Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: Beweggründe zu Atheismus? (mrw)

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Diskussionsbeitrag:

Am 01.12.2005 16:11 schrieb mrw:

Ich kann im Prinzip nur für mich selber sprechen: Meine Eltern sind gläubig, und so wurde ich auch aufgezogen. Als Kind glaubte ich natürlich meinen Eltern. Mit der Zeit nahmen für mich die Widersprüche im Christentum aber überhand, sodass ich nicht mehr glauben konnte.

Zu den ersten Fragen und Gründen für die Abkehr vom Christentum, die mir damals mit 13 Jahren kamen, gehörten unter anderen:

  • Der Widerspruch von der Existenz von Dinosauriern und der Schöpfung. Wenn Gott die Welt wie beschrieben geschaffen hat, hat es keine Dinosaurier gegeben. Als Kind lehnte ich daher die Existenz von Dinosauriern konsequent ab und verwies auf Adam und Eva. Mit der Zeit aber sah ich immer mehr, wie die wissenschaftliche Methode funktioniert und warum sie erfolgreich ist. Auf der anderen Seite aber basiert die Religion auf purer Behauptung. Ich gelang zur Ansicht, dass im Streit zwischen Wissenschaft und Religion die Religion immer im Unrecht sein muss.
  • Das Christentum sollte herhalten als Begründung, warum es ein Universum mit Menschen gibt, nämlich weil es von Gott geschaffen worden sei. Woher aber kommt dann Gott? Das Christentum kann diese Frage nicht beantworten. Wenn aber nicht erklärt werden kann, woher Gott kommt, oder wenn diese Erklärung lautet: «Gott hat es schon immer gegeben», dann muss man genausowenig erklären, woher das Universum kommt, oder kann sagen: «das Universum hat es schon immer gegeben.» Die Religion erklärt also in Wirklichkeit nichts, sondern fügt nur eine weitere, unnötige Zwischenstufe ein, nämlich einen Gott.
  • Die Langeweile der «Gottesdienste»: Meine Eltern sind neuapostolisch. Die «Gottestdienste» dort todlangweilig. Da wird Woche für Woche immer wieder dasselbe wiederholt. Mit dreizehn Jahren war ich soweit, dass ich ohne weiteres einen einstündigen Gottestdienst hätte abhalten können, der sich von dem der Priester und Diakone nicht unterschieden hätte. Ich hätte einfach auch dieselben leeren Frasen und Sprüche wiederholt, die ich zuvor schon tausende Male gehört hatte. Die (auch immer wieder wiederholte) stolze Aussage, dass sie ihre Predigten nicht vorzubereiten und aufzuschreiben bräuchten, wie die reformierten Pfarrer, empfand ich wie Spott und Hohn. Eine Lüge wird halt auch dadurch nicht wahr, dass sie immer wieder wiederholt wird, – aber glaubwürdiger wird sie schon. Obwohl unwahr, glauben die Leute eher etwas, was sie immer wieder gehört haben. Das ist ein wichtiger Pfeiler von Religion!
  • Es gab zwei Welten: Die Kirche, wo es Wunder, Engel, Gott und Geister gab, und die wirkliche Welt, wo es nicht die Spur eines Anzeichens für Übernatürliches gibt. Die richtige Welt läuft nach den Gesetzen der Füsik ab. Zwar gibt es viel Betrug, der übernatürliches vorgaukeln mag, aber letzlich ist's eben doch immer ein Trick, ohne echte Wunder oder Zauberei. Dieser Widerspruch wurde unhaltbar.
  • Es gibt so viele Religionen, und innerhalb der Religionen noch Abspaltungen und Sekten. Warum sollte ausgerechnet die meiner Eltern die einzig richtige sein? Und die Neuapostolen gehören zu denen, die glauben, später mal als einzige an der sogenannten «ersten Auferstehung» teilnehmen zu können. Nicht-Neuapostolen müssen da schon mindestens das jüngste Gericht abwarten. Warum also sollte ausgerechnet so eine kleine christliche Sekte als einzige im Besitz der alleinseligmachenden Wahrheit sein? Sie begründeten das natürlich stolz damit, dass sie als einzige wieder Apostel hätten, auf «Weissagungen» basieren würden und ausserdem sei der schmale Weg viel besser als die breite Strasse der dummen Mehrheit. Aber mich überzeugte das nicht mehr.

