Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Abtreibung (mrw)

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Diskussionsbeitrag:

Am 21.05.2008 14:16 schrieb mrw:

Ablenkungsmanöver; Dumme und abscheuliche Ausrede

Am 20.05.2008 18:39 schrieb hjp:
Ich bin gegen die Todesstrafe!

Bist du sicher ?
Zeige mir einen Artikel von dir, in dem du dich gegen den Babycaust in Deutschland stelltest,
der in den letzten 100 Jahren mehr Opfer aufweist als der Holocaustin Deutschland.
Wenn du für den Babycaust bist, dann ist deine Aussage, du seist da gegen die Todesstrafe, nichts als verabscheuungswürdige Heuchelei.

Das ist nichts anderes als eine dumme Ausrede und der Versuch, vom eigentlichen Thema abzulenken, wenn Du mit Abtreibungen konterst, sobald das Thema auf die unzähligen Morde kommt, welche Religionen auf dem Gewissen haben, insbesondere das Christentum, sowie auf die Massaker, die laut Bibel angeblich vom Jehova-Gott verübt worden sein sollen.

Egal, was sonst noch alles in dieser (angeblich von einem Gott geschaffenen) Welt schlecht sein mag, nichts rechtfertigt diese Massaker.

Der biblische Gott ist gemäss biblischer Literatur verantwortlich für grausamste Massaker. Dafür gibt es keine Entschuldigung.

Todesstrafe

Das, was die Todesstrafe zu einem grossen Problem macht, ist die Tatsache, dass der Mensch kein absolutes Wissen erlangen kann, dass sich der Mensch also immer irren kann, die Todesstrafe aber irreversibel ist. Ein Justizirrtum kann niemals korrigiert werden.

Abtreibung

Abtreibung ist ein ganz anderes Thema.

Christliche Verlogenheit

Wenn Christen sich für das geborene Leben ebenso einsetzen würden, wie für das ungeborene, kämen sie nicht so verlogen rüber. Auf der einen Seite betonen sie das angebliche Recht auf Leben von Föten, auf der anderen Seite ermorden sie Abtreibungsärzte. In früheren Zeiten haben die Christen auch erbarmungslos Ungläubige, Ketzer und «Sünder» ermordet.

Gerade in den christlichsten Staaten der VSA ist die Todesstrafe am stärksten verbreitet. Gerade dort hat sich auch die Sklaverei am längsten halten können. Die Bibel, und in der Folge die Christen, haben jahrtausendelang die Frauen stigmatisiert und diskriminiert. Laut Bibel ist die Frau des Mannes «Gehilfin» und wird von diesem beherrscht. Das Motiv hinter dem christlichen Widerstand gegen Abtreibung ist nicht etwa Ethik, denn so etwas kennen Christen nicht, ansonsten würden sie nicht einen Gott anbeten, der Massaker begangen haben soll. Das Motiv hinter dem christlichen Widerstand gegen Abtreibung ist nichts anderes, als die Beherrschung und Bevormundung der Frau.

Schutz des Lebens aus atheistischer Sicht

Als Atheist habe ich hier eine ganz andere Auffassung. Jede Form des Lebens ist grundsätzlich gleich, ob Amöbe oder Mensch. Der Mensch hat keinen «Odem» oder sonstwas, das ich prinzipiell vom Tier unterscheiden würde, und so Die Unterschiede ergeben sich nicht durch die Eigenschaft des Lebens oder der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Spezies. Die Unterscheide ergeben sich durch Eigenschaften wie die (Mit-) Leidensfähigkeit, die Intelligenz, das Gedächtnis, die Fähigkeit zur Abstraktion, die Fähigkeit zur Interpolation.

Die ethischen Werte richten sich daher nicht nach Rasse oder Art, sondern nach den individuellen Fähigkeiten. Grundsätzlich ist jedes Leben schützenswert. Mutwillig soll kein Leben genommen werden. Andererseits ist zur Erhaltung des eigenen Lebens die Vernichtung von fremden Leben unumgänglich. Das gilt selbst für Veganer, die auch Pflanzen töten müssen.

