Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: Naher Osten und [Re: Ödipus und die Griechen, Integration von Fremden] (mrw)

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Diskussionsbeitrag:

Am 21.09.2008 18:17 schrieb mrw:

Am 21.09.2008 16:08 schrieb gwendolan:
Mrw, deine Ausführungen in dieser Richtung halte ich - pardon - für blanken Unsinn. "Rechtmässige Herren" sind die Menschen über gar nichts, schon gar nicht einzelne Gruppen abhängig von ihrer Abstammung.

Ja, Gwendolan, Du hast natürlich vollkommen recht, und meine Formulierung ist unglücklich gewählt.

Die Bleichgesichter in Amerika und Afrika, aber auch die Juden in Israel führen sich auf, als wären sie die Herren über die ursprünglich dort ansässige Bevölkerung. Auf diesen Missstand wollte ich hinweisen, als ich schrieb, die eigentlichen Herren seien die jeweils anderen. Natürlich soll nicht der eine über den anderen herrschen. Aber genau genommen wäre es an den Indianern, Negern oder Palestinenser gewesen, über die Zuwanderung in ihr Land zu bestimmen, wenigstens nach heutiger Rechtsvorstellung, die zumindest zur Zeit der Gründung Israels eigentlich auch schon gegolten hätten.

Es wären in allen drei Konfliktgebieten an der Zeit, nach Lösungen zu suchen, die von der aktuellen Realität ausgehend bestehende Ungerechtigkeiten korrigieren und eine für alle Seiten Situation schaffen. Dabei sind in allen drei Konfliktregionen die aktuellen Machthaber in der Pflicht, und das sind (ausser in Simbabwe und Südafrika) die Nachfahren der Eindringlinge.

Freiwillige und unfreiwillige Völkerwanderungen sind das normalste der Welt, so etwas gibt es bei allen anderen Tieren auch.

Beinahe. Was in Israel gemacht wurde, ist einmalig. So etwas gab es noch nie. Da wurde ein ungeliebtes «Volk» von einem Ort gewaltsam für die Zielbevölkerung, aber auf eigenen Wunsch, an einen anderen Ort deportiert, den angeblich irgendwelche Vorfahren vor über tausend Jahren verlassen haben sollen, und dabei wurde es von denen sekundiert, die es loswerden wollten.

Ein Mensch ist - wenn überhaupt - rechtmässiger Herr über das Fleckchen Land, auf dem er geboren ist, unabhängig davon wo seine Vorfahren irgendwann mal hergekommen sind.

Oder den er vom rechtmässigen Besitzer rechtmässig erworben hat.

In der Praxis schaffen Zeit und Tatsachen neues Recht. Aber wenn auch nach einiger Zeit noch Menschen unter dem Unrecht leiden, das einst geschehen ist, dann sind die Nachfahren der Okupatoren schon in der Pflicht, hier Abhilfe und Gerechtigkeit zu schaffen.

Sonst müsstest du konsequenterweise alle Menschen nach Afrika zurückschicken, wo wir doch ursprünglich alle unsere Reise dort gestartet haben.

Nur weil man das früher so gelöst hat, Länder besetzt und angeeignet, oder weil man früher einfach irgendwo eingedrungen ist, heisst das noch lange nicht, dass man das immer noch so tun soll. Die Menschheit hat sich zum Glück weiter entwickelt und Krieg wird nicht mehr so gern und selbstverständlich gesehen, wie einst. Aber wenn wir bestehende Krisen meistern wollen, dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, aus welchem Unrecht sie einst entstanden sind.

Anders gesagt: Niemand begeht ein Unrecht, indem er da lebt, wo er geboren wurde.

Eine solche Form der Sippenhaft lehne ich auch ab. Aber in der Vergangenheit begangenes Unrecht muss trotzdem von den Nachfahren wieder gut gemacht werden, wenn es noch bleibende Schäden gibt.

Das Unrecht besteht - wenn schon - allein darin, dass die Unterdrückung fortgesetzt wird. Was aber m.E. ein anderes Problem ist.

Eigentlich ist es dasselbe, wie ich sagen will, nur anders formuliert.

In Amerika ist es übrigens inzwischen so, dass die "Indianer" nicht mehr ihrer Abstammung wegen leiden, im Gegenteil: Im Rahmen der "Wiedergutmachung" wurde ihnen in ihren Reservaten ein gewisses Mass an Autonomie zugebilligt; viele "Stämme" sind ziemlich reich geworden in den letzten Jahrzehnten, weil sie in ihren autonomen Territorien eine sehr liberale Glückspielpolitik betreiben und jeder Angehörige ihres Stammes Anteile an den gemeinsamen Casinos kriegt. In Iowa z.B. werden heute die Indianer von den weissen Bauern um ihren Reichtum regelrecht benitten.

Dann nehme ich das als gutes Beispiel zu Kenntnis. Wobei es schon wieder problematisch wird, wenn daraus neue Ungleichheit und Neid entstehen.

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