Ich betone nochmals, obiges waren meine ersten Überlegungen, als ich 13 Jahre alt war. Ich versuche sie mit meiner damaligen Sichtweise korrekt wiederzugeben. Diese, nennen wir sie Samen des Zweifels, von denen es noch weitere gab, wuchsen und vermehrten sich. Die Überlegungen von damals wurden ergänzt und verfeinert. Heute ist Religion für mich etwas vollkommen absurdes.

Weitere Erkenntnisse kamen hinzu: Glaube und Bibel sind voll von inneren und äusseren Widersprüchen. Die Bibel ist ein bluttriefendes Buch von Grausamkeiten. Der biblische Gott ein brutaler Sadist, der nach eigenem Gutdünken ganze Völker ausradiert und auch kleine Kinder nicht verschont. Die ganze Kreuzigungsgeschichte ist vollkommen hirnrissing und mach ohne die Bibel und die Einführung der «Erbsünde» keinen Sinn! Und warum sollte ein Gott ein Menschenopfer fordern, und sei es das seines eigenen Sohnes (der er ja dank Dreieinigkeit selber ist), um den Menschen vergeben zu können? Er könnte auch einfach so vergeben, aber nein, es passt zur blutrünstigen Bibel, dass es keine Vergebung gibt, ohne dass Blut geflossen ist. Das Bild vom «lieben Gott», das in den Kirchen verbreitet wird, gibt die Bibel nur sehr verzerrt und ungeheuer beschönigt wieder. Aber auch die 2000 Jahre christlicher Herrschaft waren eine Zeit des Grauens und der Barbarei. Erst die Gegenbewegung gegen das Christentum, die Aufklärung und mit ihr der Humanismus, die Wissenschaft und damit die Befreiung der Menschen von Gott und Religion, hat den Menschen in Europa Wohlstand, Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Menschenrechte gebracht.

Früher habe ich mich gegen das Christentum (und Religionen allgemein) gewandt, weil es schlicht und einfach unwahr ist, weil Kinder, die im Christentum aufwachsen, in lauter Lebenslügen aufwachsen, was einer geistige Vergewaltigung gleich kommt.

Heute weiss ich, dass das Christentum (und andere Religionen) auch wegen seiner Unmoral, seiner Grausamkeit, seiner Unmenschlichkeit, die immer wieder ausbricht, zu verurteilen und zu bekämpfen ist. Diese christliche Unmenschlichkeit ist nicht etwa seit den Kreuzzügen, Hexenverfolgungen und Religionskriegen verschwunden. Noch heute haben wir Religionskriege in Irland, oder auf dem Balkan, oder im Irak. Sobald Christen an der Macht sind, zeigen sie wieder ihr grausames Gesicht, wie George Bush eben erst erfolgreich gezeigt hat, was Christen im Schild führen. Aus purer Rache und religiösem Eifer tötet der überzeugte Christ Bush, der auch für die Einführung der Schöpfungsgeschichte statt der Evolution in Schulen, und die Einführung von Schulgebeten ist, hundertausende von unschuldigen Zivilisten, Frauen und Kindern! Noch heute gibt es genug fundamentale Christen, die glauben, ihre Ansichten mit Gewalt durchsetzen zu dürfen, die z.B. meinen, Schwule müssten getötet werden, oder die im Namen des ungeborenen Lebens Ärzte töten, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Nicht zuletzt sind konservative amerikanische Christen die bedeutensten Anhänger der Todesstrafe. Dies alles ist nicht etwa ein Widerspruch zur «Liebesbotschaft» der Bibel, sondern logische Konsequenz der biblischen Grausamkeit und der Grausamkeit des biblischen Gottes. Im Gegenteil: Die «Liebesbotschaft» ist ein klarer Widerspruch zur Bibel, eine Fehlinterpretation! Von «Liebe» steht in der Bibel erzlich wenig, und wenn, dann ist der Personenkreis, auf den sich diese «Liebe» bezieht meist explizit oder implizit auf die Gemeindemitglieder beschränkt. Ungläubige und Andersgläubige, Gottlose und Baalsprister werden in der Bibel immer wieder verflucht und verfolgt. Die «Liebe» gilt wenn schon, dann nur für die gleichgesinnten! Ausserdem setzen die Christen nur allzuoft «Liebe» mit der «Verbreitung des Evangeliums» gleich! Für sie bedeutet «Liebe», anderen den gleichen Unsinn aufzudrängen, den sie sich selber schon verinnerlicht haben!

Wie gesagt, ich kann vor allem für mich selber sprechen. Ich hoffe, andere melden sich auch noch. Pegasos z.B., die sich auch oft hier meldet, ist unreligiös aufgewachsen.

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