Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Naher Osten und [Re: Ödipus und die Griechen, Integration von Fremden] (mrw)

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Diskussionsbeitrag:

Am 21.09.2008 11:16 schrieb mrw:

Am 20.09.2008 20:25 schrieb hans:
Was Ödipus angeht, so bleibt er immer aktuell; man denke nur an die neuesten Theorien der Neurobiologie. Auch hier stellt sich ja wieder die alte Frage, ob wir der Herr im eigenen Haus sind.

Klar ist das interessant. Das bestreite ich auch nicht. Ich schrieb nur, dass Ödipus nicht dafür sprichwörtlich wurde, sondern für die Mutter-Kind-Beziehung.

Eigentlich sind es zwei unabhängige Fragen:

  • Wie unabhängig sind wir in unserm Wollen und Tun? Sind wir Herr im eigenen Haus?
  • Beherrschen wir das Schicksal oder beherrscht das Schicksal uns? Leben wir in einem streng deterministischen Universum, oder gibt es echten Zufall?

Nur die zweite Frage wird in Ödipus behandelt, Du aber beziehst Dich auf die erste. Das ist unpassend.

Wirklich beantwortet werden beide Fragen nicht von der Kultur, der Literatur, der Filosofie, sondern ausschliesslich von der Naturwissenschaft. Das bestätigst auch Du, indem Du auf die aktuellen Erkenntnisse der Neurobiologie verweist. Wenn, dann kommen Antworten von dort. Alles andere ist pure Mutmassung und Spekulation, nicht mehr als Meinungsäusserung. Das heisst nicht, dass die Spekulationen notwendigerweise falsch sein müssen. Schopenhauer hat wohl die Wahrheit ziemlich genau auf den Punkt getroffen, als er schrieb, dass der Mensch zwar tun könne, was er wolle, aber nicht bestimmen, was er wolle.

Die zweite Frage ist mittlerweile beantwortet. Lange Zeit dachte man, das Universum sei deterministisch, man müsse nur Position und Impuls eines jeden Teilchens kennen, und könne dann den weiteren Verlauf des Geschehens errechnen. Seit knapp hundert Jahren wissen wir, dass es im Bereich der Quanten echten Zufall gibt. Ungeklärt ist, wie sich das auf das makroskopische Universum auswirkt. Insofern ist Ödipus' strenger Determinismus widerlegt.

Was aber den «reinen» Mythos betrifft, so wurde er doch schon in der Antike unterschiedlich erzählt und interpretiert und das soll sich auch aus meiner Sicht nie ändern.

Was Deine Theorie von der unbedingten Notwendigkeit des Mythos genauso widerlegt, wie Deine Theorie von der Unabänderbarkeit bestehender Prägungen.

Wenn ich mich nicht täusche, dann hat Ranke-Graves in der Mutter von Ödipus die Priesterin der Grossen Göttin gesehen.

Ich kenne Ranke-Graves nicht, aber bei Sofokles war die Mutter (Hohe-) Priesterin.

Was Israel und Deine Argumente über die «eigentlichen» Besitzer dieses Gebietes angeht, so zeigen die Dich nicht gerade von Deiner besten Seite.

Du brauchst nicht persönlich zu werden, Du solltest lieber etwas genauer nachdenken. Wie kommt es, dass die meisten Europäer voll hinter dem Dalai Lama stehen, der eigentlich ein Symbol des alten, grausamen, unterdrückenden und unmenschlichen Tibets ist, und die Chinesen als unrechtmässige Invasoren betrachen, während oft dieselben Menschen Israel als rechtmässige Herrscher über Palestina betrachten? Beide Okkupationen liegen nur fünfzig Jahre zurück, werden aber total unterschiedlich bewertet. Auch Du erliegst offenbar dieser selektiven Blindheit.

Wenn wir aber Deine Vorgabe zur Regel machen würden, dann müssten alle weissen und schwarzen US-Amerikaner sofort das Land verlassen und wir müssten halb Mittel-und Südamerika entvölkern.

Das wäre ein grosser Vorschritt und daher sehr zu begrüssen. Allerdings wäre dann zu befürchten, dass diese primitiven Hohlköpfe1) zu uns zurückkämen, was auch nicht gerade wünschenswert ist.

