Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: Anfang (mrw)

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Diskussionsbeitrag:

Am 14.02.2008 15:46 schrieb mrw:

Am 14.02.2008 12:22 schrieb bwk:
Der Anfang, ist ein kleiner Teufelskreis: War am Anfang nichts, woraus sind wir den entstanden? (nichts gibt nicht etwas) War am Anfang etwas, woraus der Urknall entstand, woher käme das denn? Genau so gut (oder besser) könnte man auch sagen, am Anfang war Gott.

Weder «genauso gut» und schon gar nicht «besser», weil die Antwort «Gott» in keinster Weise befriedigen kann.

Zum einen ist die Antwort überkompliziert, sie gehorcht nicht Ockhams Rasiermesser. Ein Gott ist schlicht nicht notwendig, um den Anfang zu markieren, und wenn man einen Gott einfügt, erklärt das kein bisschen mehr, als wenn man Gott einfach weg lässt. Damit ist «Gott» als Erklärung vollkommen überflüssig, sie bringt nichts.

Es ist im Prinzip dasselbe, wie wenn einer behauptet, Blitze würden von einem zornigen Gott auf die Erde geschleudert. Die Blitze können genauso gut elektrische Entladungen sein, ohne dass ein Gott dahinter stehen muss. Die Einführung eines Gottes bringt nichts, Gott ist in dieser Erklärung überflüssig. Genauso ist es mit dem Gott am Anfang des Universums. Der einzige Unterschied ist dass die Elektrizität genug weit erforscht ist, dass die meisten sofort einsehen, dass die Erklärung mit Gott Unsinn ist. Wenn es um den Beginn des Universums geht, ist die Erkenntnis der meisten Menschen noch nicht so weit, es ist aber im Prinzip dasselbe.

Ein Gott am Anfang wirft mehr Fragen auf, als er beantworten kann: Was für ein Gott? Woher kommt er? Wieso steht er am Anfang? Wie kommt es, dass bereits zu Beginn Intelligenz da war? Woher kommt diese Intelligenz? Was kann Gott? Was sind die Eigenschaften dieses Gottes? War er allein oder gab es andere Götter? Was geschah mit den anderen? Was tat Gott, bevor er unser Universum schuf? Wer hat Gott erschaffen? Wo ist Gott geblieben? Warum sehen wir diesen Gott heute nicht mehr? Warum gibt es so viele verschiedene Religionen, wenn es doch nur einen Gott gibt? - Eine Pseudoantwort, die nur eine riesige Menge neuer Fragen aufwirft, ist nutzlos.

Ein weiterer Punkt ist, dass die Erfindung eines Gottes am Anfang ein Akt reiner Willkür ist. Wieso stellst Du an den Beginn einen Gott, nicht etwas anderes? Am Anfang könnte ein Einhorn stehen, das Universum entstand dann in einer Träne, die das Einhorn aus Einsamkeit vergoss. Diese Erklärung ist genauso gut, oder besser gesagt genauso schlecht, wie die Erklärung mit Gott. Wenn Du an Gott glaubst, musst Du auch an mein Einhorn glauben und an das fliegende Spaghettimonster.

Der einzige Grund, warum Du einen Gott an den Anfang stellen willst, und zwar nicht einen, sondern den christlichen, ist weil Du entsprechend geprägt bist. Du bist mit dem Christentum aufgewachsen und in das Christentum hineingewachsen. Darum übernimmst Du diese Konzepte völlig unkritisch. Eine der ersten Fragen, die ich mir gestellt habe und die mich zum Atheisten gemacht haben, war: Warum soll die Religion, in die ich hineingeboren wurde, besser sein, als alle anderen. Die Antwort auf diese Frage war: Jede Religion ist genau gleich willkürlich und damit mit grösster Wahrscheinlichkeit falsch. Es sind eben nicht nur alle anderen Religionen falsch, ausser der eigenen, es sind vielmehr alle Religionen falsch, inklusive der eigenen. Die einzige Chance, die wir Menschen haben, an die Wahrheit heranzukommen, ist die, unsere Umgebung zu erforschen, Fragen zu stellen und Antworten zu suchen. Dafür braucht es feste Regeln, nach denen die Antworten gewertet werden können. Genau das leistet die Wissenschaft – und nur die Wissenschaft.

Nun kommt die Frage, woher kommt denn Gott? Diese Frage werden wir wohl nie beantworten können, ausser wir "Glauben" es war von Anfang da.

Aber dann können wir genauso gut glauben, dass am Anfang nichts war, oder eine Quantenursuppe. Diese Erklärung bringt uns weniger in Nöte, als die Erklärung mit Gott, die tausende neuer unbeantwortbarer Fragen aufwirft.

