Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: Die Atheismusbewegung geht einen falschen weg (mrw)

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Diskussionsbeitrag:

Am 05.10.2008 12:16 schrieb mrw:

Am 30.09.2008 17:58 schrieb andy:
Ich möchte alle hier erstmals alle herzlich grüssen. Ich bin neu hier und würde mich, so wie ich im Schnellzug durch diese Page gegangen bin, demnach nur als halber Atheist bezeichnen.

«Halber Atheist»? Wie soll das gehen, glaubst Du an einen «halben» Gott? Oder bist Du Dir unschlüssig, ob es einen Gott gibt?

Wenn Du nicht an einen Gott glaubst, bist Du ein ganzer Atheist, unabhängig davon, ob Du im Übrigen meine Ansichten, oder die anderer Atheisten teilst.

In der Regel stellt sich aber sehr oft heraus, dass nach Bereinigung der Einstiegsdifferenzen wir Atheisten untereinander recht homogene Vorstellungen haben, auch wenn die Gewichtungen im Einzelnen unterschiedlich sein mögen.

Ich kann mich mit den Argumenten bez. Religion so wie sie hier dargestellt werden, gut indentifizieren und auch befürworten, bin aber mit der Grundhaltung einfach nein zu sagen absolut nicht einverstanden. Das ist mir persöhnlich zu billig und auch zu wenig konstruktiv.

Da «A»-Theismus erst mal eine Verneinung ist, folgt daraus natürlicherweise eine verneinende Grundhaltung. Aus diesem Grund habe ich auch als positive Alternative http://religionsfrei.org gestaltet, mit der Absicht, das Leben frei von Religion zu gestalten. Mit dem Resultat, dass hier die Post abgeht und dort nichts läuft. Offenbar ist die Auseinandersetzung mit der Religion spannender, als der konstruktive Aufbau einer Alternative? Das liegt vielleicht daran, dass wir Atheisten uns unsere Alternativen längst aufgebaut haben?

Eigentlich schade, aber ich lade nochmals alle Atheisten ein, sich konstruktiv in http://religionsfrei.org einzubringen.

Das Abschaffen der Religionen bringt nicht die Lösung, so doof das auch sein mag.

Viele Religionen wurden bereits abgeschafft. (Fast) niemand mehr glaubt an den Olymp, oder an Jupiter oder an Anubis oder an Thor. All diese Religionen sind den Weg aller Religionen gegangen und sind nunmehr kulturhistorische Erinnerungen. Auch für die semitischen Religionen wird diese Zeit kommen. Trotzdem wird es wohl auch in Zukunft immer wieder neue Religionen geben. Ich hoffe allerdings, dass diese nie mehr solche Macht erlangen können, wie in der Vergangenheit, dank des steten Tropfens der Aufklärung.

Die «Religionen» so falsch sie auch sein mögen, zielen mit ihrem Tun und Handeln auch auf Grundbedürfnisse und Ideologien der Menschen ab, sie ködern sie auch damit. Das heisst aber auch, dass diese Bedürfnisse gegeben sind und die Menschen auf der Suche sind und bleiben werden.

Ja natürlich. Es ist für die Menschen hart zu akzeptieren, dass sie nur eine zeitlich eng begrenzte, unbedeutende Randerscheinung in einem gigantischen Universum sind. Menschen stellen sich viel lieber ins Zentrum einer Schöpfung, die nur für sie allein gemacht wurde. Wissenschaftlich ist eine solche These unhaltbar. Die Wahrheit richtet sich nun mal nicht nach den Wünschen und Vorstellungen von uns Menschen.

Aber man kann durchaus mit einer positiven Lebenseinstellung darauf ragieren, die da lauten kann, dass das Leben an sich etwas wunderbares und faszinierendes ist, und dass wir es dem Wunder unserer Existenz schulden, das Beste aus unserem Leben zu machen, unser Glück zu optimieren. Hierbei können wir durchaus auf eine lange filosofische Tradition zurückgreifen, bis auf das antike Griechenland. Damals war auch die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Welt, die Betrachtung der Gestirne, die Freude am Entdecken eine der höchsten Tugenden. Zwar sind wir unbedeutend und winzig im Universum, aber doch sind wir in der Lage, über uns und das Universum nachzudenken, was uns dennoch zu etwas Besonderem macht.

