Atheismus in der Schweiz
Diskussion

Re: Re: Objektive und subjektive Ethik (Re: Wie Christen zu leben haben) (mrw)

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Diskussionsbeitrag:

Am 24.07.2003 16:00 schrieb mrw:

Am 2003-07-24 00:59:21 schrieb David: >
Am 2003-07-23 17:05:38 schrieb mrw: >
Am 2003-07-22 23:31:08 schrieb David:
Es gibt zwei Gruppen von ethischen Regeln: Solche,
die kulturspezifisch sind, z.B. dass man
Selbstmord begehen muss, wenn man das Gesicht
verliert, und solche, die in allen Kulturen
dieser Welt gleich sind, z.B. dass man nicht
stehlen darf.


Das hängt von Deiner persönliche Sichtweise ab,
was denn objektiv sein soll oder nicht, mit
Deiner Erziehung, Deinem Umfeld. Wenn wir noch
einen Araber, einen Inder, einen Chinesen fragen
- Du wirst keine Deiner angesprochenen Punkte in
einer globalen Ethik finden - es gibt sie nicht.

Die objektiven ethischen Grundregeln sind die, denen der Schweizer, der Araber, und der Chinese zustimmen. Keine Einigung wird man finden, wenn es um die Frage geht, wie ein Regelverstoss zu bestrafen ist.

- Erkär einem Strassenjungen, der von Diebstahl lebt,
das dies falsch sei… (Ghettos, wo Millionen Menschen
leben - man also ruhig auch als Kultur bezeichnen kann…)

Es geht nicht um die persönliche Meinung einzelner Individuen, sondern um mehrheitlich akzeptierte Regeln ganzer Gesellschaften. Abgesehen davon weiss der Strassenjunge, dass er etwas schlechtes tut, und darum geht es.

- Erklär einem Menschen im Balkan, die Blutrache, da
das töten sei falsch…

Wie gesagt, die Art der Strafe ist von der Kultur abhängig, aber nicht die Tatsache, dass z.B. ein Mord schlecht ist. Es gibt zwar auch Gesellschaften, wo Mord erlaubt ist (Todesstrafe in den VSA, Blutrache, Krieg), jedoch sind diese (rituellen) Tötungen eingeschränkt, ein beliebiges Töten einer beliebigen Person ist überall verboten.

Wer bemächtigt Dich oder einen anderen Menschen dazu,
zu definieren, welche Regeln denn nun als global
anzusehen sind und welche nicht?

Ich definiere nicht, ich analysiere und vergleiche.

Oder ist Ethik eine Frage der Demokratie?

Ja und nein. Die Ethik hat in der Entwicklung des Menschen herausgebildet, sie ist Resultat der Evolution. Das was nach der Entfernung von kulturellen Eigentümlichkeiten übrig bleibt, ist ein stabiles, universelles Gerüst, dass die wesentlichen Grundregeln, die ein menschliches Zusammenleben ermöglichen. Diese Grundregeln sind kaum erschütterbar. Uber alles andere, was darüber hinaus geht, kann man (und wird man) geteilter Meinung sein.

Ethik ist eben nicht ein Selbstzweck, von einem höheren Wesen gegeben und unveränderlich, sie ist notwendige Voraussetzung dafür, dass das Gesellschaftstier "Mensch" überleben kann. Egal, ob eine Ethik auf der Bibel basiert, dem Koran, dem Buddhismus, dem Atheismus oder der Wissenschaft, egal ob sie aus China, Europa oder Afrika kommt, die wesentlichen Regeln sind identisch. Raub, Mord, Diebstahl sind nirgendwo erlaubt. Ethische Regeln werden von Menschen für Menschen gemacht. Sie werden durch Erziehung und Gesetzesbücher weitergegeben.

Die Christen massen sich nicht an, zu sagen, dass
ihre Ethik die richtige sei, sondern dass _ihr
Verständnis_ von Gottes Ethik die richtige sei.
Das ist aber im Endeffekt genau dasselbe!

Nein, weil sie immerhin bereit sind, auch etwas zu
akzeptieren, dass nicht Ihrer Meinung entspricht.

Sie akzeptieren genau das, was sie selber meinen, wolle Gott von ihnen haben, oder dann das, was andere ihnen sagen, dass Gott es von ihnen haben wolle. Niemals aber das, was Gott wirklich will (so es ihn denn gäbe), weil sich dieser Gott nie in der notwendigen Eindeutigkeit offenbart.

Und wenn wir das perfekt machen könnten - dann
bräuchten wir nicht erlöst zu werden, dann wären
wir in der Lage, Gott zu 100% zu verstehen und
danach zu handeln

Irgendwie finde ich Deine Argumentation total absurd. "Die Christen tun, was Gott von ihnen verlangt, leider verstehen sie aber nicht, was Gott von ihnen will."

_"Sie dummer Ungläubiger Idiot!

Mit dem Typen bin ich nicht einverstanden: "Liebe
Deinen Nächsten…", resp. selbst wenn er Dich
als Dein Feind anschaut: "Liebe Deine
Feinde…"

Leider gibt es unter den (von mir aus sogenannten) Christen viele solche Spinner. Was wie gesagt ein Grund ist, das Christentum zu bekämpfen (abgesehen von der Tatsache, dass es nun mal nicht der Wahrheit entspricht).

Kein Wissenschafter dieser Welt käme auf die Idee,
jemanden "aufschlitzen" zu wollen, der sich
gegen die Evolutionstheorie wendet. Er würde
höchstens versuchen, mit Argumenten zu überzeugen
- oder ihn halt dumm sterben lassen.

Glaub mir, auch da gibt es Fanatiker! Mit den
gleichen Auswüchsen, davon bin ich überzeugt…

Fanatiker gibt es überall. Mir ist aber kein wissenschaftlich motivierter Mord bekannt. Höchstens, dass mal einer Resultate türkt, um sich zu profilieren (kommt aber früher oder später immer raus), oder vielleicht einer mal um jeden Preis eine ihm widersprechende Veröffentlichung verhindern will (auch das lässt sich nicht ewig verhindern). Aber solche Fälle sind sehr selten. Die Wissenschaft hat Wege, Streit zu entscheiden, die der Religion fehlen.

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