Fakt ist, dass auch in Amerika die Indianer die rechtmässigen Herren wären, und ihnen Land und Leben geraubt wurde. An und für sich wäre das kein Problem mehr, da es vor langer Zeit stattfand, wenn sich die Völker vermischt hätten, und nicht heute noch die Nachkommen der Ureinwohner darunter leiden würden, genauso übrigens wie die Nachkommen der geraubten Sklaven. Gegenüber beiden Völkern steht die weisse Bevölkerung in der Wiedergutmachungspflicht und sollte entsprechend grosszügig und zügig begangenes Unrecht, soweit noch möglich, wieder ausgleichen und zumindest bestehende Benachteiligungen aufheben, sowie den benachteiligten Völkern eine angemessene Beteiligung auf höchster Regierungsebene zugestehen, und sei dies durch eine Quotenregelung. Das Hauptproblem aber besteht im Rassismus, der eben genau solche Benachteiligungen erhält und eine gesunde Durchmischung verunmöglicht. Dieser noch immer vorhandene Rassismus, sowie die Separation der Bevölkerung in Reservate, Ghettos, «weisse-» und «schwarze» Wohnquartiere müsste bekämpft werden.

Aber weil es so schön ist, laß uns gleich noch einen drauflegen. Raus mit den Weissen aus Südafrika, Namibia und Simbabwe.

Ja. Auch hier gilt dasselbe, wie für Amerika. Die Bleichgesichter müssten sich zumindest aufführen wie Gäste, nicht wie Herren, im Bewusstsein, dass ihre Existenz auf einem Unrecht beruht, das zumindest beseitigt werden sollte.

Wir müssten die halbe Welt entvölkern und danach wären wir immer noch nicht besser dran. Raus mit dem Homo Sapiens aus Europa!!! Der Neandertaler war zuerst hier!! Oder gar der Homo Erectus?!

Die Frage, die ich stelle ist vielmehr: Leidet die Urbevölkerung heute noch unter früher begangenem Unrecht? Wenn das der Fall ist, dann besteht dringender Handlungsbedarf!

Dieser besteht durchaus in Afrika und Amerika, genauso wie in Israel, ja sogar in Europa, in Nordirland. Auch in Nordirland ist das Problem die Religion! Wo die Religion oder Rassismus keine Rolle spielen, vermischen sich die Völker, und schon nach wenigen Generationen gibt es keine Unterschiede mehr.

Ob man nun die Juden wieder aus Palestina entfernen müsste, lasse ich mal offen. Tatsache ist, dass ihre Anwesenheit ein Problem ist, das gelöst werden muss, und dass tatsächlich die vertriebenen Palestinenser die rechtmässigen Eigentümer wären. Eine einzig vernünftige Alternative wäre das, wogegen Du Dich gewandt hast: Die vollkommene Gleichberechtigung zwischen Palestinensern und Juden in Israel, sowie eine Regierung, in der beide Parteien jeweils zur Hälfte vertreten sind. Dann soll man dafür sorgen, dass sich die Bevölkerungen annähern: Beide Amtssprachen als Pflichtfach in der Schule, ein Antirassismusgesetz, dass z.B. verhindert, dass Angehörige der einen Volksgruppe Siedlungen errichtet, die der jeweils anderen nicht zugänglich sind, etc..

Aber eine Zweistaatenlösung, in der die Einen total verarmt auf zwei dünne, geografisch weit getrennte Landstriche verdrängt werden, kann niemals einen dauerhaften Frieden bringen, selbst wenn man diese ernsthaft umsetzen würde.

Oder wie siehst Du eine vernünftige Lösung im Nahen Osten?

Aber kommen wir jetzt zu Deinen Prägungen, die Du angeblich losgeworden bist.

Ich habe mich nur von den Prägungen befreit, die ich als «falsch» beurteilt habe. Und das war bei mir das Christentum.

ausserdem, möchte ich Dir fast unterstellen wollen, dass du vermutlich nicht wie ein Himba, ein Eipo oder ein Buschmann rumläufst.

Ich nicht. Aber andere tun solche Sachen. Es gibt durchaus auch Europäer, die irgendwo in ein indisches Kloster ziehen, oder die sich in Afrika unter Buschleute mischen.

Du solltest nicht immer von Dir auf alle anderen schliessen. Damit engst Du das Spektrum unzulässig ein und schliesst Dinge aus, die durchaus möglich sind.

Du hattest behauptet, dass man Prägungen nicht ablegen kann, und diese Aussage ist nachweislich falsch. Es wäre nett, wenn Du das endlich zugestehen würdest.

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1) Wie anders soll man ein Volk nennen, das zu grossen Teilen absolute Vollidioten wie Bush oder Palin unterstützt?
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