Atheismus in der Schweiz
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Re: Re: Beweggründe zu Atheismus? (Pegasos)

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Diskussionsbeitrag:

Am 04.12.2005 17:15 schrieb Pegasos:

Sorry, dass ich nichts Konstruktives mehr zu dem Projekt beitragen kann, aber ich bin es nicht mehr gewöhnt, dass hier so viel los ist (war außerdem wenig online… viel für's Studium nachzuarbeiten…) ;-)

Wie mrw schon bemerkte, bin ich areligiös (und natürlich auch atheistisch) erzogen worden. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal in einem Gottesdienst war - kann sein, dass es die Beerdigung meines Großvaters vor 9 Jahren oder die kirchliche Trauung eines mit meinen befreundeten Paares war (da weiß ich aber nicht mehr genau, wann das war). Meine Eltern sind beide aus der Kirche ausgetreten, weil sie vom Glauben abgefallen sind, als sie in das Alter kamen, in dem man sein Weltbild hinterfragt und sich ggf. ein neues baut (meine Mutter war katholisch, mein Vater evangelisch), und haben meinen älteren Bruder und mich nicht taufen lassen. (Warum auch - schließlich sind sie nicht bloß von der Kirche vergrätzte Christen, sondern wirklich ungläubig.) In den ersten 1 oder vielleicht auch 2 Jahren meiner Grundschulzeit (rückblickend ist die zeitliche Einteilung etwas schwierig) war ich im Religionsunterricht, dann hat meine Mutter mich da rausgenommen (kann sein, dass es auf meinen Wunsch hin war - früher frei haben ist immer gut ;-). Ich kann mich aber eigentlich nur daran erinnern, dass da Lieder gesungen wurden, deren Sinn ich damals überhaupt nicht verstanden habe.

Dann musste ich natürlich nicht zu den diversen Gottesdiensten und den christlichen Feierlichkeiten, zu denen meine christlichen Mitschüler gingen. (Ich durfte Aschermittwochs auch erst zur 3. Stunde erscheinen, kam aber nicht wie die anderen mit einem Aschenkreuz auf der Stirn vom Gottesdienst, sondern von zuhause.) Um die Kommunion habe ich meine Mitschüler damals ein wenig beneidet (ich will auch Geschenke kriegen!) - um den Kommunionsunterricht aber ganz sicher nicht.

In meiner Kindheit habe ich natürlich die christlichen Ansichten meiner Umwelt aufgeschnappt und teilweise irgendwie in mein Weltbild hinein gebastelt - aber eine richtige Gottesvorstellung war mir immer fremd. Ich hatte eine Weile eine diffuse Jenseitsvorstellung, weil das weniger traurig war - allerdings war ich da vielleicht 8.

In der 5. und 6. Klasse habe ich am ev. Religionsunterricht teilgenommen (meine Mutter war der Ansicht, dass wir zumindest so lange mitmachen sollten, damit wir wissen, was die Menschen um uns herum so glauben). Ich weiß noch, dass wir vorwiegend die Geschichten von Abraham, Isaak, Jakob und Josef, sowie die von Moses durchgenommen haben. Und ein paar Sachen, an die ich mich nur so diffus erinnere, dass ich sie nicht wiedergeben kann. Ich weiß aber, dass ich auch diese Geschichten nicht als "die Wahrheit" angesehen habe oder als etwas, was wirklich einmal geschehen ist, sondern eben nur als Geschichten (ich war damals nur mittelmäßig in Religion, aber das war nicht schlimm). Von der 7 bis zur 10 war ich dann vom Religionsunterricht abgemeldet (Freistunden!). Während dieser Zeit habe ich mir eigentlich auch keine größeren Gedanken über das Weltbild gemacht, das ich mir so gebastelt hatte.

In der 11 musste ich dann entweder Religion oder Philosophie und habe mich dann im Hinblick auf den wirklich schrecklichen Philo-Lehrer und die nicht minder schlimme ev. Lehrerin für kath. Religion entschieden. Wir haben in der 11 u.a. die Schöpfungsgeschichte, Adam und Eva und Kain und Abel besprochen. Und ich habe gemerkt, dass ich als einzige Atheistin im Kurs viel unbefangener an diese Geschichten herangehen konnte als meine Mitschüler, weil es für mich wirklich nicht mehr war als eine Geschichte und ich alles auch genau so interpretierte.

