Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: Re: Beweggründe zu Atheismus? (mrw)

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Diskussionsbeitrag:

Am 02.12.2005 13:14 schrieb mrw:

Am 2005-12-01 18:58:41 schrieb Christine:
Was mich weiters interessieren würde ist, wie
bittet ihr um etwas?

Wen sollte man um was bitten?

Wenn ich etwas wünsche, das mit anderen Menschen zu tun hat, wende ich mich an diese Menschen.

Wenn ich etwas wünsche, das ich selber erreichen kann, dann stecke ich mir ein Ziel, und bemühe mich darum, es zu erreichen.

Wenn mein Wunsch aber abstrakter Natur ist, Glück, Gesundheit oder so, dann kann ich nur einen kleinen Beitrag daran leisten. Der Rest ist Schicksal. Allenfalls kann man versuchen, das beste aus seinem Schicksal zu machen, beeinflussen kann man es aber kaum.

Aber auch Christen sind da nicht besser bedient: Wenn sie beten, geschieht es so, wie sie gebetet haben, oder auch nicht. Christen sind weder gesünder noch glücklicher als Atheisten. Ihr beten gibt ihnen allenfalls eine persönliche Befriedigung, weil sie meinen, etwas getan zu haben. Eine messbare Wirkung hat es aber nicht.

Ich kenne selbst einige Leute die von der Kirche
ausgetreten sind und jetzt keinen GLauben haben,
dies aber meist nur wegen überhöhter
Kirchensteuer oder unwürdigen und
selbstgerechten Priestern getan haben.

Man tritt ja nur aus der Kirche aus, wenn man sich auch innerlich nicht mehr an die Kirche gebunden fühlt, wenn man mit den Lehren der Kirche, vielleicht auch nur unbewusst, gebrochen hat. Kein wirklich gläubiger Christ wird aus einer Kirche austreten, ohne gleich einer anderen, die er besser findet, beizutreten!

Wie bittet ihr um Gnade, Hoffnung, Glück,
Freunde,

Im Atheismus bitten die Menschen nicht einen Gott um etwas, sie wissen, dass sie für sich selber verantwortlich sind. Jeder ist seines Glückes Schmied. Erlösung, Freude, Zufriedenheit kommen nicht von aussen, sondern von innen. Der Mensch nimmt sein Schicksal in die eigene Hand, statt auf Gott zu vertrauen.

«Gnade»: So ein Unsinn. Ausserhalb des christlichen Glaubens hat das Wort «Gnade» eigentlich nur eine Bedeutung, wenn man Scheisse gebaut hat, und dann um Schonung vor Bestrafung betteln muss. Die Christen aber definieren, dass jeder Mensch von Geburt an schlecht sei, und daher auf «Gnade» angewiesen sei. Das ist natürlich kompletter Unsinn.

«Hoffnung»: Die Hoffnung kommt immer aus dem eigenen Herzen. Auch bei Atheisten.

«Glück» von aussen: Glück gibt es als äusseres Glück, als das Schicksal von aussen, das man hinnehmen, aber nicht beeinflussen kann. Für ein solches Glück kann man nicht bitten. Man kann aber bereit sein, es zu erkennen. Denn was ist Glück wert, wenn man es nicht erkennt und trotzdem unzufrieden ist? Beispiel: In der Art: «So ein Mist, ich habe eine 5 im Lotto. Hätte ich eine 16 angekreuzt statt einer 17 hätte ich eine 6 gehabt!», man ärgert sich also über eine verpasste Chance, statt sich über das grosse Glück zu freuen, eine 5 gewonnen zu haben.

«Glück» von innen: Inneres Glück, innere Zufriedenheit kommt aus dem Menschen selbst, nicht von aussen. Man kann daher auch nicht darum bitten. Bescheidenheit, und Zufriedenheit mit dem was man erreicht hat, statt Unzufriedenheit über das, was man nicht hat. Das eigene Haus, die eigene Familie, die eigene Arbeit, den eigenen Lohn schätzen, statt immer nur zu scheuen, wer reicher ist, oder wer besser lebt. Inneres Glück ist eine Frage der Einstellung.

