Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Objektive und subjektive Ethik (Re: Wie Christen zu leben haben) (mrw)

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Diskussionsbeitrag:

Am 23.07.2003 17:05 schrieb mrw:

Am 2003-07-22 23:31:08 schrieb David:
Du Schreibst immer wieder davon, dass der Glaube
nicht objektiv ist. Auch die Ethik nimmst Du da
als Besipiel.

Ich verstehe nicht, worauf Du ansprichst, daher eine Klarstellung:

Ethik ist objektiv.

Ehtik ist eine Ubereinkunft von Menschen darüber, wie sie sich gegenseitig verhalten. Nicht ein einzelner Mensch bestimmt die Ethik, sondern eine Gruppe von Menschen.

Ethik ist subjektiv!

Damit ist Ethik zwar immer noch subjektiv, nur auf diese Gruppe bezogen. Sie ist, wie Religion auch, Kultur und Kontextabhängig.

Aber Ethik ist anders!

Sie ist sowohl objektiv, wie auch subjkektiv, das heisst, man kann die an sich subjektive Ethik sehr wohl objektivieren, und das geht so:

Es gibt zwei Gruppen von ethischen Regeln: Solche, die kulturspezifisch sind, z.B. dass man Selbstmord begehen muss, wenn man das Gesicht verliert, und solche, die in allen Kulturen dieser Welt gleich sind, z.B. dass man nicht stehlen darf.

Nun gilt es, diese ethischen Regeln zu separieren in objektive und subjektive, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Mit den universell gültigen, objektiven hat man eine globale Ethik gefunden, während man die kulturspezifischen mit den Religionen zusammen in den Müll werfen kann.

Warum gibt es eine globale Ethik?

Es gibt universell gültige ethnische Regeln, aber kommen die denn nicht von einem Gott? Natürlich nicht, insbesondere daher nicht, weil auch einige der zehn Gebote auf den Müll der subjektiven Regeln gehören. Wenn man die global gültigen Regeln betrachtet, dann bemerkt man vor allem eins: Sie verbieten Dinge wie stehlen, morden, lügen, betrügen, u.s.w. Sie alle sind unbedingt notwendig, um ein menschliches Zusammenleben überhaupt zu ermöglichen. Sogar gesellschaftsfähige Tiere befolgen instinktiv ähnliche Regeln. Das Vorhandensein solcher Regeln erklärt sich daher aus der Evolution: Nur so ist das Uberleben einer Gruppe von Menschen optimal. Wenn sich nämlich die Menschen einer Gruppe gegenseitig bekämpfen, helfen sie damit zwar kurzfristig sich selber, langfristig aber schaden sie der ganzen Gruppe - und die Evolution wirkt sehr langfristig.

Darum braucht es kein äusseres Wesen, um zu einer objektiven Ethik zu gelangen. Die Beobachtung der Menschheit führt zum Ziel.

Du kannst noch so darüber wettern, wie die
Christen nicht einheitlich, geschweige denn, gut
leben. ok, hast Du recht.
Was sie aber gemeinsam haben ist die Akzeptanz
dessen, dass sie sich nicht anmassen (jedenfalls
in der Regel) Ihre Ethik sei die richtige. Sie
Stellen Gottes Ethik, resp. deren Auslegung über
ihre eigene Meinung. Dass das natürlich immer
wieder anders interpretiert wird und die
komischsten Auswüchse haben kann versteht sich
von selber.

Die Christen massen sich nicht an, zu sagen, dass ihre Ethik die richtige sei, sondern dass ihr Verständnis von Gottes Ethik die richtige sei. Das ist aber im Endeffekt genau dasselbe!

Wie ein Christ leben soll: Er soll nach Gottes
Willen leben versuchen und das von Herzen.

Er muss herausfinden, was Gottes Wille ist. Offenbar sagt ihm Gott das aber nicht, sondern er setzt ihm eine riesige Auswahl von Kirchen und Sekten vor, ohne Hinweis darauf, welche nun richtig und welche falsch liegen. Ausserdem gibt er ihm ein sehr interpretationsbedürftiges Buch.

Letztlich muss jeder Christ selbst erraten, was er meint, was Gottes Wille sei. Dabei kommt es logischerweise zu all den bekannten Auswüchsen. Wenn Gott in der Bibel mal als liebend, mal als mordend dargestellt wird, mal Erlösung verspricht und dann mit der Hölle droht, dann ist es ganz logisch, dass die einen glauben, Gott wolle von ihnen, dass sie alle Menschen lieben, und die anderen meinen, Gott wolle, dass sie alle Ungläubigen abschlachten.

Hierzu ein Zitat aus einem E-Brief, der an die Betreiber dieser Seite geschickt wurde:

"Sie dummer Ungläubiger Idiot! ich würde sie aufschlitzen! vor Gottes angesucht und Gott würde mich loben! ihre Homepage ist absurd! sie haben kein Gewinn damit"

Der Typ fühlt sich dabei genauso als guter Christ, wie Du…

Ich hoffe, das hilft Dir zu verstehen, warum ich Dir deine subjektiven Gefühle vorwerfe, obschon Du sie so grossartig findest. Subjektivismus führt zu Beliebigkeit. Der eine wird durch das Christentum zu einem braven umgänglichen Bürger, der andere zum Mörder. Beide berufen sich (zu Recht) auf die Bibel und beide berufen sich auf ihre individuelle Gotteserfahrung.

Kein Wissenschafter dieser Welt käme auf die Idee, jemanden "aufschlitzen" zu wollen, der sich gegen die Evolutionstheorie wendet. Er würde höchstens versuchen, mit Argumenten zu überzeugen

  • oder ihn halt dumm sterben lassen.
Wie Christen zu leben haben

Grundsätzlich gleich, wie Nichtchristen, mit den gleichen Rechten und Pflichten, inklusive dem Recht, privat ihren Glauben auszuüben, soweit sie damit nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten (indem sie z.B. Priester anderer Religionen (z.B. Baalspriester) meucheln).

Antwort auf diesen Diskussionsbeitrag
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Re: Objektive und subjektive Ethik (Re: Wie Christen zu leben haben) (David)


Am 24.07.2003 00:59 schrieb David:

Am 2003-07-23 17:05:38 schrieb mrw: >
Am 2003-07-22 23:31:08 schrieb David:
Du Schreibst immer wieder davon, dass der Glaube
nicht objektiv ist. Auch die Ethik nimmst Du da
als Besipiel.


Ich verstehe nicht, worauf Du ansprichst, daher
eine Klarstellung:

Ethik ist objektiv.

Ethik ist subjektiv!

Aber Ethik ist anders!

Sie ist sowohl objektiv, wie auch subjkektiv, das
heisst, man kann die an sich subjektive Ethik
sehr wohl objektivieren, und das geht so:

Es gibt zwei Gruppen von ethischen Regeln: Solche,
die kulturspezifisch sind, z.B. dass man
Selbstmord begehen muss, wenn man das Gesicht
verliert, und solche, die in allen Kulturen

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