Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Die interessante Frage (mrw)

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Diskussionsbeitrag:

Am 19.02.2008 18:27 schrieb mrw:

Die interessante Frage

Am 14.02.2008 12:22 schrieb bwk:
Der Anfang, ist ein kleiner Teufelskreis:
War am Anfang nichts, woraus sind wir den entstanden? (nichts gibt nicht etwas)

Die wirklich interessante Frage meines Erachtens ist:

«Warum gibt es überhaupt irgendetwas und nicht nichts?»

Beantworte bitte diese Frage.

Warum gibt es Raum und Zeit? Das ist meines Erachtens völlig unlogisch.

Falls es einen Gott gibt: Warum gibt es einen Gott und nicht einfach «nichts»? Das ist genauso unlogisch, wie es unlogisch ist, dass es Raum und Zeit gibt.

«Gott» bringt nur ein zusätzliches, noch viel unlogischeres Element ins Spiel, beantwortet aber nichts. «Gott» ist nur eine zusätzliche grosse Frage, aber keine Antwort, keine Erklärung!

Ursache und Wirkung gelten nicht

War am Anfang etwas, woraus der Urknall entstand, woher käme das denn?

Wenn es keine Zeit und keinen Raum gibt, ist die Frage nach dem woher obsolet. Ohne Zeit gibt es kein Prinzip von Ursache und Wirkung mehr. Unsere klassische Denkweise funktioniert dann nicht mehr.

Die Vorstellung «Gott» ist aber eine Erfindung unserer klassischen Denkweise: Sie entspricht der Vorstellung, dass jede Wirkung eine Ursache haben muss. Diese Vorstellung ist aus zwei Gründen falsch: Erstens stellt man sich Gott selbst als «ursachenlos» vor, als «erste Ursache», die selbst nicht verursacht ist. Damit bricht man genau das Prinzip von Ursache und Wirkung, also das Prinzip, weshalb man «Gott» als Erklärung eingeführt hat. Der zweite Fehler ist der, dass man aus dem Prinzip von Ursache und Wirkung, wie es heute herrscht, zurückschliesst auf den Ursprung des Seins. Das ist darum falsch, weil zu jenem Zeitpunkt ganz andere Bedingungen und damit andere gesetze herrschten. Man müsste somit zuerst untersuchen, ob das Prinzip von Ursache und Wirkung überhaupt auf den Ursprung des Seins anwendbar ist. Die Antwort der modernen Fysik ist hier ein klares «Nein!» Weil Zeit und Raum erst mit dem Urknall entstanden, gelten die bekannten Naturgesetze davor nicht. Man muss neue Modelle erarbeiten, aus denen man die Gesetze ableiten kann, die zu jenem Zeitpunkt galten.

Weil die Voraussetzungen falsch sind, unter denen «Gott» als Erklärungsmodell eingeführt wurde, ist somit auch «Gott» als Erklärung falsch.

Falsche Schlüsse

Die Christen ziehen immer wieder falsche Schlüsse. Angenommen man könnte beweisen, dass die Welt von einem Gott erschaffen worden wäre, so gingen die Christen damit automatisch davon aus, dass sie recht hätten. Dieser Rückschluss wäre aber total falsch. Damit wäre nur bewiesen, dass es einen Schöpfergott gäbe, nichts weiter. Das Christentum ist nur eine von vielen Religionen, die eine Schöpfung kennen. Es wäre dann nichteinmal gesagt, dass irgendeine Religion mit Schöpfung zutreffen würde.

Um korrekt zu sein, muss man jeden einzelnen Punkt einer Religion, in diesem Fall jede einzelne Aussage des Christentums separat prüfen und separat beweisen.

Mit genau solcher Akribie geht die Wissenschaft in ihrer Methode vor: Jeder einzelne Punkt, jede einzelne Aussage wird separat in Farge gestellt und separat bewiesen. Genau darum ist die Wissenschaft glaubwürdig und nachvollziehbar, ganz im Gegensatz zu Religion. Um gerecht zu sein, muss man aber von der Religion dasselbe fordern und dieselben hohen Ansprüche an sie stellen, wie sie an die Wissenschaft gestellt, und von der Wissenschaft auch erfüllt werden.

Darum ist es auch so unverständlich, weshalb sich manche Christen so vehement gegen die wissenschaftlich unumstrittene Tatsache der Evolution wehren. Diese glauben in ihrem Wahn, sie hätten das Christentum bewiesen, wenn sie die Evolution stürzen könnten. Das ist aber bei weitem nicht der Fall, da noch viel mehr als nur die Evolution gegen das Christentum spricht.

Einigkeit

Einig sind wir uns wohl alle darin, dass wir (zum jetzigen Zeitpunkt) kaum Aussagen über den Anfang des Seins machen können. Jede Hypothese ist nicht mehr, als eine Hypothese.

Ich hoffe wir sind uns auch darin einig, dass die einzige Möglichkeit, mehr über den Ursprung des Seins zu erfahren, der Weg der Wissenschaft ist. Nur mit neuen Forschungsresultaten und neuen Modellen ist es überhaupt möglich, hier irgendwelche Aussagen zu machen.

Ganz dumm ist es hingegen, wenn man sein Leben auf einer Hypothese basiert. Alles was wir über den Anfang sagen, ist reine Spekulation, und Spekulation ist ein denkbar schlechtes Fundament, um sein Leben zu gestalten!

Also sollten wir dieses Thema als vorläufig für uns unbeantwortbar so stehen lassen. Einen «Gott» kann man damit keinesfalls einführen, und alles andere ist pure Spekulation. Es gibt genug handfesteres, das wir diskutieren können.

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