«Freunde»: Also bitte, für seine Freunde und seinen Umgang mit anderen Menschen ist jeder selbst verantwortlich. Man kann sich doch nicht einfach zurücklehnen und einen Gott um Freunde bitten?!? Wenn man wirklich ein Problem hat, Freundschaften zu bilden, ist ein Psychiater der richtige Ansprechpartner!

wie feiert ihr Weihnachten was bewegt
euch in "heiligen Zeiten" (wie für uns
Christinen Weihnachten)?

Siehe auf dieser Seite unter "Feste & Feiern"! Der Mensch hat ein Bedürftnis, nach Feierlichkeiten. Dem nicht nachkommen zu wollen, würde der Natur des Menschen widersprechen. Aber man kann auch andere Dinge feiern, als einen Gott. Die Schönheit der Natur zum Beispiel.

Ich habe noch so viele Fragen, denn an Gott
zweifeln tut doch jeder einmal, aber sich
wirklich zu entschließen Gott für eine
Erfindung der menschlichen Hirngespinste
abzustempeln, war mir bis vor dieser schulischen
Aufgabe noch völlig Fremd.

Bei mir war es so, dass je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigte, es umso klarer wurde, dass es einen Gott, zumindest so, wie von Kirchen und Bibel definiert, gar nihct geben kann.

Natürlich hat mich auch der naive Gedanke und die
Geborgenheit in einer vertrauen Heimat in dem
glauben gelassen dass mein Glaube der einzige ist
den es gibt. Gott hat mich erschaffen und Gott
wird mich wieder zu sich aufnehmen wenn ich
vergehe….

Das ist schon so. Die meisten Menschen glauben das, was ihre Umgebung glaubt, ohne auch wirklich einen Gedanken daran zu verschwenden, warum das das einzig richtige sein soll. Wenn sie dann hören, dass es Menschen gibt, die wirklich gar nicht glauben, und nicht nur einfach ein bisschen zweifeln, um danach reumütig in den Schoss der Kirche zurückzufallen, dann sind sie (oder tun sie) echt erstaunt. In der Kirche haben sie ja gelernt, dass alle Gottlosen und Atheisten schlechte Menschen, ja richtige Monster sein müssen, wie z.B. dieser Hitler (der nebenbei bemerkt gläubiger Katholik war, und unter dessen Herrschaft die Kirchen nicht wenig profitiert haben).

doch wenn wir ehrlich sind, warum
lässt Gott, wenn er uns doch alle so sehr liebt,
manche Menschen oder auch tiere eben alle
geschöpfe "Gottes" so leiden?

Eben. Das ist die berühmte «Theodizee des Leids», die bis heute vom Christentum nicht befriedigend beantwortet wurde. Sie geht so:

Wir treffen drei Annahmen:

  • Gott ist gut.
  • Gott ist allmächtig.
  • Es gibt Böses auf dere Welt.

Die ersten beiden Punkte sind durch Christentum und Bibel vorgegeben, der letzte Punkt ist offensichtlich, wenn man die Welt betrachtet.

Trifft das Christentum zu, müssten alle drei Punkte zutreffen. Tatsächlich aber können immer nur zwei davon gleichzeitig wahr sein:

Wenn Gott gut und allmächtig ist, besiegt er das Böse auf der Welt (heute, nicht irgendwann), und die Menschen können alle in Glück und Frieden leben. Wenn es aber Böses gibt, und Gott gut ist, hat er offensichtlich nicht die Macht, das Böse zu besiegen. Am beängstigstens, aber nach der Bibel wahrscheinlichsten, ist die letzte These: Gott ist allmächtig, hat aber keine Lust, das Böse zu besiegen, weil er selber böse ist.

Ich höffe meine neugierige und direkte Art ist
euch nicht zuwieder!

Neugierde ist eine sehr wichtige und positive Charaktereigenschaft! Ohne Neugierde gibt es keine Forschung, keine Nachfragen und kein neues Wissen! Neugierde ist ein wichtiger Schritt zum selbstständigen Denken.

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