Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: Re: Re: Qualität der Ethik Re: Re: Re: Was ist Ethik [Re: Re: Ist Logik denn die letzte Wahrheit?] (daniel)

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Diskussionsbeitrag:

Am 19.04.2004 18:22 schrieb daniel:

Wie definierst Du Ethik?

als das streben nach glück. nach verbundenheit und aufgehobensein, nach liebe und lebensfreude. ethik ist, was sich aus solchem empfinden und suchen heraus über das leben sagen lässt.

Woher kommt bei Dir Ethik, worauf basiert sie?

aus dem gefühl und der sehnsucht heraus, wie schön das leben sein könnte. nach und nach hat sich meine haltung in mir gefestigt, nur etwas einer obersten kategorie zuzuordnen, dem ich hundertprozentig zustimmen kann. ethik ist eine solche kategorie. was ethisch ist, ist das beste an mir. natürlich bin ich nur selten wirklich so gut. aber ich kann doch nicht sätze vor mich hinstellen und mich nach niedrigeren begebenheiten richten. ethik muss weiterbringen, aufbauen, was in uns angelegt und mehr oder weniger im laufe unsres lebens zerstört wird. an diesem prozess sind wir immer auch selber beteiligt, das kann man nie nur auf die umstände schieben. statt man würde ich vielleicht besser ich sagen. aber ginge es dir denn so anders?

  • Wer entscheidet wie, was ethisch richtig ist und was falsch?

nur der einzelne. nur er weiss sicher, welches sein guter leitfaden ist oder wäre. nur er kennt die quellen seines glücks. anzunehmen, dass die jedes (zumindest menschliche) lebewesen in sich trägt, ist natürlich eine voraussetzung. aber ohne diese annahme erschiene mir eh eine ethikdisussion absurd. dann sprächen wir besser über macht und machtgebaren.

Es wird demzufolge nie eine

Gesellschaft geben, in der gar keine Gewalt
herrscht.

krieg ist organisierte gewalt, kriegsgebaren setzt sich über millionen köpfe hinweg. vielleicht ist krieg auch ein frustabreaktionsventil, daher lassen sich viele menschen einspannen in interessen, die nicht ihre wahren sein können. falls kreige, armeen, rüstung und dergleichen abgeschafft würden, gäbe es immer noch gewalt, keine frage.

Die Frage, die die Ethik nun

beantworten muss ist, wer darf unter welchen
Umständen wieviel Gewalt ausüben.

krieg kann nie friedlichen zwecken dienen. das gilt auch im kleinen: lässt du zu, dass du einen einzigen deinen feind nennst, veränderst du dich zum schlechten. du suchst streit, gewalt, rache. das dürfen keine ethischen grundsätze sein. ethik muss an das beste in uns appellieren! davon rücke ich nicht ab.

  • Der Staat hat ein Gewaltmonopol.

> - Zwangsmassnahmen sind nur im gesetzlichen Rahmen erlaubt.

wer aber ist der staat? und welche justiz wäre nicht auf der welt, die gesetze zurechtzubiegen von fall zu fall? und welche politik bringt es denn nicht fertig, für die masse so wenig wie möglich, für die highsociety aber möglichst viel zu tun? der staat hat kein eigenleben…..im staate haben die zu sagen, die gerade an der macht sind. die polizei, die armee, beugen tagtäglich hierzulande gesetze zurecht und handhaben sie so, wie es gerade passt, und sogar, wenn gar kein gesetzlicher spielraum bestünde. dafür habe ich schon einige alltägliche und nichtalltägliche beispiele, aber bleiben wir (vorerst) mal beim thema ethik….(und sonst, damit ich nicht als sturer 'bhoupti' dastehe, lies ein bisschen im schandfleck, ars ignorandi etwa und andere erbauliche beispiele täglicher (beamten)willkür.

Eine allgemein akzeptierte Vorstellung in Europa
ist die, dass nur die UNO das Recht hat, solche
Konflikte mit Gewalt zu lösen, dass sozusagen die
UNO das Gewaltmonopol im zwischenstaatlichen
Bereich übernimmt.

als wäre nicht jeder staat in seinem selbstverständnis so souverän, auch selbständig losschlagen zu dürfen. und als regierten nicht in der uno die interessen der mächtigsten staaten. aber auch wenns nicht so wäre: auch die uno hat kein ethisches recht einzugreifen. (meiner ethikdefinition nach, selbstverständlich).