Hierfür müsste die Atheimusbewegung mehr alternativen als die Aufklärung bieten, um echt konstruktiv zu sein, welches aber dadurch zwangsläufig zu einer neuen Religion führen wird.

Nicht unbedingt, weil wir alle unsere Voraussetzungen und Schlussfolgerungen hinterfragen und verstandesmässig begründen, was Religionen eben gerade nicht tun.

Ich schliesse mich Gwendolans Empfehlung für Michael Schmidt-Salomons «Manifest des evolutionären Humanismus» an und empfehle Dir im Weiteren die Beschäftigung mit aktueller naturalistischer (=materialistischer) Filosofie. Ich lese gerade von Bernulf Kanitscheider «Die Materie und ihre Schatten». Das Buch kann ich bedingt empfehlen. Wer sich nicht stört an vielen Fremdwörtern (teilweise gleich in griechischer Schrift) und teilweise ganzen fremdsprachigen Sätzen (wobei diejenigen in Latein nicht übersetzt werden), der findet hier einen spannenden Überblick über naturalistische Wissenschaftsfilosofie. Mir gefällt das Buch, aber es ist stellenweise recht anstrengend zu lesen.

In Religionsfragen geht es für mich um mehr als «nur um den Glauben» es geht auch um absolut weltliche Fragen, wie Recht und Ordnung, Sozialwesen und was weiss ich nicht alles.

Und genau dagegen sind wir! Genau dagegen wehren wir uns. Eine Religion darf nicht Vorschriften für andere machen, die ihr nicht angehören. Eine Religion darf sich auch nicht über die Gesetze aller stellen.

Man muss Staat und Religion konsequent trennen. Dieser Laizismus ist es, der Europa die letzten paar jahrhunderte geprägt hat und uns zu dem gemacht hat, was wir sind, auch wenn er noch nicht konsequent genug umgesetzt worden ist. Die Religionen kämpfen nach wie vor um jedes Quentchen Vorrechte das sie noch nicht verloren haben. Und wir halten dagegen. :-)

Unsere ganze Geschichte wie auch unsere Gesetzgebung ist historisch gesehen auf dem «Glauben und nur auf dem Glauben» entstanden und bis heute gewachsen.

Falsch. Du hast offenbar den Artikel «Europa ist nicht christlich» nicht gelesen.

Aber nur ein aufwecken oder Augen öffnen der «Gläubigen» ist zwar ein Anfang aber bei weitem nicht das Ende.

Leider ist die Aufklärung an vielen, vor allem weniger gebildeten Menschen beinahe spurlos vorbei gegangen. Die Menschen halten sich lieber an einfache, aber vielversprechende Mythen, als sich mit der Wahrheit auseinander zu setzen. Trotzdem: Heute gibt es eine Mehrheit, der «Religion» weitgehend egal ist. Diese Mehrheit gilt es auf den Atheismus aufmerksam zu machen. Es gäbe weit mehr Atheisten, als die wenigen, die sich dazu offen bekennen, nur realisieren die meisten nicht, dass sie eigentlich Atheisten wären. Aus lauter Gewohnheit bleiben sie Mitglied in ihren Kirchen und bezeichnen sich als «Christen», wenn sie gefragt werden, obschon sie mit dem christlichen Aberlauben nichts anfangen können. Viele Menschen sehen heute noch in der Religion etwas Positivers und sind sich der Grausamkeiten der Bibel und der Gräuel des Christentums viel zu wenig bewusst. Hier sollten wir aufrütteln und aufklären.

Hierzu ist die Strategie einerseits darauf aufmerksam zu machen, dass Atheismus (Naturalismus, Materialismus) ein gut durchdachter und abgesicherter Standpunkt ist. Ausserdem gilt es darauf aufmerksam zu machen, dass Religion eben nicht «gut» sondern hauptsächlich schlecht ist.

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