Atheismus in der Schweiz
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Re: Was ist ein Jude [Re: Kommunismus und (Juden-/) Christentum [Re: Wie kann man denken das Gott nicht lebt?]] (mrw)

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Diskussionsbeitrag:

Am 18.09.2008 07:59 schrieb mrw:

Am 17.09.2008 16:50 schrieb hans:
Wenn ich Deinen apodiktischen Beitrag richtig auffasse, dann kann man […] die Weltanschauungen und Gesinnungen wechseln wie die Hosen.

Korrekt. Selbstverständlich nicht wie Hosen, Dein polemischer Vergleich greift da nicht, aber man kann.

Eine Weltanschauung ist eine Frage der Überzeugung. Eine Religion kann ein optionaler Teil einer Weltanschauung sein. Eine Überzeugung kann man selbstverständlich ändern. Vor allem wir man nicht mit einer Überzeugung geboren, sondern sie entwickelt sich. Eine einmal ausgebildete Weltanschauung, die in der Regel irgendwann in der Adoleszenz abgeschlossen wird, ändert sich danach selten, aber auch das ist möglich. Seine Überzeugung kann man auch dann ändern, wenn neue Tatsachen, neue Perspektiven oder neue Beurteilungen ins Spiel kommen. Hierbei gibt es zum einen die Möglichkeit, dass eine bereits gefasste Weltanschauung noch weiter reift, oder aber dass sie ganz gewechselt wird.

Wenn ich mir vornehme, dass ich ab heute Engländer zu sein habe, dann brauche ich wohl auch nur noch englisch sprechen und schon ist der Fall erledigt.

Du weisst selbst, dass dieses Beispiel unpassend ist, also warum bringst Du es?

Es geht, aber auch hier wieder, natürlich nicht so einfach, wie Du polemisierst.

Du kannst in England leben, und Dich dort einbürgern lassen, dann bist Engländer. Dabei sollte geprüft werden, ob Du Dich gut in die englische Gesellschaft integriert hast. Einfach nur noch englisch sprechen genügt natürlich nicht.

Dass ich mit der deutschen Sprache und mit der gesamten deutschen Kultur aufgewachsen bin und mein Weltbild von dieser Kultur geprägt wurde, spielt dann keine Rolle mehr.

Das bestreite ich nicht. Das hat auf die Weltanschauung ganz sicher einen Einfluss, aber es heisst nicht, dass ein Mensch deshalb die Weltanschauung seines Elternhauses übernehmen muss. Oft ist es der Fall, aber sehr oft entwickelt der Mensch im Laufe seines Lebens mit seinen eigenen Erfahrungen seine eigenen Ansichten. Die Wurzeln bestimmen dann nur noch, womit sich dieser Mensch am besten auskennt und auseinandergesetzt hat, aber sie haben nichts mehr mit seinen eigenen Überzeugungen zu tun.

Ich bin nicht so dumm, zu glauben, daß man nur wenn man seinen deutschen Pass wegwirft, automatisch auch sein kulturelles und nationales Erbe verliert.

Darum ist ein Nationalitätswechsel auch prinzipiell schwieriger und unvollständiger, als ein Wechsel der Weltanschauung. Dabei spielt es aber auch eine Rolle, ob man die Nationalität innerhalb des eigenen Kulturkreises wechselt, oder ob man weiter geht.

Noch schwieriger, aber auch nicht unmöglich, ist ein Geschlechtswechsel.

Karl Marx hat das schon in frühen Jahren erkannt. Hier noch ein Zitat von ihm:
«Das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen Individuum innewohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse.»

Das ist korrekt, das bestreite ich nicht. Selbstverständlich beeinflusst die Gesellschaft das Individuum, aber sie bestimmt es nicht.

Anders ausgedrückt, in der Weltanschauung kann die Herkunft den Weg bestimmen, aber nicht (oder nur sehr eingeschränkt) das Ziel.


Konkretes Beispiel: Ich bin Atheist und kein Christ, obschon ich in einem christlichen Elternhaus geboren wurde. Wäre ich nicht in einem christlichen Elternhaus geboren, hätte ich mich nie so intensiv mit Religion auseinandergesetzt und atheismus.ch wäre nicht entstanden. Wahrscheinlich wäre ich trotzdem Atheist, aber Religion wäre mir vermutlich einfach egal, so wie vielen anderen, die sich nicht um solche Fragen kümmern. Weiter wurde atheismus.ch beeinflusst durch die Tatsache, dass Religion noch einen starken Einfluss auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft hat. Wäre dem nicht so, müsste man dem nicht entgegenhalten.

Antwort auf diesen Diskussionsbeitrag
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Re: Was ist ein Jude [ Re: Kommunismus und (Juden-/) Christentum [ Re: Wie kann man denken das Gott nicht lebt? ] ] (hans)


Am 18.09.2008 18:58 schrieb hans:

Hallo mrw, es ist nach Deinen Worten einerseits "Korrekt", wenn ich Dich frage, ob man die Weltanschauung wechseln kann wie die Hosen und gleichzeitig polemisiere ich, wenn ich Deine Ansichten so auf den Punkt bringe. Ja was denn nun genau? Die Religion, die einen bedeutenden Teil unserer Kultur ausmacht, kann man nicht einfach so ablegen, auch und gerade wenn man sich als Atheist bezeichnet. Du wirst doch wohl nicht bestreiten wollen, daß der europäische Atheismus in der Auseinandersetzung mit dem Christentum entstanden ist, und nicht im Konflikt mit dem Hinduismus oder Buddhismus. Selbst als Atheist, kann ich doch die Leistungen in der Malerei, Literatur, Philosophie, Bildhauerei und Politik nicht leugnen, die das Christentum gebracht haben. Ausgerechnet als aufgeklärter Atheist, muß man doch den jüdischen Beitrag zu schätzen wissen, den Leute wie Heine, Mendelssohn oder Marx und Freud hier erbracht haben. Freidenkerverbände und die SPD verdanken ihren jüdischen Gründungsmitgliedern und Kämpfern ungemein viel. Ein Nationalitätswechsel ist doch heute nur noch eine bürokratische Angelegenheit.

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