Atheismus in der Schweiz
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Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Ethik als das Beste im Menschen? (mrw)

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Diskussionsbeitrag:

Am 14.05.2004 11:05 schrieb mrw:

Gut, dann nehme ich die Punkte 1, 2 und 8 auf.

Am 2004-05-11 16:58:37 schrieb daniel: > 1. du bist nicht bush. die niedertracht ist nicht

in deiner rede. du bist ein anständiger mensch.
aber niederträchtige wissen deine rede so zu
interpretieren, dass sie ihren zwecken dient.
meine diesbezüglichen verdrehungen haben den
drang, dies zu entlarven.

Also gut, ich nehme einen letzten Anlauf zu erklären, warum ich Deine Definition der Ethik für beliebig und unbrauchbar halte.

Du kritisierst den Inhalt meiner Ethik und sagst, der hänge direkt von meiner Definition ab. Das ist falsch. Wenn ich Deine Definition von Ethik übernehme, und auf mein Innerstes höre, dann komme ich im Inhalt meiner Ethik auf genau dasselbe Resultat, wie wenn ich aus meiner Definition ableite:

  • Mein Innerstes sagt mir, dass ich das Recht habe, mich zu verteidigen, notfalls auch mit Gewalt.
  • Im Gegenteil, wenn ich auf mein Innerstes höre, anstatt auf meine Vernunft, dann unterliegt das Wörtchen "notfalls" weniger Einschränkungen, dazu unten noch mehr…
  • Mein Innerstes sagt mir, dass es falsch ist, sich gegen die Natur aufzulehnen. Darum ist nicht nur die christliche Sexualmoral falsch, sondern auch Vegetarier oder gar Veganer zu sein. Alles richtet sich gegen die menschliche Natur.
  • Höre ich auf mein Innerstes, sagt mir das, dass Kriegführen immer falsch ist, dass Rüstung immer falsch ist. Es sagt mir aber auch, dass es falsch ist, sich gegen Agression nicht zu wehren. Es sagt mir auch, dass ich mich gegen gewalttätige Eindringlinge in meine Heimat gewaltsam wehren darf.

Ob ich nun auf mein Innerstes, das Beste in mir, höre, oder ob ich meine Definiton zur Basis nehme, inhaltlich kommt im Wesentlichen dasselbe heraus. Es wäre ja auch komisch, wenn ich aus meiner Ethikdefinition eine Ethik ableiten müsste, die meiner innersten Überzeugung widersprechen würde. In dem Fall müsste ich meine Definition tatsächlich überarbeiten.

Aber es gibt auch noch einen anderen Punkt, den ich oben angesprochen habe: Meine Definition verhindert auch, dass man sich durch schlechte Gefühle, wie Rache oder Hass leiten lässt. Vernunft und Respekt halten mich davon ab Leute, die mir meiner Ansicht nach Unrecht antun, einfach umzubringen. Würde ich nur auf mein Innerstes hören, anstatt die Maximen meiner Ethikdefinition zu Rate zu ziehen, würden vielleicht tatsächlich Leichen meinen Weg pflastern. Es gäbe einige, von denen ich mich ungerecht behandelt fühle, und wo ich in meinem Innersten gern den einen oder anderen Racheakt ausführen würde. Meine Definition von Ethik hält mich aber davon ab.

Ein letztes rein hypothetisches Beispiel.

Ich bin ein überzeugter Christ. Als braver Christ ist für mich der Glaube an Gott das Beste in einem Menschen. Die Bibel ist die einzige Quelle der Wahrheit. Der Mensch kann nichts besseres tun, als die Bibel exakt zu befolgen, denn sie ist das Wort Gottes und Gott ist unser Führer, äh wollte sagen Schöpfer.

Aus dem Studium der Bibel lerne ich, dass Gott von uns verlangt, dass wir Schwule steinigen sollen. Nun will ich wissen, ob ein solches Verhalten ethisch zu verantworten wäre.

Ethik von Daniel: "Das Beste in mir."

Das Beste in mir ist mein Glaube an Gott und mein Aufgehoben-Sein in der Gemeinde Christi. Also ziehe ich mit ein paar Gleichgesinnten durch die Schwulenlokale der Stadt, entführe Schwule, die wir dann gemeinsam steinigen. Und weil es so ein gutes Gefühl gibt, im Auftrag Gottes zu handeln, ziehen wir gleich weiter zu einer Synagoge…

Ethik von MRW: "Maximales Glück für alle, gegenseitiger Respekt, Konvention die ein Zusammenleben ermöglicht."

Wenn ich MRWs Definition von Ethik ansehe, dann muss ich mir diverse Fragen stellen:

"Habe ich die allgemeine Zustimmung zu meinem Verhalten, wenn ich Schwule umbringe?" Innerhalb meiner Gruppe von Bibelfesten Christen habe ich eine klare Zustimmung, auch wenn es vereinzelte Abweichler gibt. Ausserhalb dieser Gruppe, z.B. bei meinen Arbeitskollengen, stosse ich auf entschiedene Ablehnung. Die Antwort lautet "Nein."

"Respektiere ich meine Umwelt damit?" Die Schwulen respektiere ich dabei nicht, also "Nein."

"Bringt mein Verhalten maximales Glück für alle Beteiligten?" Für die Schwulen sicher nicht. Mir bringt es sicher eine gewisse Befriedigung, wenn ich Gottes Urteil vollziehe. Andererseits ist steinigen ja verboten. Tue ich es trotzdem, wird mich die Polizei verfolgen und einsperren. Damit stehe ich auch meinem eigenen Glück im Weg. Die Antwort lautet auch hier, ein klares und doppeltes "Nein."

Ich könnte nun noch weitere Fragen stellen, die sich aus MRWs Ethikdefinition herleiten lassen, aber diese drei klaren "Nein" sind Antwort genug. Ich werde aus ethischen Gründen darauf verzichten, die Bibel wörtlich umzusetzen.

2. beleuchten wir zwei diverse aspekte der ethik.
meine definition, ein unbeholfener versuch,
gewiss, der niedertracht etwas entgegenzustellen
und der dummheit, sie als redlich aufzunehmen,
mein unbeholfener, schwerst- bis
nichtverständlicher versuch also wirft den
einzelnen auf sich selbst zurück und hält ihm
den spiegel vor, appelliert zugleich an die
sehnsucht nach einer liebevollen welt. bitte
genau lesen: wir haben sie nicht!

Mein Vorwurf an Deine Definition ist:

  • Wenn derjenige, dem Du den Spiegel vorhälst darin nichts Gutes sieht, hat Deine Ethik versagt.
  • Deine Ethik setzt nur auf die Gefühle eines Einzelnen und bezieht andere nicht mit ein.
8. weltanschauung kann heissen, vom besten das
schlechteste zu nehmen und es so zu verdrehen,
dass es sich vom besten des schlechten nicht mehr
unterscheidet.

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