s.w. — Es gibt keinen vernünftigen Grund, weshalb man nur an einen bestimmten Gott glauben soll, aber nicht an alle anderen Götter und Fabelwesen.

Oder man wählt den Weg der Vernunft und glaubt gar nichts. Gerade weil Glaube völlig beliebig ist, macht es Sinn, nichts zu glauben, was man nicht wissen kann. Nur das kann wissen, was sich wissenschaftlich erforschen und begründen lässt. Diesen Weg habe ich gewählt.

Es sehe immer noch nicht, was durch die Einführung einer Gottesvorstellung gewonnen ist und welche Probleme durch sie leichter gelöst werden können.

Trost und Führung bei Tod und Ungerechtigkeit?
Perspektive für ein Leben nach dem Tod?

Da hast Du ganz offensichtlich die Frage falsch verstanden. Die Frage lautet: Was kann man mit der Einführung Deines Gottes erklären, was ohne diese Einführung völlig unerklärbar wäre?

Wenn es um die Wahrheit geht, sind die Gefühle der Menschen uninteressant. Die Menschen können auch Trost in einer Lüge finden.


[Sarkasmus-Ein]

Am 03.11.2008 20:47 schrieb jack:
Das Problem von Euch Atheisten ist, dass Ihr auch nicht 100%-ig beweisen könnt, dass es keinen Gott gibt.

Das Problem von Euch Christen ist, dass Ihr auch nicht 100%-ig beweisen könnt, dass es keine rosaroten Einhörner gibt.

Wenn die Wissenschaft nicht mal erklären kann, warum sich Schneekristalle bilden, dann kann sie erst recht nicht erklären, warum sich überhaupt das Universum gebildet hat.

Wenn die Religion nicht mal erklären kann, woher Gott kommt, dann kann sie erst recht nicht erklären, warum er die Welt erschaffen hat.

[Sarkasmus-Aus]


Am 03.11.2008 17:55 schrieb torx:
Aber die Wissenschaft hat nun mal noch nicht alles erklärt.

Was erklärt die Religion, was die Wissenschaft nicht erklärt?

Ab gewissen zeitlichen und räumlichen Dimensionen stellt sie nur noch Vermutungen und Theorien auf. Einige dieser Theorien sind genug glaubhaft um allgemein als wahr anerkannt zu werden. Zum Beispiel die Evolutionstheorie oder die Urknalltheorie.

Welche religiösen Theorien sind wissenschaftlich anerkannt?


Am 04.11.2008 00:01 schrieb torx:
Mich interessiert viel mehr, und hier folge ich Karl Popper, was erklären unsere Theorien und welche Probleme werden durch sie, oder mit ihrer Hilfe gelöst.

Dass die Wissenschaft Probleme löst, ist ja wohl unbestritten. Sie heilt Krankheiten, sie löst Ernährungsprobleme, sie ermöglicht Wohlstand, sie verkürzt Reisezeiten, sie ermöglicht Kulturschutz, sie fördert die Kommunikation und Völkerverständigung, usw.

Das sind eigentlich mehr die Technik und die Geisteswissenschaften. Es geht vielmehr darum, welche Fragen beantwortet werden können, nicht welche praktischen Probleme sich lösen lassen.

Der Glauben an Gott ist in der wissenschaftlichen Welt aber keineswegs überflüssig geworden. In einer globaliserten Welt in der alles so schnell voran geht sehnt sich der Mensch auch nach Sicherheit, Beständigkeit und Liebe, die ihm die Wissenschaft nicht geben kann.

Das ist auch nicht die Aufgabe der Wissenschaft, wohl aber der Filosofie. Und die kann sich durchaus erfolgreich diesen Fragen annehmen, und zwar auch eine materialistische Filofosie.

Aber wie gesagt, die Frage ist nicht, welche psychischen Defizite eine Religion ausfüllen kann, sondern welche handfesten und nachweislich wahren Erklärungen für unsere Welt sie liefern kann, die ohne Religion nicht geliefert werden können.

Weiter schreibst Du:

Zum Beispiel: So hoch unser Finanzsystem auch entwickelt ist. Es ist nicht sicher, wie die jüngsten Ereignisse zeigen. So gut unsere Polizei auch ausgerüstet ist: Es passieren Bombenanschläge in Ubahnen und Wolkenkratzer werden mit Flugzeugen eingerissen. So gut unser Schweizer Sozialsystem auch ist: Es sind immer noch Obdachlose auf den Strassen.

Doch weder Deine Religion noch Gott sind imstande, diese Probleme zu lösen! Im Gegenteil: Wenn es einen allmächtigen Gott gibt, warum leben wir dann nicht im Paradies?

Lösen können wir unsere Probleme nur, wenn wir sie gemeinsam mit Vernunft angehen und Lösungen suchen, unter gegenseitigem Respekt und Verständnis. Kein Gott hilft uns dabei. Auch keine Religion, im Gegenteil, gerade beim Terrorismus ist die Religion auch nur ein Ospel (Ospel = Teil des Problems, nicht Teil der Lösung).

Und wir könnten die nächsten sein. Die Welt ist immer noch voller Gefahren und Gott erfüllt das Bedürfnis vieler Menschen, die sich einen übernatürlichen Schutz wünschen.

Übernatürlichen Schutz wünschen kann man noch lange, haben tut man ihn trotzdem nicht. Ich Christen vermischt Wunsch und Wirklichkeit.

Und wer erst mal ein paar erhörte Gebete erlebt hat, der will auf seinen Glauben nicht mehr so schnell verzichten.

Auch das ist ein rein psychologisches Fänomen.

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Re: Sammelantwort1: Beliebigkeit von Göttern und Religionen [ Re: "Und Ihr werdet sein wie Gott." (1Mose 3.5) ] (datura)


Am 08.11.2008 07:52 schrieb datura:

Am 05.11.2008 13:42 schrieb mrw:
Was erklärt die Religion, was die Wissenschaft nicht erklärt?

Was ist der Sinn des Lebens. Von wissenschaftlichen Standpunkt aus ist es sinnlos. Es macht keinen beobachtbaren Unterschied, ob wer einen Sinn des Lebens sieht, oder ob er mit einen sinnlosen Leben glücklich ist.

Welche religiösen Theorien sind wissenschaftlich anerkannt?

Da fällt mir eine ein! Die Welt entstand an einen Tag. In der Wissenschaft nennt man das Urknalltheorie.

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