Sie sehen sich auch nicht

als Agressoren, sondern als angegriffener Staat,
der sich selbst verteidigt.

eben. damit haben sie ein gesetz zurechtgebogen. damit sie ein ethisches deckmäntelchen haben. so einfach geht das. und sogar du stimmst zu (dass sie nämlich nach ihrem bewusstsein ethisch handelte, die famose usa).

Auch in der Selbstverteidigung? Die VSA sehen sich

in der Selbstverteidigung..

das hätte sogar meine grossmutter als lüge empfunden. das ist EINE LÜGE. lügen hat mit ethischem gebaren aber nichts zu tun. (oder?)

Dann hast Du die falschen Medien konsultiert.
Selbstverständlich hat der Irak (und Nordkorea)
das gleiche Recht, Massenvernichtungswaffen zu
haben, wie die VSA (nämlich gar keins). Das war
nie die Frage und soweit ich das beurteilen kann,
haben die meisten (ausser den Politikern) dieses
Scheinargument abgelehnt.

es spricht schon für sich: hier schreit ein ungezogener grosser junge, sein feind besässe vielleicht die eine oder andere marmel. "aber du hast doch tausend davon" hat ihm keiner gesagt. das recht, tausend marmeln zu haben, wurde mit keinster silbe in frage gestellt, leider nicht, da habe ich aber schon genug zeitungen gelesen, und nicht nur provinzblätter. wer diese frage im zusammenhang nicht mit marmeln, sondern massenvernichtungswaffen nicht stellt, ist gekauft und vorbelastet. hingegen wurde darauf verwiesen, man solle jetzt ja nicht auf antiamerikanisch machen, die hätten uns vom faschismus befreit und den 2. wk beendet. (mit zwei ….atombombenwürfen! ein potentes friedenssignal!)

Natürlich ist die christliche

Ethik schlecht.

vielleicht ist es einfach nur das: was ich schlecht finde, bin ich nicht bereit mit dem ausdruck ethik zu würdigen.

Aber eben: Solange die Christen die Mehrheit

gestellt hatten, galt ihre Ethik.

mit wieviel blut durchgesetzt! ich würde nicht einmal christen sagen: zwangschristen. das recht des stärkern galt, nichts weiter.

Nun gilt eine

andere. Ethik ist nun mal nichts abslolutes.

es gilt immer noch das recht des stärkern. und krieg ist sein faustrecht. ob mit der zeit das wörtchen christentum verschwindet oder nicht….war ja eh nie sehr ernst gemeint damit (liebesreligion, für die armen, etc.)

Gegenfrage: Wie weit muss der Gewaltverzicht

gehen? Darf man sich wehren? Darf man Tiere
halten und schlachten?

eigentlich nicht, nein.

Wie weit geht die Gleichberechtigung,

gilt sie nur für Menschen? Warum? Das ist auch
eine Form von Rassismus.

ja.

Meiner Meinung nach muss man die Tiere anständig

und artgerecht halten,

mit halten beraubt man sie ihrer freiheit. das geht ethisch zu weit.

darf sie aber essen

(immerhin essen Tiere auch andere Tiere, warum
sollte der Mensch das nicht dürfen).

hm. wieso die berufung auf tiere, wenn es um menschliche ethik geht?

Im Moment denke ich, dass meine Vorstellung

breitere Zustimmung findet, als die von Achim.
Aber das kann sich im Laufe der Zeit genauso
ändern, wie sich die Ansicht über den Wert von
Negern oder Frauen geändert hat.

im laufe der zeit ändern die vorurteile und diskriminierungen, ja. du fändest also z.b. die negerversklavung ein ausdruck der damaligen ethik?

Aber hier gehen die Meinungen über die Ethik

auseinander. Daher meine Schlussfolgerung: *Ethik
ist nichts absolutes, sie ist von Menschen
gemacht und wiederspiegelt einen allgemeinen
Konsens.*

ich lehne eine definition von ethik ab, die sich nach breiter akzeptanz richtet. sie drehte sich immer nach dem winde, der gerade bläst….ich lehne auch ab, weil es eine sehr akademische definition ist, das gefühlsmässige völlig ausklammert, statt ihm priorität zu geben.

Ich nehme einen relativen Bezugspunkt, nämlich das

kulturell und historisch erarbeitete
Selbstverständnis der Menschen, das was sich in
der Vergangenheit als gut erwiesen hat, die
Lehren aus begangenen Fehlern und das
Gerechtigkeitsverständnis.

