Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Die "Bibel" des Atheismus (mike fuco)

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Diskussionsbeitrag:

Am 16.01.2006 13:32 schrieb mike fuco:

Ich finde es grundsätzlich gut, dass das Schulfach biblische Geschichte erweitert wurde zur Religionskunde: Die Kenntnis des Christentums gehört zur kulturellen Bildung. Aber auch die Grundzüge des Islam, Buddhismus, Hinduismus sollen gelehrt werden. Ein grosser Mangel ist die Ignorierung des philosophischen Atheismus. Ein grosser Teil der Menschen glaubt nicht (mehr) an Gott im religiösen Sinn. Sie haben nur diffuse Vorstellungen von Gott. Sie wissen nicht oder kaum, dass sich kompetente Denker fundiert im a-theologischen Sinn Gedanken gemacht haben. Entsprechende Werke wurde bis ins 20 Jh. durch die Kirchen unterdrückt. Auch wurde Atheismus mit Kommunismus in Verbindung gebracht und diskreditiert. Die Mangel an Kenntnissen des philosophischen Atheismus ist ekklatant. Klar kann man die 'richtigen' Bücher lesen, aber diese sind dünn gesäht. Erbauungsbücher aller Art gibt es massenhaft. Gute Info zum Atheismus ist selten. Klar gibt es kirchenkritische Bücher. Der Atheismus muss sich aber nicht negativ definieren, sondern kann das aus sich selber heraus tun. Leider gibt es keinen einfachen Lehrgang über Atheismus wie etwa Alfalife-Kurse der Evangelikalen oder "Glauben 12" Kurse der evangelischen Landeskirchen. Jedenfalls ist mir kein solcher Kurs bekannt. Vorgänger des modernen Atheismus ist Baruch Spinoza, der eigentlich Pantheist ist ("Gott ist Natur - die Natur ist Gott" und "die Bibel ist reines Menschenwerk"). Der erste explizite Atheist ist der Arzt und Philosoph Julien de La Mettrie ("der Mensch ist eine Maschine"). La Mettrie ist Spinozismus abzüglich Gott (Einstein war übrigens Spinozist). Auf La Mettrie baut der Deutschfranzose Dietrich "Thiry" Baron D'Holbach auf mit seinem gründlichen Werk "Das System der Natur - Von den Gesetzen der Physik und der moralischen Welt" (1770, Suhrkamp stw 259). Er nimmt ausgehend vom Prinzip der Bewegung, dass die gesamte Materie (Natur) durchwirkt zu allen erdenklichen weltanschaulichen Fragen Stellung, zu einem angeblichen Schöpfer, zur Ordung, zur Intelligenz als metaphysisches Prinzip (S. Intelligent Design) zum Zufall; zur Seele und zur Spiritualität, zu den angeblich angeborenen Ideen, zur Willensfreiheit, zur Lehre der unsterblichen Seele und des ewigen Lebens, zum Tod und der Todesfurcht, zur Theologie und zur Mythologie, zu Gott und den Gottesbeweisen, zum Pantheismus, zum Deismus, zum Atheismus und ob dieser mit der Moral vereinbar sei etc. Es lohnt sich, das an sich leicht lesbare Werk von über 600 Seiten zu lesen. Holbach zeigt ein profundes Wissen der Naturwissenschaft seiner Zeit (er selber war Chemiker; sein Werk ist aber nicht naturwissenschaftlich sondern naturphilosophisch zu verstehen), der Philosophie und der Thelogie, und in den Endnoten bezeugt er ein tiefe Kenntnis der Philosophen des Altertums. Das "System der Natur" gilt wegen seiner Gründlichkeit als "Bibel des Atheismus". Das Werk von Holbach, der einem vor dem christlichen Hintergrund wirklich abholt, ist eine "Gehirnreinigung" nach 2000 Jahren Gehirnwäsche. Es enthält vieles, was man schon selber gedacht hat, aber nicht auf die Reihe kriegen konnte. Nebst Holbach ist Ludwig Feuerbach zu erwähen, "Vom Wesen des Christentums" (bei Reclam). Dieser dekonstruiert das Christentum auf alle erdenkliche Weise.

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bibel des atheismus (redbarone)


Am 17.01.2006 10:51 schrieb redbarone:

interessant was du schreibst, aber vergiss michail bakunin nicht, russischer philosoph und 'begründer' des anarchismus. zu seinen lieblingsbeschäftigungen gehörten u.a. über den staat und die religion (v.a christentum) herzuziehen. sein werk 'gott und der staat' ist sehr empfehlenswert..

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Re: Die "Bibel" des Atheismus (mike fuco)


Am 17.01.2006 15:35 schrieb mike fuco:

unter www.blog.de/motion findet ihr eine kapitelweise Zusammenfassung des Buches von D'Holbach, die bis zum Kapitel 4 gediehen ist.

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Re: Die "Bibel" des Atheismus (mrw)


Am 20.01.2006 23:59 schrieb mrw:

Religionskunde in der Schule ist fehl am Platz. Wenn schon sollte man das Fach Filosofie einführen. Religion ist nur ein kleiner Teilbereich der Filosofie. Ausserdem gibt es (oder gab es zumindest zu meiner Zeit) bereits das Fach Realien oder SWG (Staat Wirtschaft und Gesellschaft). Da passt auch mal eine Lektion über Religionen rein. Mehr braucht es gar nicht!

Was wir brauchen, um uns mit anderen Kulturen zu verständigen, ist nicht mehr, sondern weniger Religion. Religion separiert nur, sie verbindet nicht. Je mehr sich jeder auf seine eigenen «Wurzeln» zurückzieht, desto mehr entfernt er sich vom anderen. Wenn wir Ausländer integrieren wollen, müssen wir sie dazu bringen, ihre Religionen hinter sich zu lassen, statt diese noch stärker zu gewichten, als sie es in ihrer Heimat getan hätten.

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