Es ist vollkommen absurd: Da beschwerst Du Dich, dass plötzlich aus dem Nichts ein Universum auftaucht, aber andererseits glaubst Du einfach so, dass ein Gott schon immer da war. Was mich an den Christen am meisten stört: Sie sind extrem kritisch gegenüber unchristlichen Ideen, aber ihre christlichen Ideen stellen sie nicht in Frage. Würden die Christen das Christentum und die Bibel gegenüber genauso kritisch hinterfragen, wie sie z.B. die Evolutionstheorie oder unsere atheistischen Ansichten hinterfragen, so wären sie längst keine Christen mehr! Das Christentum wird völlig unkritisch einfach geglaubt. Mit welchem Recht «glaubt» Ihr dann nicht einfach irgendetwas anderes? Glaubt an das Spaghettimonster! Glaubt an den Weltfrieden! Glaubt an den Mann im Mond! Glaubt an den Kapitalismus! Glaubt an den Buddhismus! Ihr habt keine Rechtfertigung, das eine zu glauben und das andere nicht!

«Glaube» ist das schlechteste Konzept, das es gibt, denn «Glaube» beruht auf Unwissenheit, Vermutung. «Glaube» ist pure Willkür! Ein Gott, der von seinen Anhängern «Glaube» verlangt ist entweder ein sehr dummer Gott, oder ein sehr hinterhältiger.

Am 14.02.2008 13:33 schrieb gwendolan:
Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten:
Das Universum existiert schon immer in der einen oder anderen Form - dann ist ein Schöpfergott nicht möglich.
Oder aber das Universum hatte einen Anfang. Dann ist zwangsläufig irgendwann irgendetwas aus dem Nichts entstanden. Und es ist viel wahrscheinlicher, dass aus dem Nichts ein rudimentäres Universum entsteht, als dass daraus ein hochkomplexer Schöpfergott entspringt, welcher dann das Universum erschafft.

Dem stimme ich zu.

Deine Aussage, "nichts gibt nicht etwas" besitzt überigens noch nicht einmal innerhalb unseres Universums Gültikkeit - Stichwort Quantenfluktuation. Mit dem Wort Quanten- oder Vakuumfluktuation wird das Phänomen beschrieben, dass im leeren Raum ständig neue Teilchen aus dem Nichts entstehen und wieder dazu zerfallen.

Auch das ist korrekt. Wenn wir näher an die Antwort auf die Frage nach dem Ursprung kommen wollen, führt der einzige Weg über die Wissenschaft. Vermutlich werden wir die Antwort irgendwo in der wunderbaren Welt der Quanten finden. Möglicherweise kann die weltweit gesuchte «Theorie von allem» hier eine Antwort geben. Jedenfalls macht gerade jetzt die Fysik in diesem Bereich gewaltige Fortschritte und entdeckt andauernd neues. Wir leben in einer sehr spannenden Zeit.

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Quantenfluktuation (bwk)


Am 14.02.2008 18:58 schrieb bwk:

Dieses Thema ist sehr spannen, und noch lange nicht zu Ende erforscht. Das Thema besagt, das aus nichts etwas entsteht. Doch dem ist nicht so. Was ihr nicht miteinbezogen habt sind die Dimensionen. Es gibt nicht nur die 3,4 Dimensionen. Es gibt viele mehr. Deshalb kann ein Qantenteilchen von einer Dimension in eine Andere "springen). Da wir nicht alle Dimensionen sehen/erkennen, sieht es so aus, dass aus nichts etwas entsteht. Doch es war schon vorher da, einfach in einer anderen Dimension.

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Re: Anfang (bwk)


Am 14.02.2008 19:01 schrieb bwk:

Am 14.02.2008 12:22 schrieb bwk:
Der Anfang, ist ein kleiner Teufelskreis: War am Anfang nichts, woraus sind wir den entstanden? >(nichts gibt nicht etwas) War am Anfang etwas, woraus der Urknall entstand, woher käme das denn? >Genau so gut (oder besser) könnte man auch sagen, am Anfang war Gott.

Was ich damit sagen wollte, war: Wir können den Anfang nicht erforschen. Denn sobald wir eine erkenntniss haben, woraus er entstand, ist wiederum die Frage woher kamm das, woraus es entstand… Es geht weiter und weiter und weiter. Wir werden nie am Anfang sein, ausser wir akzeptieren, dass am Anfang etwas war.

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Der wahre Glauben (bwk)


Am 14.02.2008 19:06 schrieb bwk:

Der einzige Grund, warum Du einen Gott an den Anfang stellen willst, und zwar nicht einen, >sondern den christlichen, ist weil Du entsprechend geprägt bist.

Jeder wird geprägt, mit oder ohne Glauben.

Du bist mit dem Christentum aufgewachsen und in das Christentum hineingewachsen. Darum >übernimmst Du diese Konzepte völlig unkritisch. Eine der ersten Fragen, die ich mir gestellt >habe und die mich zum Atheisten gemacht haben, war: Warum soll die Religion, in die ich >hineingeboren wurde, besser sein, als alle anderen.

Das liegt eventuell daran, das es der richtige Glaube war. Soweit ich weiss, bist du auch im christlichen Glauben aufgewachsen, deshalb bekämmpfst du ihn jetzt so stark.

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