Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: Was ist Ethik Re: Re: Re: Ist Logik denn die letzte Wahrheit? (daniel)

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Diskussionsbeitrag:

Am 15.04.2004 23:56 schrieb daniel:

Ethik ist nichts weiter, als die gemeinsame
Übereinkunft einer Gruppe von Menschen über
Regeln und Wertvorstellungen. Diese Regeln müssen
von einer Mehrheit der Gruppe mit einem gewissen
Selbstverständnis als richtig erachtet und
getragen und durchgesetzt werden. Verstösst ein
Mitglied der Gruppe gegen diese Regeln, wird es
von den anderen zurechtgewiesen.

damit ist aber qualitativ nichts über ethik ausgesagt. ich lese daraus nur eine quantitative grundlage. ich denke, mit dieser definition lassen sich, gerade in demokratien, immer noch kriege rechtfertigen. widerspreche also in dem punkt entschieden: ethik MUSS mehr sein als das, was eine mehrheit als richtig anschaut. oder aber nicht mehr, sondern grundsätzlich etwas anderes, elementareres. etwas anderes als: der geist, der gerade herrscht.

Da der Mensch ein Gesellschaftstier ist, hat er im

Verlauf der Evolution einen Gerechtigkeitssinn
entwickelt, der Basis jeder akzeptierten Ethik
sein muss.

das sagst du. das sagen mir aber auch die sieger und ihre geschichtsbücher. gerechtigkeitssinn….etwas lernbares, auf weitergegebenen werten aufbauend? es gäbe also eine allgemein verbindliche 'gerechtigkeit'? falls dies eine wissenschaftliche ansicht sein sollte, dann steht die wissenschaft, die solches sagt, in den diensten der macht. dieses zitat lese ich so und inhaltsgleich formuliert zu oft von kriegstreibern und ihren claqueuren, als dass ich es gutfinden könnte. irgendwie müsste sich doch ein anderer, besserer denkansatz in einer anderen, besseren, genaueren sprache niederschlagen. bin sehr, sehr kritisch diesem zitat gegenüber.

Psychologische Experimente zeigen

interessanterweise, dass die Menschen gewillt
sind, ihre Gerechtigkeitsvorstellungen auch dann
durchzusetzen, wenn ihnen dadurch persönlich ein
Nachteil entsteht, wenn also beispielsweise die
Bestrafung eines unbotmässigen Gruppenmitglieds
dem Bestrafer selbst Kosten verursacht.

es wäre viel zu sagen über die psychologie als einer 'wissenschaft' im dienste der macht. als hure der macht.

wenn also beispielsweise die

Bestrafung eines unbotmässigen Gruppenmitglieds
dem Bestrafer selbst Kosten verursacht.

dann geht es nicht um gerechtigkeit, sondern um rache. gerechtigkeit als rechtfertigung dafür, eine strafe durchzusetzen, ist keine gerechtigkeit, sondern die befriedigung von rachedurst. lies mal die reden bushs. ich glaube, dann leuchtet es dir sofort ein.

Ethik ist aber nichts festes, sondern ebenso

wandelbar, wie die menschliche Gesellschaft, die
sie definiert. Einige ethische Regeln haben sich
besser bewährt als andere und sind daher in allen
Kulturen anzutreffen. Andere Regeln, besonders
diejenigen mit religiöser Begründung, sind eng an
einzelne Kulturen gebunden.

ich glaube, dass die psychologie des menschen sich nicht wandelt über die jahrtausende. eine ethik, die dem menschen und seiner psychologie entsprechen soll, muss modifizierbar bleiben, aber darf nicht so flatterhaft-wandelbar sein. überhaupt halte ich nichts davon, regeln aufzustellen und sie tunlichst den nachkommen und den zeitgenossen einzuimpfen. vorbildsfunktion ist das einzig taugliche, und also glaubhaftigkeit im persönlichen und persönlichsten. der rest ist imprägnierung, fremdpflanzung. davon halte ich gar nichts.>

Unsere Aufgabe als Atheisten ist es

ich habe keine aufgabe als atheist.

emotionslos

unter den ethischen Richtlinien die Spreu vom
Weizen zu trennen,

emotionslos. finde ich gar nicht. emotionen sind das elementarste, was ich habe, eins zu eins und unverfälscht mich, jedenfalls am unverfälschesten! mein verstand kann sich irren, und ich tue gut daran, ihn stetig in zweifel zu ziehen. meine gefühle irren sich nicht.