Während der 11 fing ich dann auch an, mich mit meinem eigenen Weltbild auseinanderzusetzen und mich für Religion zu interessieren - auch für den Religionsunterricht. Meine Religionslehrerin war etwas seltsam, aber sie wusste fundierte Gedankengänge und logische Überlegungen zu schätzen und so verbesserte ich meine Note von einer 3 in der 11.1 schon in der 11.2 auf eine 1 und blieb über die gesamte 12 Kursbeste. Ein wenig peinlich für die Christen. Ich hatte die Sachen, auf die die Religionslehrerin sich bezog, nicht irgendwann einmal im Kommunionsunterricht gehört und wieder vergessen wie die meisten, sondern beschäftigte mich aktiv damit. Sowohl mit dem Christentum als auch mit der Kritik dagegen. (Die in der 12.1 behandelten Gottesbeweise waren sehr interressant… vor allem, weil es unserer Lehrerin darum ging, warum die falsch sind…)

In der 13 habe ich Religion dann abgewählt, weil es nicht mehr verpflichtend war (es wurde auch gar nicht weitergeführt - auch nicht für die, die wollten, um ihre Note noch zu verbessern). Und seitdem hatte ich keinen Religionsunterricht mehr und werde nie wieder welchen haben. (Hört sich jetzt nach viel Abstand an, in Wirklichkeit sind es gerade mal 1 1/2 Jahre - ich bin 19 und habe dieses Jahr Abitur gemacht.) Trotz meiner doch recht intensiven Beschäftigung mit Religion im Allgemeinen und dem Christentum im Speziellen (intensiver als die meisten Christen es betreiben), bin ich immer noch areligiös und atheistisch. Sogar noch stärker als ich das als Kind war, weil ich mir nun eigenständig Gedanken über mein Weltbild mache, was man ja von einem Kind noch nicht erwarten kann.

Wie bittet ihr um Gnade, Hoffnung, Glück,
Freude,

Ich habe nie gelernt, dass man um so etwas erst bitten muss… und es leuchtet mir auch nicht wirklich ein. Das liegt daran, dass mir jede Gottesvorstellung eher fern ist. Ich habe sogar das Gefühl, dass ich nicht einmal an einen Gott glauben könnte, wenn ich es wollte.

Gnade ist etwas, das man m.E. nicht im Alltag erbittet. Wofür denn? So schlimm bin ich nun auch wieder nicht. (Mal abgesehen davon, dass da niemand ist, der mich begnadigen könnte.) Hoffnung, Glück und Freude sind etwas, das man entweder hat oder nicht. Glück und Freude kann man sogar bedingt selbst herbeiführen und manchmal kann man sich auch selbst wieder Hoffnung machen, wenn man eine scheinbar aussichtslose Situation aufklärt.

wie feiert ihr Weihnachten was bewegt
euch in "heiligen Zeiten" (wie für uns
Christinen Weihnachten)

Weihnachten besteht bei uns in Geschenke austauschen und mit der Familie essen. (Da meine Eltern geschieden sind, eben zwei Mal.) "Heilige Zeiten" gibt es für mich nicht. Da ich aber auch nicht so der spirituelle Typ bin, fehlt es mir auch nicht.

Zu der Sache mit dem Tod (das Zitat war leider nicht in diesem Beitrag von dir): Wenn ich tot bin, bin ich eben tot. Sobald mein Zentrales Nervensystem nicht mehr arbeitet (sprich: Hirntod), bin ich nicht mehr da. Daran kann ich nichts ändern. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass nach dem Tod noch etwas kommt und ich wüsste noch nicht einmal, wie so etwas wie das erhalten bleiben einer "Seele" vonstatten gehen sollte. Mein Bewusstsein ist ein Produkt des einzigartigen Zusammenspiels der Nervenzellen in meinem ZNS (einzigartig, weil niemand exakt die gleichen Verschaltungen hat). Wenn die Neuronen sterben, verschwindet mein Bewusstsein mit ihnen.

Aber ich würde auch gar nicht unendlich lange leben wollen. Das wird auf die Dauer ja schon ziemlich langweilig und auch nicht sinnvoller. (siehe Duglas Adams, "Das Leben, das Universum und der ganze Rest")

So, ich mach jetzt mal Schluss. Irgendwann muss ich auch noch mal Zellbio machen…

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