Folglich kann man kein universelles Tötungsverbot ausgeben, sondern an muss es differenzierter betrachten. Hierbei kommt die Forderung auf, Lebewesen nicht absichtlich Leid zuzuführen. Hierunter fallen nur die Lebewesen, die leiden können, insbesondere also Lebewesen, die über ein Nervensystem verfügen. Je intelligenter ein Lebewesen ist, desto höher ist diese Grenze. Ab einer gewissen Stufe kommt zum körperlichen auch seelisches1) Leid hinzu. Der Mensch z.B. kann die Zukunft vorausplanen und Tod und Unglück voraussehen. Im Gegensatz dazu realisieren die meisten anderen Tiere nicht, wenn sie zur Schlachtbank geführt werden. Zudem hat der Mensch sehr ausgefeilte soziale Kontakte und leidet auch, wenn Bekannten von ihm ein Unglück zustösst. All dies ist zu berücksichtigen.

Die Prinzipien lauten daher:

  • Jedes Leben ist schützenswert. Kein Leben soll mutwillig zerstört werden.
  • Tieren, die Leid empfinden können, darf kein unnötiges Leid zugefügt werden.
  • Intelligente Tiere, die mitleiden können, die komplexe soziale Strukturen aufweisen und die ihre Zukunft planen können, geniessen absoluten Schutz.

Ein Fötus hingegen ist je nach Zeitpunkt auf der Entwicklungsstufe einer Amöbe oder eines einfachen Wirbeltieres. Entsprechen wenig Schutz sollte er geniessen. Solange ein Kind im Bauch der Mutter ist, werte ich das uneingeschränkte Recht der Frau auf ihren eigenen Körper höher, als jedes Recht des Kindes. Der Mensch wird nicht als schützenswertes Lebewesen gezeugt, er entwickelt sich dazu.

Wenn Gott Abtreibung nicht gewollt hätte...

Fehlgeburten sind bei Menschen keine Seltenheit. Nach Schätzungen liegt die Rate der Fehlgeburten bei Frauen in den besten Jahren bei ca. 2/3! Das heisst, allein schon die natürlichen Schwangerschaftsabbrüche betragen bei Menschen 40-70% (Quelle: Fehlgeburt#Epidemiologie). Da ist es lächerlich, auch nur einen Gedanken an die Moral von gewollten Schwangerschaftsabrüchen zu verschwenden. Hätte «Gott» (oder die Natur) gewollt, dass alle Schwangerschaften ausgetragen werden, wäre die Zahl der Fehlgeburten nicht dermassen hoch. Eine bewusste Abtreibung ist nur eine weitere Ursache unter vielen für einen Abort, und es ist eine sehr seltene Ursache im Vergleich zu den natürlichen Aborten.

Antwort auf diesen Diskussionsbeitrag
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Re: Abtreibung (gwendolan)


Am 21.05.2008 16:19 schrieb gwendolan:

Sehe ich ähnlich, für mich steht vor allem die Leidensfähigkeit eines Organismusses im Zentrum, wenn es um seinen Schutz geht. Leben fängt nicht im Mutterleib an, nicht mit Befruchtung, Verschmelzung von Geschlechtszellen oder mit Einnistung eines Embryos - Leben hat vor 4.6 Milliarden Jahren angefangen. Diejenigen seiner Äste und Zweige, welche aufhören, sind und bleiben tot. Auch geschlechtszellen sind "menschliches Leben", halt einfach nur mit einem einfachen statt einem doppelten Chromosomensatz. Sehr empfehlenswert finde ich in diesem Zusammenhang Morowitz Roger / Trefil James S. , The Facts of Life (Science and the Abortion Controversy), New York / Oxford 1992, welche die wissenschaftlichen Fakten über die Kontroverse zusammentragen.Sie kommen zum Schluss, dass bis in den 6. Schwangerschaftsmonat hinein der Entscheidungsfreiheit der Frau über ihren eigenen Körper und ihre Zukunft als Mutter (oder eben nicht Mutter) absoluter Vorrang vor dem Schutz "Ungeborenen Lebens" einzuräumen sei. Vorher seien zwar im Gehirn des Fötus schon Synapsen gebildet worden, allerdings würden die vorher noch nicht verknüpft weshalb der Embryo in gar keinem Fall empfindungsfähig sein könne. Zwar würden die Föten schon früher strampeln (auch als Reaktion auf Beeinflussung von aussen), allerdings handelt es sich dabei um rein Reflexartige Vorgänge, an welchen das zentrale Nervensystem nicht beteiligt ist.

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