4 (Ehre deinen Vater und deine

Mutter

finde ich nicht. finde nicht, mein sohn habe mich zu ehren, ganz und gar nicht. und weshalb sollte ich meine eltern ehren. weisst du denn, ob sies verdient haben? oder sollte ich sie ungeachtet dessen einfach ehren, schon nur, weil ich vorhanden bin? nein, bestreite dieses gebot.

(Du sollst

nicht die Ehe brechen

nein. du sollst dich nicht einspannen lassen. du sollst nicht heiraten. du sollst möglichst viele lieben und begehren. das fände ich eine gelungenere sexualmoral. und es geht den staat nichts an, was ich einem menschen vielleicht verspreche oder was ich überhaupt mit ihm für eine beziehung unterhalte. die kirche natürlich noch weniger….. das finde ich schon nur deshalb besser, um deinem grundsatz nachzuleben:

Respektiere alle Menschen, so wie sie sind. wir sind nämlich nicht ehetauglich und müssen es auch nicht sein. treue ist was anderes als sexuelle einschränkung.

# Du sollst nicht töten
# Du sollst nicht stehlen
# Du sollst nicht lügen oder betrügen
# Du sollst keinen Schaden verursachen
# Du sollst angemessen Hilfe leisten

dem kann ich schon zustimmen. aber solche befehlssätze haben nicht die fähigkeit einzuleuchten. ich finde nicht, man solle menschen mit solchen kurzsätzen und verboten traktieren. sie haben mehr fleisch am knochen verdient. die zehn gebote der bibel dürfen keinesfalls durch andere im gleichen stil ersetzt werden. das kann nur autorität daherkommen. und der mensch wehrt sich gegen autorität. und zwar vor allem insgeheim (wegen der angst, bestraft zu werden) - also wird er die gelegenheit im rechten moment ergreifen und selber strafen, wenn es ihm erlaubt ist, rachegefühle entwickeln und sie dann gegen ohnmächtigere entladen. ethik kann nicht befohlen werden!

Antwort auf diesen Diskussionsbeitrag
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Qualität der Ethik Re: Re: Re: Was ist Ethik [ Re: Re: Ist Logik denn die letzte Wahrheit? ] (mrw)


Am 16.04.2004 11:12 schrieb mrw:

Am 2004-04-15 23:56:14 schrieb daniel:
damit ist aber qualitativ nichts über ethik
ausgesagt. ich lese daraus nur eine quantitative
grundlage. ich denke, mit dieser definition
lassen sich, gerade in demokratien, immer noch
kriege rechtfertigen.

Völlig richtig, die Qualität einer Ethik lässt sich nicht so einfach feststellen. Tatsache ist aber, dass Ethik nichts absolutes und auch nicht unbedingt etwas Qualitativ hochwertiges ist. So herrscht in gewissen Ländern, z.B. Saudi Arabien, eine Ethik vor, die wir als Schweizer grauenvoll finden. Die Saudis aber rechtfertigen ihre Ethik mit ihrer heiligen Schrift. Andererseits war auch die (noch christlich dominierte) Ethik des europäischen Mittelalters eine, die heute eine überwiegende Mehrheit ablehnen würde. Was wir also als nächstes brauchen, ist eine möglichst objektive Bewertung für eine Ethik. Und das ist schwierig! Die Qualität einer Ethik kann man nur behelfsmässig feststellen.

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