Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: Re: Re: Glauben kontra Wissenschaft? (lykas)

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Diskussionsbeitrag:

Am 27.11.2010 23:07 schrieb lykas:

Hallo zusammen,

ich habe diese Seite gerade erst gefunden und daher die Diskussionsforen noch nicht bis zum Ende durchgelesen. Bei dem folgenden Austausch wollte ich aber trotzdem schon mal was beisteuern. Falls ich im Folgenden bereits gesagtes widerhole, bitte ich um Entschuldigung. Ich bin dabei die Diskussionsbeiträge durchzulesen; an der folgenden Stelle möchte ich aber schon mal einen Komentar anbringen:

Am 01.02.2005 13:07 schrieb mrw:

Am 2005-01-31 23:31:45 schrieb ckrulez:

Also gibst Du mir recht! "Glauben" heisst
"nicht wissen" (wollen).

Glauben ist nicht "nicht wissen" sondern ist die
Folge davon.

Man weiss etwas nicht (oder will es nicht wissen), z.B. welche Form die Erde hat, also glaubt man einfach mal etwas, z.B. sie sei flach. Das ändert nichts and der Tatsache:
"Glauben" heisst "nicht wissen" (wollen).
Glauben ist immer falsch! Man behauptet einfach mal irgendetwas und tut so, als ob es wahr sei. Dabei ist das einzige, was man eigentlich weiss, dass man nicht weiss!

Die Aussage "ich weiss, dass ich nichts weiss" ist eine "populärwissenschaftliche" Formulierung von Gödels Unfollständigkeitssatzes. Gödels Unvollständigkeitssatz lautet aber "korrekter": « Jedes hinreichend mächtige formale System ist entweder widersprüchlich oder unvollständig » (cf. z.B. Wikipedia).

Dieser Satz besagt, under anderem, dass jedes nicht triviale (und widerspruchsfreie) System sich nicht selbst beweisen kann. D.h. in jedem nicht-trivialen und widerspruchsfreien System sind immer eine Anzahl nicht-beweisbarer Annahmen (sogenante Axiome) notwendig. In dieser Hinsicht unterscheidet sich Wissenschaft nicht von Religion. Wissenschaft unterscheidet sich aber von Religion dadurch, dass die Wissenschaft (d.h. die sog. wissenschaftliche Methode) sich klare Regeln gesetz hat welche Axiome zulässig sind und welche nicht.

In der Wissenschaft müssen Axiome (nicht beweisbare Annahmen) insbesondere die Bedingung erfüllen, dass sie falsifizierbar sind. (Eine weitere Forderung ist, dass unnötige Axiome verworfen werden. Diese Forderung ist aber nicht universell akzebtiert und wird häufig nur als eine Art Wegweiser oder als ästetisches Kriterium anerkannt). D.h. es muss eine Möglichkeit geben diese unbeweisbaren Annahmen zu widerlegen; z. B. durch Experimente oder mathematische Beweise. Wenn in der Wissenschaft solche Annahmen zu Widersprüchen oder zu falschen Vorhersagen führen, so werden die Annahmen verworfen und nach besseren (d.h. solche ohne Widersprüche und mit besseren Vorhersagen)gesucht.

In dem Punkt unterscheiden sich Wissenschaft und Religion sehr deutlich. Eine Aussage wie z.B. "Gott existiert" wäre in der Wissenschaft ungültig. D.h. nicht, dass die Aussage falsch sein muss, sie ist aber in der Wissenschaft unnütz. Einige berümte Wissenschafter erachten solche (d.h. nich falsifizierbare) Aussagen sogar als schlimmer als einfach nur falsche Aussagen. Wolfgang Pauli hat für Aussagen, die gegen die Bedingung der Falsifizierbarkeit verstossen, den folgenden Ausspruch geprägt: «diese Aussage ist nicht einmal falsch».

Der langen Rede kurzer Sinn: Glauben heisst nicht unbedingt nicht wissen (es könnte ja wahr sein; wenn auch sehr unwahrscheinlich) sondern, Glauben heisst, sich einer Überprüfung (und gegebenenfalls Anpassung) zu verweigern. In diesem Sinne ist Glauben nicht notwendigerweise im Widerspruch zu Wissen. Da ich aber bisher noch keine Religion ohne Widerspruche oder falsche Vorhersagen kenne, kann ich - der wissenschaftlichen Methode folgend - Religion als Quelle von Wissen oder Wahrheit getrost vergessen.

Lykas

Antwort auf diesen Diskussionsbeitrag
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Re: Re: Re: Glauben kontra Wissenschaft? (datura)


Am 27.02.2011 16:05 schrieb datura:

Die Aussage "ich weiss, dass ich nichts weiss" ist eine "populärwissenschaftliche" Formulierung von Gödels Unvollständigkeitssatzes.

Die oben zitierte Aussage soll laut Wikipedia von Platon stammen.

Der langen Rede kurzer Sinn: Glauben heisst nicht unbedingt nicht wissen (es könnte ja wahr sein; wenn auch sehr unwahrscheinlich) sondern, Glauben heisst, sich einer Überprüfung (und gegebenenfalls Anpassung) zu verweigern. In diesem Sinne ist Glauben nicht notwendigerweise im Widerspruch zu Wissen.

Ich würde sagen, dass für ein Wissen ein Glaube umbedingt notwendig ist.

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