Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Schweizer Armee (mrw)

Nur angemeldete Nutzer dürfen mitdiskutieren.
Diskussionsbeitrag:

Am 21.04.2004 09:45 schrieb mrw:

Am 2004-04-20 14:20:13 schrieb daniel:
ich mache die erfahrung, dass in
der justiz dinge offenbar hinter verschlossenen
türen ausbaldowert werden. dass es (nicht
eingestandene) quoten gibt, willkür usw. wer da
genau mit wem verbandelt ist, bleibt mir nebulös.
ein kleines beispiel aus meiner 'praxis': wir
haben in der ch die 'gewissensprüfung' für
militärverweigerer, und zwar mindestens seit 80
jahren. ab 1997 wird diese prüfung von einer
zivildienstkommission durchgeführt, vorher waren
es ausschliesslich militärgerichte. die
rigorosität des gesetzes ist sich
gleichgeblieben, aber es werden heute deutlich
mehr leute als 'gewissensverweigerer' anerkannt.
über jahrzehnte liess mal, immer auf zwei, drei
prozentpunkte genau, einen drittel als
'gewissenstäter' zu vor den gerichten. dann gabs
92/93 eine gesetzesänderung, die nicht die
definition des gewissens, sondern bloss die
vollstreckung der urteile betraf (es wurden immer
alle verurteilt, ob gewissen oder nicht; gab nur
etwas mehr oder weniger knast); über nacht
erhöhte sich die quote auf zwei drittel der
verweigerer, die als 'gewissenstäter' eingestuft
wurden. also irgendwelche leute mischeln da im
hintergrund kräftig die karten!

Da hast Du Dir ja ein ganz gutes Beispiel ausgesucht ;-)

Also, für alle, die's noch nicht begriffen haben: Das mit der Gewissensprüfung ist eine reine Farce. Das einzige, was zählte war, was politisch machbar war. Natürlich sagt das Militär, welchen Prozentsatz sie haben wollen.

Das Problem ist nicht der Rechtsstaat oder die Justiz, sondern dieses lausige Gesetz. Das Problem ist, dass das Gesetz dem damals politisch machbaren entspricht, nicht dem sinvollen. Eine "Gewissensprüfung" ist natürlich kompletter Unsinn. Das dürfte den meisten beteiligten klar sein. Aber anders hätte man das Gesetz nicht durchgebracht, auch wenn die Armee mittlerweile viel von ihrem Status als heilige Kuh verloren hat.

Das störendste daran ist aber, dass die Verfassung hier rassistisch ist: Nur Männer sind militärdienstpflichtig. Frauen nicht. Die gescheiteste Lösung wäre meiner Ansicht nach, den Militärdienst für Männer und Frauen freiwillig zu machen. Sollen die, die das Militär als sinnvoll erachten auch ihren Dienst tun und die anderen in Ruhe lassen. Andererseits aber sollte man im Militär massiv Geld sparen und dieses in friedenssichernde Aktionen investrieren, allen voran die Beseitigung von Armut und Ungerechtigkeit.

Ich habe es anders erledigt, weil zu meiner Zeit die Verfassung zwar bereits geändert, das ausführende Gesetz aber noch nicht verabschiedet war, konnte ich mich nicht auf mein Gewissen berufen. Ich blieb dann der RS fern. Als ich merkte, dass das ganze finanziell teuer werden konnte, verlangte ich mit Erfolg nach einem Psychiater. Dieser kam nach einigen Sitzungen, wohl wegen meiner letenten Ablehnung von unbegründeter Autorität, zum Schluss, dass es wohl besser sei für beide Seiten, das Militär und für mich, wenn ich untauglich geschrieben werde.

Hier können allgemeine Diskussionen zum Thema Atheismus stattfinden, die sich nicht direkt auf einen Artikel beziehen. Eine Anmeldung ist erforderlich. Es gelten die Teilnahmebedingungen.

Dies sind keine redaktionellen Beiträge! Hier melden sich die Gäste von atheismus.ch zu Wort.

Ein neues Thema starten: Neues Thema eröffnen.

Nur angemeldete Benutzer können antworten.
Seitenzugriffe seit 19.01.2009: hier: 753, atheimus.ch insgesamt: 1218635
Wiki-Verweis auf diese Seite: [[:10_diskussionsforum:29960918084333:20040420142013:20040421094525:00_index]]
Nächste Seite