Ich nehme einen relativen Bezugspunkt, nämlich das

kulturell und historisch erarbeitete
Selbstverständnis der Menschen, das was sich in
der Vergangenheit als gut erwiesen hat, die
Lehren aus begangenen Fehlern und das
Gerechtigkeitsverständnis.

ja, da denke und lebe ich anders. ich sehe wohl ethik moralischer. ich sehe die verbrechen hinter dem deckmäntelchen. ich baue nicht auf kulturell und historisch erarbeitetes. persönlich wohl schon, aber ich spreche tatsächlich unserer zivilisation insgesamt ab, dass sie ein ethisch-moralisches vermögen hat. nicht aber dem einzelnen, keinesfalls. aber er lässt sich einspannen, knechten, unter druck setzen. es ist nie was gutes herausgekommen dabei, bis zum heutigen tag. wenn du den humanismus rühmst, von dem ich gewiss kaum eine ahnung habe, dann muss er auf individualität gründen. dann wär er was für mich, möglicherweise.

Das ganze Völker versklavt oder ausgerottet

wurden, war lange Zeit der normale Verlauf der
Geschichte. Erst in jüngster Zeit wurde das mehr
und mehr als Unrecht begriffen. Die Ethik wandelt
sich.

es wird auch damals menschen gegeben haben, die in der versklavung und ausrottung ganzer völker ein verbrechen gesehen haben. da bin ich mir sicher. und die bestritten haben, dass sich sowas ethisch rechtfertigen lasse.

Es ist halt ein indirekter Vorteil: Wer heute die

Nahrung teilt, ob Mensch oder Tier, der erwartet
später auch einen Anteil zu erhalten, wenn er
selbst nichts hat. Das ist ein sehr vernünftiges
Verhalten, wenn sich ein Grossteil der Gruppe
daran hält.

mira vernünftig, aber nid ethisch. das wäre einfach simple buchhaltung, nichts weiter.

Dem Menschen wird da seine eigene Intelligenz zum

Verhängnis: Er denkt, das System überlisten zu
können, indem er mehr profitiert und nichts
zurückgibt. Dabei beachten diese Typen nicht,
dass sie damit das ganze System kaputt machen und
selber auch an den Folgen leiden werden.

oh ja. aber nicht intelligenz: gier. (die ist unintelligent, unfilosofisch, unethisch; aktiv ausgedrückt: dumm, unglücklich und verwerflich)

Schau mal, wo die Kirchen heute sind:

Mitgliederschwund in der Schweiz: Katholiken
20'000 pro Jahr, reformnierte 10'000!

:)

Die Juden waren nicht die einzigen Opfer, und der
Widerstand wuchs mit den Verbrechen an.

weiss ich. aber sind trotzdem millionen umgekommen, widerständler inklusive. was hätten die tun sollen?

Gerade die Tatsache, dass Gefühle _"einfach

kommen"_ sollte misstrauisch machen. Natürlich,
Gefühle sind eine Tatsache, die zu
berücksichtigen ist. Aber man muss schon sehr
sorgfältig abwägen, ob ein Gefühl gut oder
schlecht ist. Hass ist auch ein Gefühl.

völlig einverstanden.

uff! weiter so!

Antwort auf diesen Diskussionsbeitrag
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Was ist Ethik? (mrw)


Am 20.04.2004 14:17 schrieb mrw:

Was ist Ethik

Ich habe mich mal ein bisschen belesen.

Im Lexikon war ein längerer Abriss über die Geschichte der europäischen Ethik, nicht aber eine Definition derselben.

Die beste Definition fand ich im Duden Fremdwärterbuch. Dort steht unter anderem:

"Normen und Maximen der Lebensführung, die sich aus der Verantwortung gegenüber anderen herleiten."

Das entspricht ziemlich meiner Auffassung, denke ich.

Am 2004-04-19 18:22:31 schrieb daniel: > Wie definierst Du Ethik?


als das streben nach glück. nach verbundenheit und
aufgehobensein, nach liebe und lebensfreude.
ethik ist, was sich aus solchem empfinden und
suchen heraus über das leben sagen lässt.

Ich denke, die Ethik sollte weniger dem eigenen Bedürftnis, Wunsch und Streben entspringen sollte, als dem Umgang mit anderen.

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