Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Im Zweifel OHNE Gehirn. (gwendolan)

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Diskussionsbeitrag:

Am 12.05.2008 12:56 schrieb gwendolan:

Ich habe der NZZ den folgenden Leserbrief als Antwort auf diesen Artikel geschickt. Es geht nicht direkt um "Atheismus", aber um die selbstverständlichkeit mit welcher "Philosophen" sich gegen die Wirklichkeit wehren. Nimmt mich wunder, ob er veröffentlicht wird.

Der NZZ-Artikel: http://www.nzz.ch/nachrichten/wissenschaft/im_zweifel_gegen_das_gehirn_1.731101.html

Mein Leserbrief:

Der Autor scheint überhaupt nicht begriffen zu haben, wovon er spricht. Er scheint ernsthaft als "selbstverständlich" zu behaupten, es gäbe einen "freien Willen" jenseits der neurobiologischen, "natürlich" determinierten Abläufe. Woher dieser kommen soll und wie er in die neuralen Vorgänge eingreifen soll erklärt er nicht - offenbar hält er das für trivial? Es wäre wirklich interessant, wie, wann und wo so ein freier Wille - jenseits aller natürlichen Determination, ja jenseits natürlicher Vorgänge überhaupt! - nach Meinung von Herrn Kaeser im Laufe unserer Evolutionsgeschichte entstanden sein soll. Hat seiner Meinung nach auch ein Menschenaffe auch einen indeterminierten, freien Willen? Ein Hase? Eine Amöbe? Haben gar ein Stück RNA oder DNA - sich replizierdende Moleküle, die Grundbausteine des Lebens also - einen freien Willen? Aber mit der Wissenschaft scheint der Autor ja generell nicht ganz klarzukommen.

Seine durchscheinende Einstellung, dass Wissenschaft gut und recht ist solange sie Autos, Medikamente und elektrische Zahbürsten hervorbringt, dass die Wissenschaftler aber plötzlich als "fundementalistisch", "unreflektiert naturalistisch", etc. bezeichnet werden sobald sie etwas verstörendes (und hochinteressantes!) über unsere eigene Existenz oder die Wirklichkeit generell herausfinden, scheint mir äusserst bedenklich.

Selbstverständlich gibt es nach wie vor gute Gründe für Strafen und Massnahmen: Spezialprävention, Generalprävention, Wahrung des Rechtsfriedens, Sicherung, Therapie zur Verminderung des Risikos einer widerholten Tat. Aber "Schuld"? Schuld in dem Sinne wie die Strafrechtsdogmatik sie versteht, Schuld im kantianischen Sinne, existiert nun mal nicht. Die Strafrechtler und Philosophen würden besser daran tun, ihren Überlegungen künftig die Wirklichkeit zugrunde zu legen, statt sich mit Händen und Füssen dagegen zu wehren. Irgendwann werden sie sonst unweigerlich von ihr eingeholt.

Antwort auf diesen Diskussionsbeitrag
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Re: Im Zweifel OHNE Gehirn. (mrw)


Am 13.05.2008 14:45 schrieb mrw:

Guter Leserbrief!

Das Kapitel «Neuer Zauber» ist total daneben, der Rest ist soso-lala. Insgesamt erstaunt mich, wie er einerseits zugeben muss, dass vom freien Willen nicht viel übrig bleibt, sich aber windet, weil er vom alten Schuldbegriff nicht lassen will. Der Artikel ist wortreich aber inhaltsleer.

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