Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Die Standardantwort Re: Re: Erdbeben (mrw)

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Diskussionsbeitrag:

Am 27.02.2004 11:40 schrieb mrw:

Das wirklich ausgesprochen dumme Argument Deiner Lehrerin, Naturkatastofen auf die Menschen abschieben zu wollen, habe ich zwar auch schon gehört, die christliche Standardantwort auf Deine Frage lautet aber meist anders.

Die Antwort der Fundies

Christliche Fundamentalisten antworten in der Regel, dass Naturkatastrofen eine Strafe für begangene Sünden sind. Dies entspricht auch weitgehend der Argumentationsweise im "Alten Testament" der "Bibel".

Der Denkfehler bei dieser Antwort ist der, dass bei Naturkatastrofen nicht nur "Sünder" im christlichen Sinne umkommen oder geschädigt werden, sondern auch fromme, gläubige Christen.

Auch Einzelfälle, in denen ein besonders frommer und gläubiger Christ "wie durch ein Wunder" unverletzt gerettet wird sind unbedeutend. Auf jeden "wie durch ein Wunder" geretteten Christen kommen etliche "wie durch ein Wunder" gerettete Nichtchristen, Ketzer und Sünder. Bei der Rettung aus Katastrofen und bei Überlebenden gibt es keine statistisch signifikante Häufung von Christen.

"Wundersame" Errettungen

Dazu kommt, dass bei fast jeder Katastrofe noch das eine oder andere Opfer "wie durch ein Wunder" nach vielen Tagen, und nachdem alle Helfer die Hoffnung aufgegeben haben, noch gerettet wird. Die Redewendung "wie durch ein Wunder" ist irreführend. Dies ist kein Wunder, sondern simple Wahrscheinlichkeitsrechnung: Die Wahrscheinlichkeit einer Rettung nimmt zwar ab, je länger das Ereignis zurück liegt, sie wird aber nicht Null. Demzufolge muss mit steigender Opferzahl auch das eine oder andere Opfer nach langer Zeit noch gerettet werden können.

Ein Beispiel sagt mehr als 1000 Worte: Nehmen wir an, die Wahrscheinlichkeit, dass jemand nach drei Tagen leben aus den Trümmern eines Erdbebens gerettet wird beträgt lediglich ein Promille (0,1%). Wenn nun noch tausend Menschen vermisst werden, wird im Durchschnitt genau ein Mensch nach drei Tagen "wie durch ein Wunder" gerettet, sagt die Statistik.

Die Antwort der Gemässigten

Gemässigte Theologen antworten in der Regel, dass viele Menschen z.B. durch ein Erdbeben näher zu Gott kämen. Auserdem könne der Mensch an Leid und schweren Ereignissen wachsen.

Beide Aussagen sind im Prinzip richtig. Nur ist diese Einstellung eine menschenverachtende Verhöhnung der Opfer. Offenbar ist diesen Theologen die Frömmigkeit wichtiger, als Leben und Schicksal der Menschen.

Der wesentliche Denkfehler dieser Argumentation ist aber der folgende: Die Überlebenden mögen vielleicht an ihrem harten Schicksal wachsen können, nicht aber die Toten! Denjenigen, die bei einem solchen Unglück sterben, denen nimmt Gott jede Möglichkeit, doch noch zu ihm zu finden. Stell Dir vor, ein armer Sünder stirbt, bevor ihm seine Sünden vergeben worden sind! Oder ein Atheist stirbt, bevor er zum Christentum konvertieren konnte. Nach christlicher Logik ist so etwas unverzeihlich schlimm.

Die Gegenargumentation der Christen auf diesen Denkfehler ist oft, dass die Verstorbenen im Himmelreich noch eine zweite Chance erhalten würden. Dagegen sprechen aber folgendes: Warum ist es so wichtig, dass ein Priester einen sterbenden segnet und ihm die letzte Beichte abnimmt, wenn es nach dem Tod sowieso eine zweite Chance gibt? Offenbar ist diese letze Ölung aber (zumindest bei den Katholiken) sehr wichtig. Das heisst, dass es im Jenseits offenbar darauf ankommt, ob man mit oder ohne Sünden(-vergebung) stirbt. Zum anderen heisst das, dass ein so im falschen Moment unerwartet verstorbener im Jenseits zuerst in die schlechte Kategorie eingestuft wird (sei das die Hölle oder was auch immer die Christen glauben) und leiden muss, bevor er erst nach der Wiederkunft Christi und nach dem tausendjährigen Friedensreich die Chance auf Verbesserung erhält. Dies obschon er vielleicht nach nur einem weiteren Jahr auf Erden zum frömmsten aller Christen geworden wäre und Anrecht auf Vorzugsbehandlung im Jenseits bekommen hätte. Ob er fromm geworden wäre, kann nach christlicher "Logik" Gott trotz seiner angeblichen Allwissenheit nicht wissen, wegen des freien Willes der Menschen (auch so ein typisch christlicher Widerspruch: Die Unverträglichkeit von freiem Willen und Allwissenheit).

Antwort auf diesen Diskussionsbeitrag
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Re: Die Standardantwort Re: Re: Erdbeben (Pegasos)


Am 27.02.2004 18:26 schrieb Pegasos:

Auch Einzelfälle, in denen ein besonders frommer
und gläubiger Christ "wie durch ein Wunder"
unverletzt gerettet wird sind unbedeutend. Auf
jeden "wie durch ein Wunder" geretteten
Christen kommen etliche "wie durch ein Wunder"
gerettete Nichtchristen, Ketzer und Sünder.

Es kommt ja auch manchmal vor, dass jemand, der krank oder schwer verletzt war und eine geringe Überlebenschance hatte, sich dann doch wieder erholt. Dann kommen immer wieder Angehörige dieser Person und behaupten, das sei geschehen, weil sie für ihn oder sie gebetet hätten. Ich frage mich dann immer, wie viele solcher "Wunder" auf die Fälle kommen, bei denen die Angehörigen auch gebetet haben, die dann aber nicht durchgekommen sind - oder bei wie vielen

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